Wartezeit auf Therapieplatz liegt bei sechs Monaten

Zu wenig Psychotherapeuten

Auf ein Erstgespräch bei einem Halterner Psychotherapeuten müssen Menschen teilweise sechs Monate warten. Damit ist die Situation für psychisch Erkrankte hier noch schlimmer als durchschnittlich im gesamten Kreis Recklinghausen.

Haltern

von Von Angela Wiese

, 28.09.2012, 15:23 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Es ist tatsächlich schwer, einen Platz zu finden“, sagt Dr. Klaus Render, Halterner Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Er überweist Patienten, je nach deren Bedarf, an Psychotherapeuten. Nicht jeder könne einen Therapieplatz in Haltern finden, sagt er. Einige fänden ihren Therapieplatz unter anderem in Münster oder Bielefeld. „Es ist durch die Bank katastrophal“, beschreibt der Halterner Psychotherapeut Markus Engelbrecht. In seiner Gemeinschaftspraxis gilt aktuell ein Annahmestopp für Erwachsene. Anders gehe es nicht. Eine Warteliste hat er nicht mehr. Er hatte schon mal eine Liste, bei der einzelne Patienten zwei Jahre Wartezeit hatten. Insgesamt gibt es sechs Psychotherapeuten in fünf Praxen in Haltern. Nach geltender Bedarfsplanung ist im Kreis Recklinghausen ein Therapeut für 8743 Menschen da, erklärt Psychologin Kerstin Scotland vom Verein PsyNet, einem Netzwerk für Psychotherapeuten im Kreis Recklinghausen. „Das Ruhrgebiet ist total unterversorgt“, sagt Scotland. Dabei liege die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei 19 bis 25 Prozent. Ein großes Problem, denn oft ist schnelle Hilfe wichtig, sagt Kay Funke-Kaiser, Sprecher der Psychotherapeutenkammer NRW. Depressionen zum Beispiel können mit Suizidgedanken verbunden sein.

Psychische Beschwerden, die zu lange unbehandelt bleiben, können vieles kaputt machen, erklärt auch Kerstin Scotland. Nicht nur, weil sie dann zum chronischen Problem werden können. Wenn jemand monatelang auf den Therapieplatz warten muss, währenddessen immer wieder krankgeschrieben ist, die Familie leidet, könne das auch zu Arbeitslosigkeit und zur Ehekrise führen. Die Psychotherapeutenkammer fordert 1600 zusätzliche Praxen in NRW. Das erfordert entsprechend mehr Honorar: Die Kammer geht von 120 Millionen Euro aus, die die Krankenkassen zahlen müssten.

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