Ein stattliches Windrad, das zu den größten Deutschlands zählte, ist nur noch ein Haufen Trümmer. © Schrief
Windrad-Einsturz

Warum stürzte das Windrad in Haltern ein und wer trägt die Kosten?

Sobald wie möglich möchte Nordex das Trümmerfeld in der Hohen Mark räumen lassen. Die Frage ist nun, wer nach dem Windrad-Einsturz den millionenschweren Schaden bezahlt.

Die Ermittlungen an der Einsturzstelle im Windpark AV 9 können ab Mitte der Woche so richtig beginnen. Bis dahin soll die Unfallstelle so gesichert sein, dass Gutachter gefahrlos ihre Untersuchungen zur Einsturzursache durchführen können. Nordex SE, der Erbauer der beiden 249 Meter hohen Windenergieanlagen in der Hohen Mark, rechnet nicht sofort mit Ergebnissen. Bekanntlich war eines der zwei von der RAG Montan Immobilien und Stadtwerke Haltern gebauten Windräder einen Tag vor der offiziellen Einweihung eingestürzt.

Bei dem Turm handelt es sich um einen 164 Meter hohen Hybridturm, der aus einem Betonturmteil und einem darauf montierten Stahlrohrturmteil besteht. Grundsätzlich sind Stahl- und Hybridtürme in Europa üblich, diese bezieht die Nordex Group von verschiedenen Zulieferern. Außerhalb Deutschlands gibt es auch reine Betontürme, die Nordex selbst produziert. Alle Turmarten kommen nach Auskunft des Hamburger Unternehmens in verschiedenen Varianten von unterschiedlichen Lieferanten zum Einsatz.

„Die Ursachenforschung steht noch am Anfang“

Ein Unternehmenssprecher sagt auf Nachfrage: „Wir möchten deutlich machen, dass es derzeit noch keine Klarheit über die Ursache der Havarie gibt, die Ursachenerforschung noch am Anfang steht und wir ergebnisoffen in alle Richtungen die Untersuchungen vornehmen.“

Wer bezahlt den millionenschweren Schaden? Nordex habe grundsätzlich die verschiedensten Risiken in Form von Versicherungen abgesichert, heißt es aus Hamburg. Welche Regelungen in diesem Fall greifen, hänge von den Ergebnissen der Ursachen-Analyse ab, deshalb möchte Nordex aktuell dazu keine weiteren Aussagen machen.

In dieser Woche beginnen die Experten mit der detaillierten Analyse der Turmsegmente und Rotorblätter, auch die „Bottom Box“ wird dann ausgewertet. Die Bottom-Box steht im Turminneren und übernimmt ebenso Steuer- wie Überwachungsfunktionen.
In dieser Woche beginnen die Experten mit der detaillierten Analyse der Turmsegmente und Rotorblätter, auch die „Bottom Box“ wird dann ausgewertet. Die Bottom-Box steht im Turminneren und übernimmt ebenso Steuer- wie Überwachungsfunktionen. © Guido Bludau © Guido Bludau

Sobald die Gutachter und dann auch das Umweltamt des Kreises ihre Aufgaben erledigt haben, soll die professionelle Räumung der Unglücksstelle erfolgen. Erst wenn ein klareres Bild von der Situation vor Ort vorliege, lasse sich einschätzen, wie dabei am sinnvollsten vorzugehen sei.

Zweite Anlage des Windparks bleibt abgeschaltet

Derweil ist das zweite Windrad der Windpark-Gesellschaft AV 9 noch immer außer Betrieb gesetzt. Eine Netzzuschaltung erfolgt erst dann wieder, wenn ein sicherer Betrieb gewährleistet werden kann.

„Details der Sicherheitsprüfung hängen natürlich auch von den Ergebnissen der Ursachenanalyse der havarierten Anlage ab“, sagt der Unternehmenssprecher. Aufschluss erwartet das Unternehmen vor allem auch aus den Aufzeichnungen der Bottom Box, ähnlich einer Black Box in einem Flugzeug, die in der Unglücksstelle lokalisiert werden konnte und möglichst schnell geborgen werden soll.

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Elisabeth Schrief