Gas- und Strompreise steigen zurzeit rasant. © dpa
Stadtwerke Haltern

Was bedeuten die steigenden Energiepreise für Halterner Stadtwerke-Kunden?

Gas- und Strompreise schnellen derzeit im Großhandel in die Höhe. Müssen Kunden der Stadtwerke Haltern Versorgungsengpässe oder Preiserhöhungen befürchten? Wir haben den Energieversorger gefragt.

Die massiv gestiegenen Großhandelspreise für Strom und Erdgas setzen immer mehr Energie-Discounter unter Druck. Einige Anbieter in Deutschland haben bereits Kunden die Verträge gekündigt oder die Belieferung eingestellt, darunter die Deutsche Energiepool GmbH sowie die beiden Strommarken Immergrün und Meisterstrom der Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft. Per Mail wurden die Kunden darüber informiert.

„So etwas kann bei den Stadtwerken nicht passieren“, erklären die Stadtwerke in Haltern. „Bei uns kann sich jede Kundin und jeder Kunde darauf verlassen, dass wir sie oder ihn zuverlässig zu den vereinbarten Konditionen beliefern“, betont Stadtwerke-Vertriebsleiterin Sandra Leistner. Nach ihrer Aussage decken sich die Stadtwerke „langfristig mit den benötigten Mengen ein, so dass uns steigende Großhandelspreise nicht in eine Schieflage bringen können“.

Aktuell ist keine Preiserhöhung geplant

Die Gas- und Strompreise im Großhandel haben sich seit Jahresbeginn mitunter fast verdreifacht. Auch die Halterner Stadtwerke sehen derzeit noch kein Ende dieser belastenden Entwicklung. Denkbar sei auch eine weitere Verschlimmerung, meinte Sprecher Thomas Liedtke. Kaffeesatzleserei will er aber nicht betreiben. Fakt ist jedoch: Auch angesichts der aktuellen Situation ist aktuell keine Preiserhöhung für die Kunden der Stadtwerke geplant. Das bestätigte der Sprecher auf Anfrage.

Eine Kilowattstunde Gas kostet 5,99 Cent

So betrage der Gaspreis für einen durchschnittlichen und etwa 90 Quadratmeter großen Zwei-Personen-Haushalt bei einem Jahresverbrauch von rund 15.000 Kilowattstunden 1000 Euro. Monatlich entspreche dies einem Abschlag in Höhe von 84 Euro. Liedtke: „Aktuell kostet die Kilowattstunde 5,99 Cent.“

Die Stadtwerke Haltern äußern sich zu den allgemein steigenden Energiekosten.
Die Stadtwerke Haltern äußern sich zu den allgemein steigenden Energiekosten. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

Beim Strom zeigt sich folgendes Bild: Auf einen Drei- bis Vier-Personenhaushalt, der jährlich 3500 Kilowattstunden Strom benötigt, kommen nach Angaben der Stadtwerke pro Jahr Kosten in Höhe von 1150 Euro oder monatlich 97 Euro zu. Der Preis pro Kilowattstunde beträgt dabei 29,99 Cent.

Beschaffungskosten sind der größte Preistreiber

Größter Preistreiber sind am Terminmarkt die Beschaffungskosten für Erdgas. Diese haben sich seit Jahresbeginn verdreifacht, die Preise für kurzfristige Beschaffung sogar verfünffacht. Im August 2020 kostete eine Megawattstunde Erdgas im Großhandelskauf noch 4,80 Euro, jetzt sind es um die 75 Euro. Anbieter wie beispielsweise die Deutsche Energiepool GmbH, die täglich sogenannte Spotmengen Erdgas hinzukaufen mussten, konnten da nicht mehr mithalten.

Auf Energieversorger wie die Stadtwerke, die langfristig kalkulieren, haben kurzfristige Preisspitzen am Spotmarkt aber normalerweise keinen Einfluss.

Verbraucher, die von ihrem Discount-Anbieter im Stich gelassen wurden, müssen nach Angaben der Halterner Stadtwerke aber nicht befürchten, im Dunkeln zurückgelassen zu werden: „In einem solchen Fall springen die Stadtwerke als Ersatzversorger ein“, erklärt Unternehmenssprecher Liedtke. Das übrigens müssen die Stadtwerke als so genannter Grundversorger grundsätzlich tun.

Preistreiber Beschaffungskosten

  • Die Beschaffungskosten sind unter anderem abhängig von der Nachfrage auf dem Weltmarkt und Witterungsbedingungen. Nach der Corona-Krise gab es im Rahmen des Wiederaufschwungs großen Bedarf an Energie, dabei insbesondere nach Gas. Verflüssigtes Gas ging vorwiegend nach Asien – dort wurde mehr als in Europa gezahlt.
  • Der ungewöhnlich lange und kalte Winter in vielen Regionen der Welt führte dazu, dass die Lagerbestände relativ niedrig sind. Momentan sind die Gasspeicher in der EU nur zu rund 71 Prozent befüllt, in Deutschland sogar nur zu 64 Prozent.
  • Russland liefert derzeit weniger Gas nach Europa.
  • Auch die Beschaffungskosten, die die Energieversorger für Strom zahlen müssen, sind in den vergangenen Monaten nach Auskunft des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft deutlich gestiegen.
  • Bei langfristigen Strom-Lieferungen hätten sich die Großhandelspreise seit Jahresbeginn verdoppelt, kurzfristig gekaufter Strom sei sogar drei Mal so teuer geworden. „Mit Verzögerung schlagen die gestiegenen Beschaffungskosten auf den Endkundenpreis beim Verbraucher durch“, hieß es.
Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
Zur Autorenseite
Ingrid Wielens