Siegfried Körner wacht hoch oben über die Haard

rnEin Besuch am höchsten Arbeitsplatz von Haltern am See

Fast 30 Grad in der Haard, 167 Treppenstufen weiter oben weht aber ein angenehmer Wind. Der Rentner Siegfried Körner arbeitet auf dem Feuerwachturm Rennberg bei Flaesheim und lotst die Feuerwehr im Brandfall zum Einsatzort. Ein Besuch am höchsten Arbeitsplatz der Stadt.

FLAESHEIM

, 02.06.2018 / Lesedauer: 4 min

Grünes T-Shirt, kurze Hose, braungebranntes Gesicht mit freundlichem Lächeln. So empfängt Siegfried Körner seine Gäste 35 Meter über dem Erdboden. Weit und breit ist das der höchste Punkt, auf dem Rennberg. Der Sockel des Turms steht 138 Meter über dem Meeresspiegel, fast 100 Meter höher als der Flaesheimer Ortskern.

Seit fünf Jahren passt Siegfried Körner, 71 Jahre aus Marl, hier oben auf den Wald auf. 50 Jahre lang habe er gearbeitet, erzählt er, die meiste Zeit in einem Labor, wo er sich mit Formstoffen für Gießereien beschäftigt habe. „Meine Freizeit hab ich schon fast immer in der Hohen Mark verbracht“, erzählt er. „Wenn man nur zwei Stunden Zeit hat, kann man sich im Wald wunderbar vom Alltagsstress erholen“, sagt Körner.

Siegfried Körner wacht hoch oben über die Haard

Ein Panoramablick vom Turm. © Kevin Kindel

Irgendwann habe er mal eine Annonce in der Zeitung gelesen, dass der Regionalverband Ruhr (RVR), der sich um die Wälder kümmert, einen Turmwächter sucht. „Da hab ich mir noch nichts bei gedacht“, sagt Körner. Beim Spaziergang durch den Wald sei er dann später mal mit einem Förster ins Gespräch gekommen und habe sich mit ihm über die Stelle unterhalten. „Hier muss man auch am Wochenende und an Feiertagen herkommen“, so der Rentner: „Wer Frau und Kinder zu Hause hat, will das eher nicht machen.“ Der 71-Jährige freut sich aber über die Aufgabe, außerdem verdiene er sich damit gerne etwas dazu. Wegen des Bereitschaftsdienstes wird er tageweise bezahlt.

Anfang April haben die Turmwächter „Saisonstart“, wie Körner sagt. Seitdem ist er in diesem Jahr schon rund 30-mal die 167 Treppenstufen bis zur kleinen Kabine hinaufgestiegen - je nach Wetter wird sie besetzt. Zwei Stühle und einen kleinen Tisch gibt es darin. „An kalten Tagen muss man einen Heizlüfter aufstellen“, erzählt Körner: „Dann wird es hier oben durch den Wind ganz schön kalt. Zum Glück hat man beim Neubau an einen Stromanschluss gedacht.“

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Besuch auf dem Feuerwachturm Rennberg

01.06.2018
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Siegfried Körner (71) aus Marl arbeitet auf dem Feuerwachturm Rennberg in der Haard und lotst die Feuerwehr im Brandfall zur betroffenen Stelle. An Tagen mit guter Sicht kann er von dort das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen sehen, 20 Kilometer Luftlinie entfernt.© Kevin Kindel
So sieht Haltern-Mitte vom Feuerwachturm aus.© Kevin Kindel
In dieser kleinen Kabine verbringt der Turmwächter acht Stunden des Tages 35 Meter über dem Boden.© Kevin Kindel
Der Feuerwachturm auf dem Rennberg in der Haard bei Flaesheim.© Kevin Kindel
Siegfried Körner (71) aus Marl arbeitet auf dem Feuerwachturm Rennberg in der Haard und lotst die Feuerwehr im Brandfall zur betroffenen Stelle. An Tagen mit guter Sicht kann er von dort das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen sehen, 20 Kilometer Luftlinie entfernt.© Kevin Kindel
Siegfried Körner (71) aus Marl arbeitet auf dem Feuerwachturm Rennberg in der Haard und lotst die Feuerwehr im Brandfall zur betroffenen Stelle.© Kevin Kindel
Der Turm auf dem Rennberg ist der Mittelpunkt des oberen Kreises. Den Faden kann Siegfried Körner in die Richtung ziehen, aus der es qualmt. So kann man die Stelle eines Waldbrandes lokalisieren.© Kevin Kindel
Eine Art Kompass hilft Körner bei der Lokalisierung eines Waldbrandes.© Kevin Kindel
In dieser kleinen Kabine verbringt der Turmwächter acht Stunden des Tages 35 Meter über dem Boden.© Kevin Kindel
Der Blick auf Flaesheim vom Feuerwachturm aus.© Kevin Kindel
Siegfried Körner (71) aus Marl arbeitet auf dem Feuerwachturm Rennberg in der Haard und lotst die Feuerwehr im Brandfall zur betroffenen Stelle. An Tagen mit guter Sicht kann er von dort das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen sehen, 20 Kilometer Luftlinie entfernt.© Kevin Kindel
Siegfried Körner (71) aus Marl arbeitet auf dem Feuerwachturm Rennberg in der Haard und lotst die Feuerwehr im Brandfall zur betroffenen Stelle. An Tagen mit guter Sicht kann er von dort das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen sehen, 20 Kilometer Luftlinie entfernt.© Kevin Kindel

Der neue Rennberg-Turm, etwa zwei Kilometer südlich von Flaesheim, ist im Jahr 2010 eröffnet worden. Die Stahlkonstruktion ersetzte ihren baufälligen Holz-Vorgänger. „Ich war auch einmal auf dem Farnberg-Turm“, zeigt Körner Richtung Oer-Erkenschwick. „Der ist nicht so stabil gebaut wie dieser hier.“ Bei einem Unwetter habe es dort oben dermaßen gewackelt, dass einem schon mulmig werden könnte.

Die Arbeit der Turmwächter ist besonders nötig, wenn es so trocken ist und so viel Publikum im Wald unterwegs ist, wie in diesem Mai. Wenn Spaziergänger Zigaretten rauchen, obwohl das von März bis Oktober generell in Waldgebieten verboten ist. Oder wenn sie sogar grillen, obwohl man das ganzjährig nicht darf. Gesetzlich ist dafür ein Mindestabstand von 100 Metern zum Waldrand vorgeschrieben. Auch zurückgelassener Müll, vor allem Glasflaschen, können zu Waldbränden führen.

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Siegfried Körner sitzt von 11 bis 19 Uhr hoch über der Haard. Die Halde Hoheward mit ihrem markanten Bauwerk in Herten ist gut zu erkennen, das Kraftwerk am Horizont müsste schon Lünen sein, meint Körner. An Tagen mit perfekter Sicht könne man das Dach der Veltins-Arena in Gelsenkirchen glänzen sehen, rund 20 Kilometer entfernt. „Als ich zum ersten Mal hier auf dem Turm war stand da“, er deutet in Richtung Haltern, „nur ein Windrad“, sagt Körner: „Jetzt werden es immer mehr.“ Auf Olfener Gebiet sieht man eins, das gerade gebaut wird. Die Rotoren sind noch nicht angebracht.

Bei einem Waldbrand sehen die Turmwächter den Rauch aufsteigen und können so die Feuerwehr zum Einsatzort lotsen. Unter der Decke der kleinen Kabine ist eine Art Kompass fest montiert. Ein Ziffernblatt gibt wie bei einer Uhr für jede Teil-Himmelsrichtung eine Gradzahl an. Siegfried Körner verschiebt einen Metallpfeil, bis er auf die Rauchstelle zeigt. Dann gibt er die Zahl, auf die der Zeiger deutet, der Feuerwehr durch, auf einer Karte kann er nachsehen, welches Gebiet etwa betroffen ist. So ging er auch vor, als am Samstag (26. Mai) etwa ein Hektar Unterholz am Stockwieser Damm brannte und die Feuerwehr-Leitstelle seine Hilfe brauchte.

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Man hört die Vögel trällern, Autos sind von hier oben überhaupt keine zu erkennen. Weit und breit nur Bäume. Die Flaesheimer Kirche sieht man recht deutlich, sonst sind wenig einzelne Gebäude erkennbar. Ja, einen sehr ruhigen Arbeitsplatz habe er hier oben schon, „aber es kommen tatsächlich viele Besucher hier hoch“, erzählt der 71-Jährige: „Das ist dann immer schön. Wir sind ja alle Gleichgesinnte. Naturverbundene.“

Die weiteren beiden Feuerwachtürme des Regionalverbands Ruhr (RVR) befinden sich auf dem Fahrenberg auf Oer-Erkenschwicker Gebiet sowie nahe des Ketteler Hofes außerhalb von Haltern-Lavesum.
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