Ein Mitarbeiter des TÜV kontrolliert die Lautstärke eines Auspuffs. © picture alliance / dpa
Motorradlärm

Welche Möglichkeiten gibt es, um Motorradlärm in Haltern zu begrenzen?

Verkehrslärm, vor allem durch laute Motorräder am Wochenende, stört viele Anwohner in Haltern. Doch was können Stadt und Ordnungsbehörden tun, um sie zu schützen? Fragen und Antworten.

Seit Jahren ärgern sich Halterner Bürger über die lauten Motorräder, die zwischen März und Oktober, besonders an den Wochenenden, durch die Seestadt donnern. Immer wieder kommt es auch zu schweren Unfällen. Passiert ist bisher wenig. Auch andere Städte und Gemeinden in Deutschland kennen das Problem, darunter die Eifel und das Bergische Land, profitieren aber gleichzeitig auch vom Tourismus, den die Biker bringen. Und nicht alle Motorradfahrer sind Lärmsünder. Wie kann man beide Seiten zufriedenstellen? Fragen und Antworten zu den Hintergründen eines schwelenden Problems.

Wo ist es in Haltern besonders laut?

Lärm-Hotspots sind die Sythener Straße, Münsterstraße, Dorstener Straße, Flaesheimer Damm, Hullerner Straße und Westruper Straße. Anwohner im Neubaugebiet Elterbreischlag an der Sythener Straße monieren, dass sie sich im Sommer im Garten kaum aufhalten können, so laut seien die vorbeifahrenden Motorräder.

Was wurde in Haltern bisher getan?

Die Polizei veranstaltet im Kreis Aktionstage zum Thema Motorradsicherheit, dabei steht nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Geschwindigkeit im Fokus. Beim jüngsten Aktionstag am ersten Augustwochenende wurde auf der Münsterstraße ein Biker mit mehr als 50 km/h über den erlaubten 50 geblitzt, insgesamt übertraten 24 Motorradfahrer die vorgegebene Geschwindigkeit. Von fünf Schallpegelmessungen verlief eine positiv, die Polizei stellte das Motorrad sicher. Die Stadt hat sich im vergangenen Jahr der „Silent Rider“-Initiative angeschlossen, die auf Bundesebene Gesetzesänderungen bewirken will.

Wie ist die Gesetzeslage?

Die Länder hatten sich Mitte Mai 2020 dafür eingesetzt, dass Motorräder weniger Lärm verursachen. Die zulässigen Geräuschemissionen sollen auf einen Maximalwert von 80 Dezibel (db/A) begrenzt werden, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkw oder eines Rasenmähers entspricht. Auch Tuning, das sich erheblich auf die Lautstärke auswirkt, soll härter bestraft werden.
Der Bundesrat will zudem beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen. Nach Protesten stellte sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf die Seite der Biker und erklärte, dass er die Beschlüsse des Bundesrates nicht umsetzen wolle. Die Straßenverkehrsbehörden vor Ort hätten bereits jetzt die Möglichkeit, die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken zu beschränken oder den Verkehr umzuleiten, so Scheuer.

Was machen andere Städte gegen Lärmbelästigung?

NRW ist neben Baden-Württemberg mit dem Schwarzwald und Bayern mit dem Voralpenland von Motorradlärm besonders betroffen. Zehn Streckensperrungen in NRW meist nur an Wochenenden und Feiertagen umfasst eine aktuelle Liste des Bundesverbandes der Motorradfahrer (BVDM). Hinzu kommen örtliche Nachtfahrverbote für Motorräder.
Die Stadt Wermelskirchen im Bergischen Land hat Hinweisbanner mit der Aufschrift „Lärm macht krank – runter vom Gas“ und Geschwindigkeitsanzeigen aufgestellt. Dort gibt es auch eine der wenigen nicht zeitlich begrenzten Vollsperrungen in NRW. An den bisher bekannten Motorradstrecken der Stadt wurden seit 2016 jeweils im Sommerhalbjahr im Stadtgebiet Lärmmessungen durchgeführt. Die Datenerfassung erfolgt mit Hilfe von Seitenradargeräten, die in „normalen“ Leitpfosten integriert sind. Desweiteren setzt sie auf den Dialog mit den Bikern.

Warum müssen Motorräder überhaupt so laut sein?

Experten sind der Meinung, dass die Verschärfung der Geräuschgrenzwerte allein keinen Erfolg verspricht, solange die Verwendung zu lauter Ersatzschalldämpfer nicht effektiv verhindert werden kann.
Laut den Vereinigten Arbeitskreisen gegen Motorradlärm (VAGM e. V.), in denen Motorradlärm-Betroffene und Motorradlärm-Bürgerinitiativen aus Deutschland vertreten sind, sind mittlerweile automatische Klappen das Hauptproblem, die den Prüfzyklus erkennen und so die Zulassung umgehen. Viele Sportmotorräder sind damit ausgerüstet, damit sie überhaupt zugelassen werden können. Sie sind zulassungsfähig, weil sie exakt am Messzeitpunkt schließen und dafür sorgen, dass das Bike die Norm erfüllt.
Weitere Problemstifter seien vor allem die Auspuffklappen. Es gibt manuelle, die der Fahrer per Schalter umlegen kann, um richtig Lärm zu machen.
Am einfachsten lasse sich der Lärmausstoß schlicht mit der Hand am Gasgriff regulieren, betont der ADAC. Damit die Fahrer bei der Ortsdurchfahrt niedrige Gänge meiden und den Motor nicht aufheulen lassen, bietet der Club den Kommunen jetzt auf Wunsch kostenlose Hinweisschilder zum Aufstellen an: „Leise fahren, Lärm ersparen“ heißt es darauf – oder etwas plakativer: „Bitte nicht rööööhren“.

Zuletzt ist die Zahl der Motorräder in NRW stark gestiegen: Allein 2020 wuchs die Zahl der Neuzulassungen im Bundesland um mehr als 11.000 auf 41.600.

Über die Autorin
Redakteurin
Vor mehr als zwanzig Jahren über ein Praktikum zum Journalismus gekommen und geblieben. Seit über zehn Jahren bei Lensing Media, die meiste Zeit davon als Redakteurin in der Nachrichten- und Onlineredaktion in Dortmund. In Haltern seit September 2019.
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Ilka Bärwald

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