Welche Schule ist die beste für mein Kind? - Wie Eltern die richtige Entscheidung treffen

rnSchulwechsel

Eltern wollen das Beste für ihr Kind, dazu gehört auch die beste Schule. Was aber gilt es bei der Schulwahl zu beachten? Lehrer haben dazu eine klare Meinung.

Haltern

, 08.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Schon in der dritten Klasse geht es los. Die Noten und Leistungen der Schüler geraten in den Mittelpunkt, denn es naht der nächste große Schritt im Kinderleben: der Übertritt an die weiterführende Schule.

Für Milena Kottmann (9) ist es schon bald soweit. Sie besucht bereits den vierten Jahrgang der St. Joseph-Grundschule in Sythen. „Ja, wir Kinder sprechen darüber“, sagt das Mädchen. Und sie verrät auch: „Manche Kinder lernen jetzt hart für die Arbeiten. Wenn die dann in die Hose gehen, bekommen sie manchmal Ärger zu Hause.“

Milenas Eltern wollen keinen Druck ausüben, der die Entscheidungsphase in der vierten Klasse für manche Familie zum Horrortrip werden lässt. Für Doris (42) und Thorsten (43) Kottmann steht allerdings noch nicht endgültig fest, ob ihre Tochter nach den Sommerferien das Halterner Gymnasium oder die Realschule besuchen soll.

Eltern sind sich mit Klassenlehrerin einig

„Die Noten sind gut“, erklärt die Mutter, aber sie seien auch nicht das einzige Kriterium, das zur Eignung für eine Schulform herangezogen werde.

Beim Beratunsgespräch an der Grundschule waren Eltern wie Klassenlehrerin zwiegespalten in der Frage, ob es für Milena das Gymnasium oder die Realschule sein soll. Das macht die Entscheidung für die Eltern nicht einfacher.

Im Empfehlungsschreiben der Grundschule, das an der gewählten neuen Schule vorgelegt werden muss, wird wohl stehen, dass Milena eine eingeschränkte Eignung für das Gymnasium mitbringt.

Das Gutachten, das von den Klassenlehrern der Grundschüler erstellt wird, hat eine zentrale, wenn auch keine bindende Funktion. Erziehungsberechtigte müssen sich nicht an die Empfehlung halten, die von Pädagogen stammt, die ein Kind über Jahre begleitet haben. Eltern haben in NRW die freie Schulwahl.

Schulleiter raten, der Empfehlung zu folgen

Die Leiter der drei weiterführenden Schulen in Haltern raten ihnen allerdings, sich nicht leichtfertig über die Empfehlung der Grundschule hinwegzusetzen. Es handele sich in der Regel um eine sehr genaue Einschätzung des Kindes.

Nicht alle Eltern seien mit den Gutachten einverstanden, sagt Ulrich Wessel vom Joseph-König-Gymnasium.

„Wenn sie nachdenken und eine andere Einschätzung haben, nehmen sie das Beratungsangebot an der weiterführenden Schule wahr“, so Lehrerin Regina Schürig, die an der Schule die Erprobungsstufe im fünften und sechsten Jahrgang betreut. Die Gespräche seien dann ergebnisoffen angelegt, um für jedes Kind die beste Schulform zu finden.

„Manchmal wird auch nach langer Beratung eine Entscheidung von den Eltern gefällt, die nicht dem Wohl des Kindes entspricht“, berichtet Frank Cremer von der Alexander-Lebenstein-Realschule. Das zeige sich dann meistens in den nächsten Schuljahren.

Eltern würden beispielsweise argumentieren, dass Freunde oder Geschwister des Kindes auch zur Realschule gingen und man sie nicht auseinanderreißen wolle. „Das kann ich alles gut nachvollziehen“, räumt er ein. Aber letztlich müsse das betroffene Kind, für das der Wechsel ansteht, die Schule absolvieren.

„Die meisten Eltern sind vernünftig“

Zum Glück, das betonen sowohl Ulrich Wessel sowie Frank Cremer, gehörten die völlig beratungsresistenten Eltern in Haltern zur Ausnahme. Das Halterner Gymnasium verlassen allerdings etwa zehn von 130 Schülern, die Realschule 20 von 160 vorzeitig.

Das Schreckgespenst bei der Schulwahl stellt für die meisten Erziehungsberechtigten wohl die Hauptschule dar. Zu Unrecht, betont ihre Leiterin Dagmar Perret. Sie wünscht sich, dass Eltern die Schulform nicht so negativ sehen.

„Wenn Schüler die Basistugenden mitbringen - und die müssen im Elternhaus gelegt werden - haben sie Erfolg“, sagt Dagmar Perret. Zum Erfolgsmodell der Joseph-Hennewig-Hautpschule gehöre beispielsweise, dass über ein Praktikum in Klasse 10 der Weg in die Arbeitswelt geebnet werde. Hier haben die Halterner Hauptschüler durchaus gute Chancen, denn das Handwerk beispielsweise sucht dringend geeigneten Nachwuchs.

Familie Kottmann hat schon viel Zeit in die Entscheidung über Milenas weiteren Schulweg investiert. Die Eltern haben die zentrale Infoveranstaltung aller drei Schulen besucht und sind auch einzelnen Einladungen gefolgt. „Letztlich aber müssen wir die Wahl allein treffen“, seufzt Mutter Doris. Wichtig ist ihr eine gute Schulbildung für Milena, um ihr den Start ins selbstständige Leben zu erleichtern.

Eltern sind verunsichert

Doris und Thorsten Kottmann verunsichert, dass sie selbst das Gymnasium nicht kennen. Eine Fixierung auf Mitschüler, die gemeinsam mit Milena auf eine Schule wechseln sollten, spielt dagegen im momentanen Findungsprozess keine Rolle.

Veronika Beher, Leiterin der Silverbergschule und Sprecherin der Grundschulen in Haltern, arbeitet an der Basis, auf die jetzt wenige Wochen vor dem Halbjahreszeugnis wieder viele Blicke gerichtet sind. „Es gibt viele vernünftige Eltern. Der Trend geht aber dahin, nicht so sehr auf die Grundschule zu hören“, stellt sie fest.

Lehrer hörten dann oft den Satz „Wir probieren es auf jeden Fall.“ Sie warnt: Eltern hätten zwar den freien Wunsch, was die Schulwahl betrifft, müssten aber letztlich auch die Konsequenzen ihrer Entscheidung tragen.

„Frustration kann Kinder sehr belasten“

„Frustration kann Kinder sehr belasten, vor allem wenn sich ein negatives Erlebnis an das nächste reiht“, weiß Sandra Ricken, Schulsozialarbeiterin am Schulzentrum in Haltern. Kinder können sich dann verändern. Selbst lebhafte Jungen oder Mädchen würden womöglich still und zögen sich zurück.

Wenn es in der Schule Probleme gebe, wirke sich das auch auf die Familien aus. Die Schule werde zum Thema Nummer 1, Stress und Druck belasteten das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. Das könne sich mit der Pubertät noch verschärfen, die heute schon ab der fünften/sechsten Klasse einsetzen könne.

Ganz häufig machten Hausaufgabensituationen die größten Schwierigkeiten.

Über Milenas schulische Zukunft wird der dreiköpfige Familienrat entscheiden. „Wenn die Noten so bleiben oder sogar besser werden, wird die Wahl wohl auf das Gymnasium fallen“, sagt Doris Kottmann über den Stand der Überlegungen. Milena meint: „Wenn man nicht lernt, bekommt man einen schlechten Beruf und verdient keine Kohle.“

Kommentar von Redakteurin Silvia Wiethoff

Für den fachlichen Rat zum Thema Schulwechsel sind Lehrer und andere Experten zuständig. Eine kleine Stütze mag aber vielleicht auch die persönliche Erfahrung meiner Familie geben.

Unsere beiden Kinder haben unterschiedliche Schulformen besucht, die Realschule und das Gymnasium. Als Eltern haben wir keine Unterschiede gemacht und Erfolge beider Kinder gleichermaßen gefeiert.

Die Schule war bei uns selten Thema Nummer eins. Natürlich ist auch bei uns nicht immer alles perfekt und ohne Konflikte gelaufen, das gehört zum Familienleben dazu.

Die Schulwahl aber haben wir nie bereut. Das frühere Realschulkind (24) steht dem Gymnasiasten (22) heute in nichts nach.

Lesen Sie jetzt