Der Kapellenbau nach der Restaurierung mit Blick auf das Torhaus. © Rudolf Marwitz
Schloss Sythen

Wertschätzung: Die Kapelle von Schloss Sythen wird zum Baudenkmal

Als Location für Trauungen ist die Kapelle von Schloss Sythen heute gefragt. Ihre regionale Bedeutung hat sie aber vor allem ihrer Geschichte zu verdanken.

Die Kapelle auf Schloss Sythen wird in die Denkmalliste aufgenommen. Dafür fasste der Kulturausschuss am Donnerstag einen einstimmigen Beschluss. Die Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) erkennt in einer Stellungnahme das öffentliche Interesse an dem zweigeschossigen Gebäudefragment der früheren Hauptburg an und beschreibt darin auch die wechselvolle Geschichte des spätmittelalterlichen Adelssitzes in Sythen.

Die Anfänge reichen in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Erst 1496 wird der Kapellenbau zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Historisch belegt sind Baumaßnahmen an der Burgkapelle, die 1707 ausgeführt worden. Damals fand wohl auch die Aufstockung des Gebäudes statt. Im Obergeschoss befand sich die Wohnung des Hausgeistlichen der gräflichen Familie.

Die Kapelle von Schloss Sythen vor ihrer Renovierung.
Die Kapelle von Schloss Sythen vor ihrer Renovierung. © LWL © LWL

Der Bau war aber eventuell schon zuvor an diesem Standort zu finden. Die Hauptburg wurde nach einem Brand durch ein klassizistisches Herrenhaus ersetzt (etwa 1845). Dieses ließ der Caritasverband Recklinghausen, der das Anwesen seit 1946 gepachtet hatte und dort ein Kinder-Genesungsheim betrieb, 1971 abreißen.

„Bedeutend für die Geschichte der Menschen“

Das Amt für Denkmalpflege beim LWL hatte dafür seine Zustimmung gegeben.

Bisher war lediglich das Torhaus von Schloss Sythen ein eingetragenes Baudenkmal. Das Kapellengebäude war seit gut 30 Jahren zusammen mit dem Gelände der ehemaligen Burg als eingetragenes Bodendenkmal anerkannt.

So sah es in der Kapelle von Schloss Sythen früher aus.
So sah es in der Kapelle von Schloss Sythen früher aus. © LWL © LWL
Heute ist die Kapelle auf Schloss Sythen beliebter Ort für standesamtliche Trauungen.
Heute ist die Kapelle auf Schloss Sythen beliebter Ort für standesamtliche Trauungen. © Silvia Wiethoff © Silvia Wiethoff

Nun kommt die Denkmalpflege zu dem Schluss, dass die Kapelle „bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier der Menschen in Sythen, in Haltern und in der weiteren Umgebung“ ist. Das gesamte erhaltene Anwesen zeige geschichtliche Entwicklungen über einen Zeitraum von über 600 Jahren auf. „Haus Sythen war Sitz bedeutender westfälischer Adelsgeschlechter und ist vor diesem Hintergrund auch als Teil der territorialen Herrschaftsstruktur von westfalenweitem Interesse“, heißt es im LWL-Gutachten.

Dass Schloss Sythen mit seinem Torhaus, der Kapelle und seinen schönen Anlagen heute so viel Anerkennung erfährt, ist dem Förderverein zu verdanken, der 1996 von Sythener Bürgern gegründet wurde. Sie machten es sich zur Aufgabe, die erhaltenen Gebäude originalgetreu zu restaurieren und für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das Anwesen wird noch immer von der Rentnerband innerhalb des Fördervereins gepflegt.

Schloss Sythen ist heute ein lebendiger Ort der Begegnung. Die Kapelle, die jetzt zum Baudenkmal wird, ist eine beliebte Location für standesamtliche Trauungen. Die Pläne, den Halterner Firmensitz des Kommunikations-und Designbüros „Gute Botschafter“ auf das Gelände von Schloss Sythen zu verlegen, scheiterten 2017 am Widerstand des Fördervereins. Die Mitglieder sahen das Nutzungskonzept zum Wohl der Allgemeinheit gefährdet und ihre Wiederaufbauarbeit zunichte gemacht.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und hinter jeder Zahl steckt eine ganze Welt. Das macht den Journalismus für mich so spannend. Mein Alltag im Lokalen ist voller Begegnungen und manchmal Überraschungen. Gibt es etwas Schöneres?
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Silvia Wiethoff