Wie sicher ist Haltern? – Deutlich mehr Verstöße wegen Körperverletzung

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Eine Mutter beschreibt dramatische Szenen während der Massenschlägerei im Freibad Aquarell, als sie dort mit ihren zwei Kindern war. Die Polizei nennt Gründe für die Gewalttaten in Haltern.

Haltern

, 10.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Es sollte ein schöner sonniger Familienausflug werden, als die Halternerin Michaela Hubalik am 25. Juni mit ihren zwei Kindern (7 Monate und 3 Jahre) im Freibad Aquarell war. Stattdessen hat die Familie eine Massenschlägerei mit bis zu 20 Personen mit ansehen müssen.

Es war das erste Mal, dass Hubalik eine unfreiwillige Zeugin während einer körperlichen Auseinandersetzung im Freibad wurde. An einem Ort, an dem sie es am wenigsten vermutet hätte. Sie hatte Angst und war geschockt.

Ihre dreijährige Tochter habe sie gefragt, was da los sei, als die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Stühlen, Fäusten und Fußtritten aufeinander losgegangen seien. Die Mutter erklärte ihrem Kind, dass die Männer dort streiten würden. Aber der Tochter sei klar gewesen, dass die Beteiligten dort „Aua machen“.

Die gefühlte Sicherheit in Haltern dürfte gelitten haben

Andere Eltern reagierten geistesgegenwärtig und brachten ihre Kinder in Sicherheit, so Hubalik. Seit diesem Vorfall war sie nicht mehr im Freibad, weil sie sich dort unsicher fühlt. Dass die Schläger Hausverbot erhalten haben, ändere nichts an ihrem Empfinden.

Es sollte nicht die erste Gewalttat in Haltern bleiben. Am 30. Juni ereignete sich eine heftige Schlägerei mit Schlagstöcken am Silbersee aufgrund eines Staus.

Die gefühlte Sicherheit in Haltern dürfte gelitten haben. Recklinghausens Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen sagte bereits im Februar 2019 gegenüber unserer Zeitung:

„Die Furcht, Opfer einer Straftat zu werden, ist in den Köpfen vieler Menschen fest verankert. Durch Berichte in der Presse, aber auch in den sozialen Medien sind Kriminalfälle ständig präsent – manchmal über Tage hinweg. Die statistische Wahrscheinlichkeit, von einer Straftat betroffen zu sein, liegt oft weit niedriger als die Menschen meinen und fühlen.“

Die Kriminalität in Haltern geht zurück

Die Statistik gibt der Polizeipräsidentin recht. Die Gesamtzahl der Straftaten in Haltern ist zwischen 2017 und 2018 von 2418 auf 2079 gesunken. Das ist der tiefste Stand seit 38 Jahren.

Am deutlichsten ist der Rückgang bei den Diebstahlsdelikten auf 880 (-196 Taten im Vergleich zum Vorjahr). Bei den Wohnungseinbrüchen ist die Zahl 2018 auf 50 gesunken. 2017 waren es noch 158. Auch die Zahl der Ladendiebstähle ist zurückgegangen, von 62 auf 43.

Eine Entwicklung ist allerdings wenig erfreulich. Die Anzahl der Straftaten mit gefährlicher und schwerer Körperverletzung ist in Haltern in den letzten Jahren gestiegen. 2012 waren es noch 23 Fälle und 2018 bereits 63. Alleine im Vergleich zum Vorjahr sind es 15 mehr.

Eine schwere Körperverletzung ist laut Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber gegeben, wenn Waffen wie Schlagstöcke zum Einsatz kommen oder die Betroffenen schwer verletzt werden. So geschehen bei den jüngsten Auseinandersetzungen am Silbersee oder bei der Massenschlägerei im Freibad Aquarell. Normale Körperverletzungen sind von 120 im Jahr 2012 auf 193 im letzten Jahr gestiegen.

Andreas Wilming-Weber erklärt den Anstieg wie folgt: „Bei den Körperverletzungsdelikten weisen die Bereiche rund um den Halterner Stausee, den Hullerner Stausee und den Silbersee Auffälligkeiten auf. Betroffen sind hier insbesondere die Wochenenden.“

Die Vermutung liege aus seiner Sicht nahe, dass es sich um junge Leute handele, die von außerhalb Halterns kommen und Alkoholgenuss dabei eine Rolle spiele. Wilming-Weber betont im selben Atemzug, dass es für die Zunahme der Gewalt jedoch nicht den einen Erklärungsansatz gibt.

Die Aufklärungsquote der Polizei ist hoch

Bei Körperverletzungsdelikten handele es sich außerdem sehr oft um Beziehungstaten, das heißt, Opfer und Täter hatten vor der Tat einen Bezug zueinander.

Insgesamt beobachten Wilming-Weber und seine Kollegen eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber Polizisten. Heutzutage sei die Bereitschaft, bei banaleren Gründen aufeinander einzuschlagen höher als früher.

Einen Erfolg kann die Polizei verbuchen: „Rund 90 Prozent der Straftaten mit gefährlicher und schwerer Körperverletzung konnten aufgeklärt werden.“

Michaela Hubalik hat sich vorgenommen, bald wieder in das Freibad zu gehen. Sie ist sich darüber im Klaren, dass sich solche Schlägereien zu jeder Zeit an jedem Ort ereignen können. Aber sie wird versuchen, solchen Problemen soweit wie möglich aus dem Weg zu gehen.

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