Wo bringen Halterner Frauen nach Schließung der Geburtenstation ihre Kinder zur Welt?

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Im vergangenen Sommer wurde die Geburtenstation im Halterner Sixtus-Hospital geschlossen. Wo kommen jetzt in der Region die meisten Halterner Kinder zur Welt?

Haltern

, 30.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Zeit, in der im Sixtus-Hospital Kinder geboren wurden, ist seit 1. Juli 2018 Geschichte. Seitdem die Geburtenstation in Haltern geschlossen wurde und die Hebammen dem Elisabeth-Krankenhaus Dorsten zugeordnet wurden, wird die Verwaltung des Klinikverbundes Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH nicht müde, für eine Entbindung in der Nachbarstadt zu werben.

Es wurde auch ein Kreißsaal-Shuttle eingerichtet, das werdende Eltern zur Besichtigung nach Dorsten bringt. Die bisherige Erfahrung zeigt allerdings nach Angaben von KKRN-Geschäftsführer Andreas Hauke: „Die meisten Halterner fahren direkt zur Kreißsaalbesichtigung ins St.-Elisabeth-Krankenhaus.“

Die Eltern von 66 Säuglingen aus Haltern sind seit Juli 2018 (Stand 22. August 2019) der Einladung gefolgt, für die Entbindung das Dorstener Krankenhaus zu nutzen. Insgesamt kamen dort in dieser Zeit 680 Babys zur Welt.

Nicht nur das Dorstener Krankenhaus profitiert

Zum Vergleich: Von Juli 2017 bis Juli 2018 wurden im Sixtus-Hospital 187 Kinder aus Haltern geboren. Die Gesamtzahl der Geburten lag bei 369. Es ist also davon auszugehen, dass auch andere Krankenhäuser vom Wegfall der Geburtenstation in Haltern profitieren konnten.

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Beispielsweise das St.-Vincenz-Krankenhaus in Datteln. Dort wurden im ersten Jahr nach der Halterner Schließung 77 Frauen aus Haltern entbunden. „Im Vorjahreszeitraum waren es 38 Frauen“, teilte Dr. Ralf Schulze, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie des Perinatalzentrums in Datteln auf Anfrage mit.

3,5 Prozent der Babys, die im Dattelner Krankenhaus geboren wurden, stammten aus Haltern. Im Jahr 2018 wurden dort insgesamt etwa 2200 Geburten gezählt.

Die weitere Anfahrt machte bisher keine Probleme

Die Distanz zwischen Haltern und Datteln (etwa 25 Kilometer) habe bisher noch keine Probleme bereitet, erklärte Ralf Schulze. Attraktiv macht das Dattelner Krankenhaus die Kombination aus Geburtshilfe und Neonatologie (Behandlung von Frühchen) sowie pädiatrischer Intensivmedizin. „Wenn die Entbindung außerhalb von Haltern stattfinden muss, dann gehen wir ganz auf Nummer sicher“, ist von werdenden Eltern aus Haltern zu hören.

Mehr Frauen aus Haltern auch in den Coesfelder Kliniken

Diese Versorgungsmöglichkeit von Mutter und Kind spielt auch eine Rolle, wenn die Wahl von Halternern auf die Christophorus-Kliniken in Coesfeld fällt, denn auch hier arbeiten eine Frauenklinik und ein Frühgeborenenstation Tür an Tür. Die Zahl der Frauen aus Haltern hat sich im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Genaue Angaben wollte das Klinikzentrum nicht machen.

Dass nicht alle Halterner, die im Sixtus-Krankenhaus entbunden hätten, ins St.-Elisabeth-Krankenhaus nach Dorsten kommen, bezeichnet KKRN-Geschäftsführer Andreas Hauke als „nicht überraschend.“ Dennoch freue man sich, „dass viele Halterner gemeinsam mit ihren Hebammen bei uns in Dorsten entbinden“, teilte er auf Anfrage mit. Bis auf eine seien noch alle Hebammen aus dem Sixtus-Hospital, die ab Juli 2018 in Dorsten eingesetzt wurden, dort beschäftigt.

Fallzahlverlust im Sixtus-Hospital „mehr als kompensiert“

Wie KKRN-Geschäftsführer Andreas Hauke weiter erklärte, habe der Fallzahlverlust, der zunächst durch die Schließung der Halterner Geburtshilfe entstanden sei, inzwischen „mehr als kompensiert“ werden können. „Die Akzeptanz der Halterner Bevölkerung gegenüber dem St.-Sixtus-Hospital nimmt ungebrochen zu“, sagte er.

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Hauke warb erneut um Verständnis für die Schließung in Haltern: „Das war für die KKRN GmbH und das St.-Sixtus-Hospital ein tiefer, aber unumgänglicher Schritt.“ Zur damaligen Zeit sei man nicht in der Lage gewesen, „die Fachabteilung aus personellen Gründen weiter zu betreiben“.

„Leider nicht mehr attraktiv genug“

Durch den seinerzeit zunehmenden Facharztmangel im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe in Haltern sei kaum noch Handlungsspielraum vorhanden gewesen.

Hauke: „Da im Bereich der Geburtshilfe die ärztliche Versorgung binnen weniger Minuten gewährleistet sein muss, hätten wir unsere Fachärzte verpflichten müssen, entweder direkt ans Krankenhaus zu ziehen oder für die sogenannten Hintergrunddienste im Haus zu bleiben. Dazu das aufgrund der Größe unseres Krankenhauses in Haltern am See eingeschränkte Leistungsspektrum – das war für Bewerber in diesem Bereich leider nicht mehr attraktiv genug.“

Aus wirtschaftlicher Sicht habe sich diese Abteilung schon lange nicht mehr selbst getragen – „dennoch haben wir, so lange es möglich war, an der Geburtshilfe in Haltern am See festgehalten“.

Akzeptanz auch nach Schließung der Gynäkologie erwartet

Auch nach der jüngsten Schließung der gynäkologischen Station in Haltern geht der KKRN-Geschäftsführer aufgrund der Fallzahlen davon aus, „dass unser medizinisches Angebot im Bereich der Geburtshilfe und Frauenheilkunde in Dorsten auch von der Halterner Bevölkerung angenommen wird“. Das Team um Dr. Simone Sowa habe schon viele Halterner Patientinnen in Dorsten versorgt – „aber das war auch schon vor der Schließung der Gynäkologie in Haltern der Fall“. Die Kompetenz der KKRN-Krankenhäuser schätzt Andreas Hauke als „zukunftsfähig“ ein.

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