Würden Sie sich im Garten vergraben lassen?

Neue Bestattungsform

In Kooperation mit einem Unternehmen aus Sachsen-Anhalt bietet ein Bestatter aus Waltrop nun an, nach dem Tod im eigenen Garten beerdigt zu werden. Dabei wird eine rechtliche Grauzone ausgenutzt. Mit dem "Tree of Life", dem Baum des Lebens, wird die Möglichkeit geboten, den Friedhof legal zu umgehen. Bei Halterns Kirchenvertretern stößt das Angebot auf Kritik. Und bei Ihnen? Machen Sie bei unserer Umfrage mit!

HALTERN

, 04.07.2016, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Würden Sie sich im Garten vergraben lassen?

Eine neue Form der Bestattung ermöglicht es Angehörigen nun sogar, ihre Verstorbenen als Baum in den eigenen Garten zu holen.

Das Ganze funktioniert so: Der Hinterbliebene wählt zwischen Ahorn, Birke, japanischer Blütenkirsche und Fichte. Auf Wunsch kann es auch eine andere Baumart sein. Nach der Einäscherung wird die Urne einer zertifizierten Baumschule in Holland übergeben. Dort wird die Urne unter notarieller Aufsicht geöffnet. Was in Deutschland unter die Störung der Totenruhe fällt, ist dort gesetzeskonform.

Kosten rund 2000 Euro

Die Asche des Verstorbenen wird dann schrittweise in eine speziell entwickelte Vitalerde mit einem Substratgemisch eingebracht. In der Obhut der Baumschulgärtner kann der Setzling durchwurzeln und anwachsen. Nach etwa einem halben Jahr wird der Baum an den kooperierenden Bestatter ausgeliefert und inklusive einer beglaubigten Beisetzungsbestätigung den Angehörigen übergeben. Anschließend kann der Baum, in dem der Verstorbene "weiterlebt", eingepflanzt werden. Die Kosten sollen bei rund 2000 Euro liegen.

"Manche Menschen finden die Vorstellung schön, einen verstorbenen Angehörigen für immer bei sich im Garten zu haben, vielleicht an seinem alten Lieblingsplatz", erklärt Evelin Henrichs von dem Waltroper Bestattungsunternehmen. Die Bestattungskultur, so betont sie, habe sich trotz bestehenden Friedhofszwangs in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. "Die klassische Erdbestattung ist stark rückläufig. Viele wollen ihren Angehörigen nicht mehr mit einer aufwendigen Grabpflege zur Last fallen", so Henrichs. Bislang sei das ungewöhnliche Angebot noch nicht in Anspruch genommen worden. "Das Interesse ist aber vorhanden. Wir haben bereits Anfragen erhalten."

Regine Vogtmann, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Haltern, sieht diese Form der Bestattung äußerst kritisch. "Der Prozess des Loslassens und des Weitergehens nach einem schmerzhaften Abschied wird so sicherlich nicht befördert, wenn man den Toten auf diese Weise in die eigene Umgebung holt", sagt sie. Friedhöfe hätten nicht umsonst eine deutlich erkennbare Abtrennung zur Umgebung. "Was ist denn mit Bekannten oder Freunden, die auch einen Ort für ihre Trauer wünschen? Sollen die in den Garten kommen?", fragt sie sich.

Die Vermischung mit Erde und das Wachsen des Baumes würden so etwas wie das Weiterleben im Kreislauf der Natur suggerieren. "Christliche Hoffnung", so betont Regine Vogtmann ausdrücklich, "sieht anders aus und hält sich fest an der Verheißung, bei Gott geborgen zu sein."

Kritik von Dechant Martin Ahls

Dechant Martin Ahls von der katholischen Kirchengemeinde St. Sixtus sieht das ähnlich. Er sagt: "Zum christlichen Verständnis vom Sterben des Menschen gehört, dass wir den Leichnam oder die Asche des verbrannten Verstorbenen beerdigen, den Sarg oder die Urne in die Erde senken und wissen, wo der Verstorbene geblieben ist. Dieser Platz ist für Christinnen und Christen auch der Ort, wo der Verstorbene auf die Auferstehung wartet.

Die Bestattung im eigenen Garten spreche da eine ganz andere Sprache, nämlich keine von Auferstehung der Toten, sondern eine vom Kreislauf des Lebens, von Eins-werden mit der Natur und einem angeblichen "Weiterleben in einem Baum". Ahls macht deutlich, wie er darüber denkt: "Verzeihung, aber zumindest ich möchte nicht in einem Baum weiterleben."

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