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Zehn Kilo Wurst sind Thema im Kokainprozess

Mögliches Codewort

Zehn Kilo Sucuk, also Knoblauchwurst, wurde übers Telefon bei einem 49-jährigen Halterner bestellt. Die Polizei geht aber davon aus, dass das ein Codewort für Kokain ist. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden dann tatsächlich Drogen bei dem Mann gefunden. Der Familienvater beteuert aber seine Unschuld.

HALTERN/MARL

, 08.07.2017 / Lesedauer: 2 min
Zehn Kilo Wurst sind Thema im Kokainprozess

Das Amtsgericht in Marl.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung im September 2015 wurden bei dem Halterner 14,3 Gramm Kokain und mehr als 4600 Euro Bargeld verschiedener Währungen gefunden. Auf ihn aufmerksam wurde die Polizei, weil er in überwachten Telefongesprächen mit einem inzwischen inhaftierten Drogenhändler aufgefallen war. „Man konnte davon ausgehen, dass es sich nicht um Wurst handelt“, sagte am Freitag der Polizist, der die Ermittlungen geleitet hatte, vor Gericht.

Stattdessen ging man von Kokain aus, es kam zur Durchsuchung und man fand tatsächlich in einer Jacke an der Garderobe die nicht geringe Menge an Drogen. Der Angeklagte beteuert, diese Jacke gehöre einem Bekannten, der kurz zuvor zu Besuch war. Einen Namen wolle er nur nennen, wenn er keine andere Wahl mehr hat.

Der Angeklagte ist Frührentner, „es hat sich mir nicht erschlossen, dass er das Geld normal erwirtschaftet hat“, sagte der Polizist aus. Außerdem seien die Scheine in „dealerüblicher“ Stückelung in der Wohnung gewesen. Die Größe der gefundenen Jacke würde dem Angeklagten durchaus passen, sagte er.

„Wir sind ja nicht dazu hier, die Unschuld meines Mandanten zu beweisen“, sagte Verteidiger Sam Benecken. Die Staatsanwaltschaft ist es vielmehr, die die Schuld eines Angeklagten nachweisen muss. Dennoch bot der Verteidiger an, die sichergestellten Kokainpäckchen auf Fingerabdrücke untersuchen zu lassen: „Er hat das Zeug nie angefasst.“ Das Bargeld sei für die Ausbildung der vier Kinder des Angeklagten gewesen, sagte Benecken bereits zum Prozessstart im Mai.

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Die Wurstbestellung sei tatsächlich genau so gemeint gewesen. Der Angeklagte gab am Freitag an, jede Woche Gewürze, Fleisch, Wurst und ähnliche Dinge aus seiner Heimat zu verkaufen. Unter Albanern und Kosovaren sei er bekannt. Für den nächsten Verhandlungstermin werden jetzt ein weiterer Polizeibeamter und der inhaftierte Anrufer, der die Wurst bestellt haben soll, als Zeugen befragt.

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