Zu gaffen gab es manig

Sythen Ohne Pferde und im modischen Eisengewande begeben sich Herren, Gebieterinnen, Gaukler, Mägde und Gesinde auf den Hof der ehemaligen Wallburg Sythen.

29.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Deren Gemark verwandelten die Hospes Maria und Peter Booken (Lindenhof) sowie Monika und Matthias Pfeiffer (Sythener Flora) in eine mittelalterliche Kulisse. "Seiet gegrüßet zum ersten Sythener Schmectaculum". Am Schlagbaum empfangen die beiden reputierlich gewandete Gäste. Freitag- und Samstagabend laben sich genüsslich einige Hundert an Speis und Trunk der alten Zeit.

Zwar wird es dunkel bis das Volk geilvoll genießt - als fünfter Gang füllen Lamm und Schweinshaxe den Wanst, zuvor gibt es Suppe, Fisch und Pastete. Doch interim (inzwischen) wird gezecht was die Taverne hergibt: Met und Weinbeerblut, aber auch Bier der Neuzeit lassen die Penunse ins Säckel des Wirts wandern. Mittendrin tauchen Mägde zur Verlustigung an den Tischen auf.

Teufel und Zauberer

Die Hausherrin ruft "Ihr seid alte Schachteln! - Ihr tragt keine Hauben!" Die wurden im Mittelalter bei der Heirat nämlich aus der Schachtel genommen und ständig getragen. Frohlockend ergötzen sich die Gäste am Minnegesang. Dann ertönt laut und barsch: "Maul halten! Schafft Euch fort!" Kurzer Prozess mit einem Dieb. Die Hand wird abgehackt. Auch Teufel und Zauberer, Schmied und Knecht lassen in Kostümen, Sprache und Gestik das Mittelalter aufleben. Sechs Gästeführer aus Unna, die sonst die eigene Stadt in historischen Gewändern in Szene setzen, buhlen um die Gunst der Gäste. Zu gaffen gibt es manig, also viel. Zu lauschen auch. Das LiteraTourTheater Dortmund verlautet eindeutig Zweideutiges aus lasterhaften Balladen von Francois Villon "im dunklen Tal, im Muschelgrund... Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund" und geht mit Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" auf eine Reise ins Jenseits. Nicole Heitkämper und Olivia Rost bannten die Stationen Hölle, Sünden, Verdammnis, Fegefeuer und Paradies auf Leinwände, die die literarische Reise untermalen.

Um in der mittelalterlichen Sprache zu bleiben: Federn schütten die Veranstalter nicht in den Wind (sich umsonst bemühen). Einige Gäste genießen die Atmosphäre in eigens für das Spektakel gekauften Gewändern, und sogar bis Köln hat sich das Ereignis herumgesprochen. Ellen Adam

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