Zu lange Rot: Diese zentralen Ampeln in Haltern ärgern viele Fußgänger

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An den beiden Ampeln auf der Rochfordstraße im Kreuzungsbereich Schmeddingstraße/Gantepoth müssen Fußgänger bei Rot geduldig sein und schnell bei Grün. Die Taktung ist zu knapp kalkuliert.

Haltern

, 16.07.2019, 13:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei Rot über die Ampel laufen? An den beiden Ampeln an der Rochfordstraße in Richtung Altstadt auf Höhe Schmeddingstraße/Gantepoth ist das keine Seltenheit. Ein etwa zwanzigjähriger Passant, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagt: „Die Ampel leuchtet zu lange auf Rot. Dann laufe ich halt rüber.“

Mit „lange“ sind in dem Fall laut dem Landesbetrieb Straßen.NRW 40 bis 45 Sekunden gemeint. So lange müssen die Fußgänger auf beiden Seiten maximal warten, bis sie die Straße überqueren dürfen.

„Da es sich um eine vielbefahrene Kreuzung handelt, wird der Autoverkehr an der Kreuzung bevorzugt. Durch Induktionsschleifen, die in die Straße eingelegt sind, verlängert sich die Grünphase für die Fahrzeuge von 40 auf bis zu 45 Sekunden, wenn der Verkehr stark ist“, so ein Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen.NRW, der für Lichtsignalanlagen zuständig ist. Die Induktionsschleifen würden erkennen, ob Autos darüber fahren oder drauf stehen.

Die Taktung ist zu knapp kalkuliert

Die Halternerin Christa Gräver ärgert sich auch über die Ampeltaktung, gerade wenn sie es eilig hat. Sie muss häufiger über die Straße und hat ein Stück weit sogar Verständnis, wenn jemand bei Rot rüberläuft. „Wenn die Ampel so lange rot ist, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Leute einfach rüberlaufen“.

15 Meter müssen die Passanten in ziemlich genau zehn Sekunden gehen, um von der einen zur anderen Seite zu gelangen. Nur so lange zeigt die Ampel Grün. Für die meisten Fußgänger ist zu das zu kurz. Einige schaffen es in der Zeit gerade mal bis zur Mitte der Straße.

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Ist die Grünphase der Ampel für Fußgänger an der Rochfordstraße zu kurz?

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Selbst laut der Formel von Straßen.NRW ist diese Grünphase zu knapp kalkuliert. Sehende legen demnach 1,2 Meter pro Sekunde zurück. Auf dieser Grundlage müssten sie an der Rochfordstraße also eigentlich eine Grünphase von 12,5 Sekunden statt den aktuellen zehn Sekunden haben. Straßen.NRW war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kinderwagen- und Rollatoren haben keine Chance

Bei Blinden müsste für die Grünphase laut Landesbetrieb sogar lediglich ein Meter pro Sekunde zugrundegelegt werden. Das bedeutet, dass die Ampel 15 Sekunden grün leuchten müsste. Was nicht jeder weiß: Blinde können an vielen Ampeln einen Knopf unterhalb der Ampeltaste, der sogenannten Druckplatte, betätigen. Dadurch kann die Grünphase für Fußgänger verlängert werden. An der Rochfordstraße/Schmeddingstraße verfügen nur die beiden Ampeln auf Höhe des Parkplatzes neben der Musikschule über diese Funktion. Allerdings ist sie außer Betrieb.

Probleme beim Überqueren der Straße haben neben Blinden vor allem auch Eltern mit Kinderwagen oder Senioren wie Erika Milinski. Die 75-jährige Halternerin schafft es in der kurzen Grünphase gerade mal bis zur Hälfte. „Wenn ich mal einen Rollator brauchen sollte, wird die Überquerung der Straße für mich noch schwieriger.“

Wenn es genug Beschwerden gibt, könnte sich die Ampelschaltung ändern

Der Mitarbeiter von Straßen.NRW ist von solchen Schilderungen nicht überrascht und findet es nicht weiter schlimm, wenn die Zeit für die Straßenüberquerung einigen Passanten nicht ausreicht. Nach jeder Grünphase für Fußgänger würden schließlich auch Zwischenzeiten geschaltet. „Das sind Schutzzeiten, bevor die Autos losfahren dürfen. An der besagten Kreuzung beträgt die Schutzzeit bis zu 9 Sekunden“, ergänzt er. Ein sicheres Überqueren sei in dieser Zeitspanne möglich.

Die aktuelle Ampelschaltung ist nicht endgültig. Sie beruht auf einer Verkehrszählung, die vor der Ampel-Installation durchgeführt wurde. Wenn es genug Beschwerden von Verkehrsteilnehmern gebe, seien es Kraftfahrzeugführer oder Fußgänger, werde noch einmal gemessen, erklärte der Straßen.NRW-Sprecher. Das könne dazu führen, dass die Ampeltaktung angepasst werde.

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