Zutritt zu einigen Halterner Supermärkten nur noch mit Einkaufswagen

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Wegen des Coronavirus lassen einige Supermärkte in Haltern ihre Kunden nur noch mit Einkaufswagen in die Läden. Daran gibt es auch Kritik von Kunden.

Haltern

, 01.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Will man abends nur schnell eine Tüte Chips kaufen oder zwei Paprika, die man fürs Kochen vergessen hat, nimmt eigentlich niemand einen Einkaufswagen. Ohne den kommen Kunden in einige Supermärkte in Haltern aber jetzt gar nicht mehr hinein.

Nach einem Erlass der NRW-Landesregierung, der am 23. März in Kraft getreten ist, darf sich wegen des Coronavirus nur eine Person pro zehn Quadratmeter Einkaufsfläche in einem Laden aufhalten. In einem Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern dürfen also höchstens 80 Kunden gleichzeitig einkaufen.

Einkaufswagen sind für die Supermärkte ein hilfreiches Mittel, um die Zahl der Kunden zu kontrollieren. Sie zählen die Einkaufswagen ab, gibt es keine Wagen mehr, darf auch niemand in den Laden. Außerdem dienen sie als natürliche Barriere zwischen den Kunden und sollen helfen, den empfohlenen Mindestabstand von zwei Metern besser einzuhalten.

Am Eingang des Edeka in Sythen zeigt ein Schild an, dass Kunden nur noch mit Einkaufswagen in den Laden dürfen.

Am Eingang des Edeka in Sythen zeigt ein Schild an, dass Kunden nur noch mit Einkaufswagen in den Laden dürfen. © Lukas Wittland

Nicht überall müssen Kunden einen Einkaufswagen nehmen

Aber nicht jeder Supermarkt setzt auf diese Lösung. Den Aldi an der Lohhausstraße etwa dürfen Kunden weiterhin ohne Einkaufswagen betreten. Ein Security-Mitarbeiter regelt den Zugang. Erst wenn ein Kunde den Laden verlässt, darf ein anderer hinein. Beim Frischmarkt Bösing in Lippramsdorf funktioniere es gut ohne Security und Einkaufswagenregelung, sagt der stellvertretende Marktleiter Andreas Bösing.

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Bislang sei die Zahl der Kunden, die gleichzeitig im Laden einkaufe, deutlich geringer gewesen, als es die Anordnung verlange. Sollten sie merken, dass sich das ändere, liege eine Lichtschranke bereit, mit der er die Kundenzahl ganz genau im Blick behalten könne, sagt Bösing.

Der K+K setzt ebenso wie der Edeka in Sythen auf eine Regelung mit Einkaufswagen. Am Dienstagmittag weist vor beiden Läden nur ein Schild darauf hin, Mitarbeiter stehen keine vor der Tür. Umgekehrt ist es am Rewe an der Weseler Straße. Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes weist die Kunden darauf hin, dass sie einen Wagen nehmen müssen. Ein Schild fehlt.

Beim K+K in Haltern ist der Zutritt wegen des Coronavirus nur noch mit Einkaufswagen gestattet.

Beim K+K in Haltern ist der Zutritt wegen des Coronavirus nur noch mit Einkaufswagen gestattet. © Lukas Wittland

Weniger Einkaufswagen als Kunden in den Laden dürfen

In den Lidl an der Münsterstraße dürfen nur 97 Personen gleichzeitig und nur mit Einkaufswagen, steht auf einem Zettel an der Tür. Ein Security-Mitarbeiter sprüht die Griffe des Wagens mit Desinfektionsmittel ein, bevor Kunden den Laden betreten. Beim Durchzählen der Wagen fällt auf, es sind weniger als 97. Die Kunden im Laden einberechnet.

Das ist wohl Absicht. Auch vor dem Edeka-Center Bleise stehen weniger als 260 Einkaufswagen. So viele Kunden dürften eigentlich gleichzeitig in den Laden. „Wir haben aber nur 180 Wagen draußen stehen, damit wir diese Grenze auf keinen Fall überschreiten“, erklärt Marktleiter Dirk Glados.

Obwohl vor dem Eingang zwei Spender mit Händedesinfektionsmittel und Desinfektionstüchern für die Griffe der Einkaufswagen stehen, habe er von einigen Kunden gehört, dass sie die Regelung mit den Wagen nicht gut finden.

Aktuell dürfen im Edeka-Center Bleise nur 260 Kunden gleichzeitig einkaufen.

Aktuell dürfen im Edeka-Center Bleise nur 260 Kunden gleichzeitig einkaufen. © Lukas Wittland

Auch die 71-jährige Ilona Jost ist davon nicht begeistert: „Mein Ehemann und ich haben in den vergangenen Wochen extra keine Einkaufswagen in den Supermärkten genutzt. Wir haben immer einen eigenen Korb mitgenommen, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten.“

Dass es Desinfektionsmittel gibt, finde sie gut. Das sei aber nicht überall so. Deshalb würde sie lieber weiter ihren eigenen Korb benutzen, aus Angst sich über die Griffe mit dem Coronavirus anzustecken.

Flächen sind nicht der Hauptübertragungsweg des Coronavirus

Prof. Dr. Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Düsseldorf, kann da ein wenig Entwarnung geben. „Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass der Hauptübertragungsweg der direkte Kontakt mit infizierten Personen ist.“ Grundsätzlich seien die Griffe von Einkaufswagen aber eine Kontaktfläche, auf der Viren haften blieben, wenn sich etwa jemand in die Hand huste und danach den Griff anfasse. „Die Griffe regelmäßig zu reinigen, ist deshalb sinnvoll und kann das Infektionsrisiko minimieren“, sagt Timm.

Das Coronavirus wird vor allem per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Es gibt noch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie lange sich das Virus auf unterschiedlichen Oberflächen hält und dabei infektiös bleibt. Grundsätzlich gilt deshalb: Wer draußen unterwegs ist und etwa öffentliche Verkehrsmittel nutzt oder einkaufen geht, sollte sich nicht ins Gesicht fassen und nachher zu Hause gründlich die Hände waschen.

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