Zwei Halterner positiv auf das Coronavirus getestet - Arzt verteidigt Kollegen gegen Kritik

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Das Coronavirus ist in Haltern angekommen: Zwei Männer haben sich mit Sars-CoV-2 infiziert. Nach wie vor wird in Arztpraxen aber nur in begründeten Verdachtsfällen auf das Virus getestet.

Haltern

, 11.03.2020, 14:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Haltern wurden zwei Männer positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet. Das teilte der Kreis Recklinghausen am Mittwoch mit. Sie befänden sich aktuell in häuslicher Isolation. Damit erhöht sich die Zahl der bestätigten Fälle im Kreis Recklinghausen auf 9. Darunter sind zwei Frauen aus Dorsten, drei Personen aus Marl, ein Mann aus Oer-Erkenschwick und ein Recklinghäuser.

Das Gesundheitsamt setze sich mit denjenigen aus dem Umfeld der Erkrankten in Verbindung, die in den letzten Tagen engen Kontakt zu ihnen hatten, um das weitere Vorgehen abzusprechen, hieß es.

Wie Dr. Björn Hollensteiner, Hausarzt und 1. Vorsitzender des Halterner Ärztenetzes, auf Anfrage mitteilte, handelt es sich bei den beiden Männern aus Haltern um Urlaubsheimkehrer. Ihnen gehe es gut und sie befänden sich in häuslicher Quarantäne.

In den vergangenen Tagen hatte es vermehrt Kritik am Umgang der Halterner Ärzte mit Patienten gegeben, die Grippe-Symptome zeigten und verunsichert waren, ob sie sich nicht möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert hätten.

Auch die Halterner Zeitung hatten mehrere Beschwerden von Patienten erreicht, die sich behandeln oder testen lassen wollten, in Hausarztpraxen aber abgewiesen wurden.

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Björn Hollensteiner verteidigte das Vorgehen seiner Kollegen. „Viele hatten nicht mal Atemmasken, weil Schutzkleidung momentan schwer zu bekommen ist.“ Masken seien aber dringend notwendig, weil das medizinische Personal sich schützen müsse, falls der Patient beim Rachenabstrich huste. Unter diesen Umständen sei es durchaus nachvollziehbar, wenn eine Praxis einen Abstrich ablehne.

Er selbst habe zum Beispiel vor mehr als drei Wochen Masken bestellt, die erst vor Kurzem geliefert wurden. Außerdem sei das Kontingent mittlerweile begrenzt. „Ich habe nur für zehn Fälle Schutzausrüstung“, so Hollensteiner. Die Masken allein kosteten an die 10 Euro pro Stück. Auch die Test-Kits gebe es nur in begrenzter Zahl. „Wir halten uns an die Anweisungen der Behörden. Sie geben vor, dass nur solche Patienten getestet werden, die Kontakt zu einem Coronavirus-Erkrankten hatten oder aus einem Risikogebiet kommen.“

Die Krankenkassen übernähmen auch nur in diesen Fällen die Kosten des Tests. Dieser koste über 200 Euro. Zurzeit sei es immer noch wahrscheinlicher, dass Patienten an Erkältungskrankheiten oder Grippe erkrankt seien als an Sars-CoV-2, sagt Björn Hollensteiner. „Wir können nicht jeden testen, der hustet.“

Patienten machen Abstrich nach Anleitung zuhause

Sollte ein begründeter Verdacht bestehen, komme der Patient nicht mehr in die Praxis, sondern es werde telefonisch mit ihm oder einem Angehörigen ein Zeitpunkt vereinbart, an dem das Set für den Rachenabstrich außerhalb der Praxis abgeholt werden kann. Der Patient mache den Abstrich dann nach beiliegender Anweisung zuhause. Das sei mittlerweile das Vorgehen, das von der Kassenärztlichen Vereinigung vorgegeben werde.

Grundsätzlich hat Björn Hollensteiner aber den Eindruck, dass die Halterner sehr vernünftig mit der Situation umgingen. „Wir müssen in unserer Praxis mehr Fragen beantworten, das ja, aber die Patienten lassen es sich gut erklären“, sagt der Allgemeinmediziner. Er selbst informiere sich täglich auf den entsprechenden Seiten und halte sich an die dort vorgegebenen Empfehlungen. „Wenn die Behörden irgendwann vorgeben, dass wir alle mit Symptomen testen sollen, halten wir uns natürlich daran.“

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