Zwei Köhler kümmern sich um den Meiler

Bald gibt es wieder Holzkohle

Gleich zwei neue Köhler wurden am Dienstag (28.4.) von Kersten Blaschczok, Leiter des Forsthofes Haard des Regionalverbandes Ruhr (RVR), am Holzkohlenmeiler in der Haard vereidigt: Dirk Vogel (44) und Andy Heidecke (29).

Flaesheim

28.04.2015, 15:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dirk Vogel ist gebürtiger Dattelner, lebt heute in Ratingen und war bis zum vergangenen Jahr noch der Helfer von Köhler Hermann Hohmann. Andy Heidecke kommt aus dem Harz und ist seit 15 Jahren nebenberuflich Köhler.

Auch Dirk Vogel muss sich für seinen Einsatz am Meiler Urlaub nehmen. Er ist eigentlich Fachkraft für Abwassertechnik beim Bergisch-Rheinischen Wasserverband. Aber sein Herz schlägt für das traditionelle Köhler-Handwerk. „Es ist jammerschade, dass immer mehr Handwerksberufe aussterben“, sagt Dirk Vogel. Und auch deshalb sind sowohl Vogel als auch Heidecke Mitglieder im Harzer Köhlerverein. Vogel hat in den vergangenen Jahren Köhler Hermann Hohmann als Helfer zur Seite gestanden, „aber privat habe ich den Meiler vom ersten Jahr an besucht und die Köhler immer mit meinen Fragen genervt“.

Familientradition

Und bei Andy Heidecke sprang der Funke zu diesem traditionellen Handwerk über, weil sein Großvater bereits Köhler war. Die nächsten 10 bis 14 Tage wird die Köhlerhütte direkt am Meiler ihr gemeinsames Zuhause sein. Am Dienstag (28.4.) wurde noch ein wenig das Dach geflickt und auch noch frisch eingeschweißte Matratzen gab es für die beiden Köhler. „Wir müssen den Meiler rund um die Uhr bewachen, damit er nicht anfängt zu brennen“, erzählt Dirk Vogel.

Die Sauerstoffzufuhr muss so geregelt werden, dass der Verkohlungsprozess ganz gemächlich vonstatten geht. Seit Montag (27.4.) sind Dirk Vogel und Andy Heidecke dabei, das Buchen- und Roteichenholz aufzuschichten. Am Ende werden es 50 Raummeter Holz sein.

Dann bedecken sie die Scheite mit Heu und machen den Meiler zum Schluss „schwarz“ – er wird mit Erde bedeckt, damit er luftdicht abgeschlossen ist. Die Erde ist übrigens seit 20 Jahren in Gebrauch, enthält Holzkohlenreste und -staub. Vor dem Aufschichten mussten die Köhler noch mit Hacke und Schaufel die Kohlegrube einebnen. Im Zentrum der Grube entstand aus Holzscheiten der Quandelschacht. Dort hinein füllen die Köhler zwei Säcke Holzkohle.

Am 1. Mai wird der Meiler entzündet. Anschließend beginnt der Verkohlungsprozess. In den Quandelschacht wird ständig Brennmaterial nachgefüllt. Das Holz beginnt zu glühen. Durch Löcher, die der Köhler durch die Erdabdeckung mit Stäben stößt, reguliert er die Luftzufuhr und lenkt die Luft im Inneren ab- und seitwärts. An Farbe und Geruch des Rauches erkennen Vogel und Heidecke das Fortschreiten des Verkohlungsprozesses.

Weißer Qualm

„Weißer Qualm etwa ist Wasserdampf“, erläutert Dirk Vogel. „Denn zu Anfang entweicht die Feuchtigkeit aus dem Holz.“ Wenn sich der Rauch himmelblau färbt, sind die Kohlen fertig. Dann muss das Feuer gelöscht werden. Der Köhler verschließt die Löcher, um das Feuer zu ersticken. Es dauert einige Tage, bis die Kohle abgekühlt ist. Dann öffnet man den Meiler, die Kohle wird entnommen.

Das Programm rund um den Meiler: 30. April (Donnerstag) bis Sonntag (3. Mai): Mittelalterliche Schmiede, Betreuung durch Hufschmied und Archäologen/Museumspädagogen; für den 2. Mai (Samstag) können sich noch zwei Erwachsene und zehn Kinder ab acht Jahren für einen Workshop anmelden: Tel. 92030; wichtig: kunststofffreie Kleidung anziehen! 1. Mai (Freitag), 13 Uhr; Anzünden des Holzkohlenmeilers; 2. Mai (Samstag), 11 Uhr, Hochzeitspaare pflanzen ihren Baum auf der Hochzeitsallee; 5. Mai (Dienstag), 9 Uhr, Waldjugendspiele mit zehn angemeldeten Schulklassen aus Haltern; 10. Mai (Sonntag), 16 Uhr, Theater für Kinder, „Die Himmelsleiter“, Forsthof Haard, Recklinghäuser Str. 291; 13. Mai (Mittwoch), 21 Uhr, Lagerfeuergeschichten von Köhlern und Förstern; 17. Mai (Sonntag), 21 Uhr, Aufbruch des Meilers und Ausziehen der Kohlen; 22. Mai (Freitag), Verkauf der Kohlen am Forsthof Haard.

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