Zwei Wochen arbeiten in einer Klinik in Tansania

Interview

Für den Herbst, zwei Wochen von Ende September bis Anfang Oktober, reist Dr. Markus Reidt, Chefarzt der Klinik für Anästhesie im St. Sixtus-Krankenhaus, erneut nach Litembo. Im Vorfeld der Reise sprach unser Redakteur Holger Steffe mit Dr. Reidt über seine Beweggründe.

HALTERN

, 06.06.2015, 08:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herr Dr. Reidt, wie häufig sind Sie schon nach Tansania gereist? Was sind die Ziele Ihrer Besuche?

Vor knapp 30 Jahren war ich noch während des Studiums in Tansania und habe dort viele liebe, freundliche und äußerst dankbare Menschen kennengelernt. Ich habe schon damals mein Herz dort verloren. Durch meine Tätigkeit in Haltern und den Klinikverbund war ich 2007 zum ersten und im letzten Jahr zum zweiten Mal in Litembo.

Vor acht Jahren haben wir begonnen, die Anästhesie mit Sauerstoff zu versorgen. Im Januar 2014 habe ich mich über die Anwendung der damals eingeführten Konzepte und Verbesserungsmöglichkeiten informiert und zusätzliche Schulungen durchgeführt.

Wie muss man sich so eine Reise vorstellen? Wie ist das Krankenhaus dort ausgestattet und werden die Konzepte so umgesetzt wie damals angedacht?

Abgesehen von unserer Reise mit neunstündigem Flug nach Tansania, dreistündigem Inlandsflug und zweistündiger Fahrt mit dem Auto über wenig Asphalt und viel Buckelpiste werden regelmäßig von einem Bremer Spediteur auf eigene Kosten ausgediente Geräte von Marl im Container nach Litembo gebracht.

Das 150-Betten-Krankenhaus versorgt die 500.000 Einwohner des Distrikts Mbinga. Es liegt im südlichen Inland, fernab von Stränden, Safaris und Kilimanjaro. Die Patienten sind arm und auf die Hilfe angewiesen, die das Litembo Hospital ihnen gibt. Rund 200.000 Menschen kommen jährlich dorthin, vom Säugling bis zum Greis.

Hier wird mit einfachen Mitteln gute Medizin gemacht. Drei afrikanische Ärzte und weitergebildete Krankenpflegekräfte führen dort Kaiserschnitte und andere Operationen durch. Die dabei notwendigen Narkosen werden leider immer noch mit unzulänglichen Geräten und Materialien durchgeführt, was das Risiko für die Patienten sehr stark erhöht. So kann leider in vielen Fällen kein Sauerstoff eingesetzt werden. Bei der Schmerztherapie mangelt es in Tansania an entsprechenden Medikamenten.

Für den Herbst haben Sie erneut eine Fahrt mit Kollegen geplant, was soll dabei umgesetzt werden?

Wir möchten gerne mit einem Team, bestehend aus zwei Anästhesisten, einem Anästhesie-Pfleger, einem Chirurgen und eventuell einem Pädiater, für zwei Wochen, vom 27. September bis 10. Oktober, dort arbeiten und Unterricht geben. Der Unterricht soll sich in erster Linie mit Belangen der Anästhesie beschäftigen. Dieses Fachgebiet wird vor Ort noch sehr „stiefmütterlich“ behandelt.

In diesem Zusammenhang soll ein Narkosegerät angeschafft werden, welches die Qualität und Sicherheit sehr stark erhöhen würde und geeignet ist für den Standort und Mitarbeiter dort. Moderne deutsche Technik ist dort fehl am Platz, weil sie, wie bei einem heutigen Auto, computergesteuert und nicht selbst zu reparieren ist.

Hier gibt es Notstromaggregate, dort nur einen alten Dieselgenerator und Solarzellen auf dem Dach. Selbst die Schwestern mussten bis vor kurzem noch mit der Taschenlampe nachts über die Flure laufen.

Was ist das Besondere an dem Narkosegerät?

Das Narkosegerät wurde von einem englischen Kollegen entwickelt, der selber lange in Malawi gearbeitet hat. Es ist einfach zu handhaben, leicht selber zu reparieren, funktioniert im Ernstfall auch ohne Strom, und ist in der Lage, Sauerstoff selber zu komprimieren. Es wird in Amerika produziert und verkauft. Der Neupreis beträgt 18.300 Dollar.

Bedingt durch den schlechteren Wechselkurs ist dieses Gerät für uns allerdings zirka 5000 Euro teurer geworden. Die Rotarier aus Marl haben zugesagt, diese Differenz auszugleichen. Trotzdem brauchen wir noch dringend Spender, denn in Litembo soll es gleich zum Einsatz kommen, das bisher dort genutzte hat ausgedient.

Der Verein „Tansania-Hilfe Litembo“ beteiligt sich bei der Bezahlung der Lohnkosten für Ärzte und examinierte Pflegekräfte. In bestimmten Fällen gibt es auch eine Finanzspritze bei Investitionen.

Für die Versorgung der Menschen ist das Krankenhaus allerdings auf Spenden angewiesen. Die gute Versorgung verdanken die Patienten zu einem großen Teil Spendern, vor allem aus Deutschland und der Schweiz.

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