125 Jahre Cäcilienchor: Als 1900 die Liebe ausblieb

HEEK Der Heeker Cäcilienchor wird in diesem Jahr 125 Jahre alt: Anlass, mit viel Gesang, Gästen und zu feiern, aber auch zurückzublicken: In unserer Serie widmen wir uns heute der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts.

19.03.2009, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Ein Geburtstagsständchen der besonderen Art bringt an diesem Sonntag, 22. März, ab 17 Uhr das Vokalensemble Snedwinkela aus Neuenkirchen.  privat</p>

<p>Ein Geburtstagsständchen der besonderen Art bringt an diesem Sonntag, 22. März, ab 17 Uhr das Vokalensemble Snedwinkela aus Neuenkirchen. privat</p>

In dieser Zeit folgte dem Chorgründer und -wohltäter ein ausgesprochener Chormuffel im Amt nach: Nicht dass Pastor Theodor Schmitz nicht gerne gesungen hätte, im Gegenteil: "Noch als ein 80-jähriger Greis erregte sein Gesang die Bewunderung der Kirchenbesucher", hat ein Zeit - und damit Ohrenzeuge festgehalten. Allerdings war es der einstimmige Gesang, der es ihm angetan hatte - nicht allein sein eigener, sondern auch der einstimmige, traditionelle Choralgesang. Dass Bass, Bariton und Tenor - damals war der Cäcilienchor anders als heute ausschließlich männlich besetzt - unterschiedliche Stimmen sangen, mochte der neue Geistliche dagegen ganz und gar nicht. Die Folge: Der Cäcilienchor erhielt statt der von Chorgründer Grimmelt gewohnten Zuwendung von dem neuen Präses kaum Sympathie - und kaum ebenso wenig Unterstützung.

Küster befördert

Vor seinem Tod am 21. Juli 1902 hatte Grimmelt noch dafür gesorgt, dass der jeweilige Küster auch stets das Dirigentenamt zu übernehmen hat - wie sich zeigte, eine vorausschauende Entscheidung. Denn in dem folgenden Vierteljahrhundert präsialer Missachtung, war es vor allem der Küster, der die 24 singenden Männer musikalischen unterwiesen und den Chor vor dem Vergessen gerettet hat.

Und die Jungen? Die gehörten nicht mehr dazu. Denn zwischenzeitlich war die Unterweisung im kirchlichen Chorgesang in der Schule unterblieben.

Dafür trug allerdings nicht Pastor Schmitz die Verantwortung: Noch zu Grimmelts Lebzeiten war es zu dem folgenschweren Zerwürfnis gekommen - wegen der neuen Kopplung zwischen Küster- und Organisten-, sowie Chorleiteramt. Bis dagin waren es nämlich immer die Lehrer gewesen, die sich ihren schmalen Lohn mit dieser Zusatztätigkeit aufbessern konnten. Die Einnahmen von der zweieinhalb Hektar großen Jungfernmathe, einer Weide am Donnerberg, durfte der heweilige Kirchenmusiker für sich verbuchen.

Lehrer beleidigt

Ab 1900 war das Franz Lücke und ab 1910 Bernhard Steinhoff - beide Küster und eben nicht Lehrer. Über diese Degradierung war die Heeker Lehrerschaft offenbar so erbost, dass sie den kirchlichen Gesang auf ein Minimum zurück fuhr. sy- wird fortgesetzt

 

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