Fotos von seinem Penis hat ein 39-Jähriger an sehr junge Mädchen geschickt. © Rob Hampson
Gerichtsprozess

39-jähriger Heeker schickt obszöne Fotos an 10- und 11-jährige Mädchen

Bilder von seinem Penis und sexuelle Nachrichten hat ein Mann aus Heek an seine Patentochter und eine Bekanntschaft aus dem Internet geschickt. Vor Gericht sucht er nach Erklärungen.

„Das ist widerlich, das ist ekelig. Das ist ein absolutes Tabu.“ Diese Worte kommen nicht vom Richter oder vom Staatsanwalt, sondern vom Angeklagten selbst. Ganz deutlich macht er immer wieder, was er von seinen eigenen Taten hält. Er muss sich vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten, weil er sehr jungen Mädchen Fotos seines Penis und Nachrichten mit sexuellem Inhalt geschickt hat.

Offen und ausführlich berichtet der 39-Jährige, wie es dazu gekommen ist. „Das Mädchen hat in meiner Nachbarschaft gewohnt und die Eltern haben mich gefragt, ob ich ihr Patenonkel sein möchte.“ Häufig habe er mit dem Kind gespielt und mit der Familie gegessen.

Eines Tages habe er dann „leider Gottes diese widerlichen Fotos“ an die damals Zehnjährige geschickt. Zu den Penisfotos schrieb er in sehr vulgären Worten, dass er mit dem Mädchen schlafen wolle. „Haben Sie erwartet, dass sie zustimmt?“, will der Staatsanwalt wissen. „Nein, natürlich nicht. Ich würde nie ein Kind anfassen, sowas mache ich nicht“, erwidert der Heeker.

Heeker verliert wegen Ermittlungen seinen Arbeitsplatz

Nach dem Vorfall versuchte er, sich mit verschiedenen Ausreden vor den Eltern und der Staatsanwaltschaft zu rechtfertigen. Keine davon war überzeugend. Vor Gericht knickt der 39-Jährige dann auch ein. „Wusstest du, dass du das Bild an deine zehnjährige Patentochter schickst?“, fragt sein Verteidiger ihn ganz direkt. „Ja“, antwortet der Angeklagte leise und nickt.

Einige Monate nach diesen Nachrichten stand die Polizei bei dem Heeker vor der Tür. Um kurz nach 6 Uhr morgens, wie der noch ganz genau weiß. „Das war ein Schock, damit habe ich gar nicht gerechnet.“ Die Beamten beschlagnahmten sein Handy.

Von diesen Ermittlungen bekommen die Arbeitskollegen des 39-Jährigen Wind. „Daraufhin wollten sie nicht mehr mit ihm arbeiten. Sie haben angedroht, ihn zusammenzuschlagen, wenn sie eine Schicht mit ihm haben, und Unterschriften für seine Kündigung gesammelt“, berichtet der Verteidiger. Der Heeker verliert seinen Job, kann den Unterhalt für seine beiden Kinder nicht mehr zahlen. „Ich war plötzlich wieder ganz unten“, so der Angeklagte.

Noch einmal Penisbilder an junges Mädchen geschickt

„Und trotzdem kam es einige Monate danach zu einem weiteren Vorfall. Da gehen bei uns die Alarmglocken an“, macht der Staatsanwalt deutlich. Es geht wieder um Penisbilder und sexuelle Nachrichten, die der 39-Jährige an ein elfjähriges Mädchen geschickt hat. Kennengelernt haben sich die beiden in einem Internetforum.

„Da darf man sich erst ab 16 anmelden. Ich dachte, dass ich da mit älteren chatte“, versucht sich der Mann herauszureden. Doch das nimmt ihm niemand ab. Denn das junge Mädchen hatte ihm Bilder von sich geschickt, in Unterwäsche. Auch sein Verteidiger drängt ihn zu Ehrlichkeit. „Dir war doch klar, dass sie nicht alt genug ist, richtig?“ Langsam nickt der Angeklagte. „Ja.“ Seine Augen füllen sich mit Tränen.

39-Jähriger begibt sich freiwillig in Therapie

„Ich verstehe nicht, warum ich das gemacht habe. Ich kann diese Frage einfach nicht beantworten“, sagt er mehrfach. Der Staatsanwalt fragt ganz direkt: „Verspüren Sie eine Neigung zu jungen Mädchen?“ – „Nein, das ist ein Tabu.“ Trotzdem hat er sich bereits um einen Therapie-Platz gekümmert, um selber zu verstehen, warum er diese Taten begangen hat.

Richter und Staatsanwalt stellen ihm unter anderem deswegen in ihren Plädoyers eine positive Sozialprognose aus. „Ich glaube nicht, dass wir Sie hier noch einmal wiedersehen“, sagt der Richter. Er verurteilt den 39-Jährigen zu zehn Monaten Haft auf Bewährung, warnt ihn aber zugleich vor einer Wiederholung seiner Taten. Denn das Gesetz wurde erst kürzlich geändert. „Das ist dann gar nicht mehr lustig. Unter einem Jahr geht da gar nichts.“

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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