Ein 74-jähriger Heeker hat sich im September 2017 auf eine Kontaktanzeige gemeldet. Danach unterschrieb er einen Vertrag bei einer Partnervermittlung. 8500 Euro sollte der Senior zahlen.

Heek

, 23.10.2018, 15:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen Betruges musste sich am Dienstag die Mitarbeiterin einer Partnervermittlung vor dem Ahauser Amtsgericht verantworten. Ein 74-jähriger Heeker hatte einen Vermittlungsauftrag unterschrieben und sollte 8500 Euro zahlen. Soweit kam es aber nicht. Der Sohn des Heekers schaltete sich ein, kündigte den Haustürvertrag und leitete ein Verfahren ein.

Was genau in der Partneranzeige stand, erfuhren die Zuhörer im Gerichtssaal nicht genau. Die Anzeige war offenbar so verführerisch, dass der Heeker zum Telefon griff. Am anderen Ende der Leitung war dann aber nicht die „angepriesene“ rüstige Seniorin, sondern die Mitarbeitern einer Partnervermittlung aus Koblenz.

Besuch einer Agenturmitarbeiterin

Am Tag darauf saß die nun wegen Betruges angeklagte, 58-jährige Mitarbeiterin der Agentur im Wohnzimmer des Heekers. Der unterschrieb mehrere Formulare, angeblich ohne sich diese durchlesen zu können, weil die Agenturmitarbeiterin ihm dazu keine Zeit ließ, so der Staatsanwalt in seiner Anklage. Rund 8500 Euro sollte der Heeker für die Leistungen der Agentur direkt zahlen, außerdem 100 Euro monatlich für weitere Leistungen und die Vermittlung von weiblichen Kontakten an den Heeker.

Die 8500 Euro seien in dem Gespräch nicht erwähnt worden. Der Richter meinte am Dienstag mit Blick auf das Formular mit der Auflistung der Kosten außerdem, dass dieses wohl so angelegt sei, dass man die Summe übersehen könne.

Opfer nicht „überrumpelt“

Die Angeklagte stritt ab, dass sie den 74-Jährigen überrumpelt habe. Sie sei seit 20 Jahren im Geschäft und das „ist noch nie vorgekommen“. Dem hielt der Richter 22 offenbar ähnlich gelagerte Verfahren entgegen, die es gegen die Vermittlung gegeben hat. Alle „ohne Urteil“, versuchte der Anwalt der Angeklagten zu relativieren.

Beim weiteren Blick auf die von dem Heeker unterschriebenen Formulare wertete der Richter deren Inhalt als „relativ fies“. Beispielsweise werde ein Kündigungsrecht ausgeschlossen. 90 Prozent der 8500 Euro würden für die Ausarbeitung der Kundendaten verlangt, bevor die erste Adresse an den Kunden geht. „Man lässt da viel Geld, selbst wenn man da wieder raus will“, meinte der Richter.

Und: „Ich finde, das ist eine Sauerei, was da so läuft, ob das strafbar ist, ist eine andere Geschichte.“ In diese Aussage schloss der Richter auch ein, dass die Partnervermittlung in ihren Anzeigen Alter, Größe und Gewicht einer Person angibt, der Interessent dann aber nicht bei der Person, sondern bei der Vermittlung landet.

Opfer soll jetzt aussagen

Die Aussagen des Sohnes in der Anklage standen denen der Angeklagten und ihres Anwaltes gegenüber. Das 74-jährige Opfer hatte der Richter am Dienstag aus Altersgründen nicht zu dem Termin geladen. Der Senior wird aber jetzt wohl bei einem weiteren Termin vor dem Amtsgericht eine Aussage machen müssen.

Denn: Der vom Richter vorgeschlagenen Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage stimmten die Angeklagte und ihr Anwalt nicht zu. „Ist es vorstellbar, dass so etwas ohne Auflagen geht? Sie haben doch im Moment gar nichts“, fragte der Anwalt den Richter.

„Wir haben einen Verdacht“, schilderte der Richter, dass ihm das ausreiche, um einen weiteren Termin anzusetzen.

Nach kurzer Beratung erklärte der Anwalt der Angeklagten, dass sie mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen (Geld) nicht einverstanden sei. Seine Mandantin habe immer seriös gearbeitet, betonte der Anwalt.

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