Bankmitarbeiter bewahrt Rentnerin vor Betrug

Verdächtige Überweisung verhindert

Dreister geht es kaum: Eine 69-jährige Heekerin wäre um ein Haar Opfer eines perfiden Betrügers geworden. Der Mann gab sich als Vertreter der Rentenkasse und sogar als Polizist aus, um die Frau unter Druck zu setzen. Dass sie jetzt nicht um 2500 Euro ärmer ist, verdankt sie Volksbank-Filialleiter Jürgen Tillack.

HEEK

05.08.2016, 10:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich saß gerade vorne und sah sie reinkommen“, erklärte der 63-Jährige gestern auf Anfrage der Münsterland Zeitung. Am Donnerstag war die Kundin, die er seit Jahren kennt, in heller Aufregung in der Nienborger Volksbank-Filiale erschienen, um das Geld abzuheben, das sie bar bei der Post auf ein Konto bei der Western Union in Thailand einzahlen sollte.

Rentenkürzung angedroht

Laut einer von der Polizei veröffentlichten Meldung schilderte die Frau, dass sie am Donnerstag gegen 9 Uhr den Anruf eines Herrn Jansen erhalten habe, der sich als Mitarbeiter der Rentenversicherung ausgab. Der Mann habe die 69-Jährige unter Druck gesetzt, indem er behauptete, dass ihre Rente gekürzt werden soll. Angeblich hatte ihr verstorbener Mann bei der Teilnahme an einem Gewinnspiel einen Vertrag abgeschlossen, aus dem Schulden entstanden. Wenn sie nicht sofort 2500 Euro überweise, würde ihre Rente auf 300 Euro gekürzt. Abhilfe sei nur mit einer Privatüberweisung nach Thailand möglich.

Bedrängten Kunden soll geholfen werden

„Die Frau war total durch den Wind“, erklärte Tillack gestern im Gespräch mit der Redaktion. Er habe sie beruhigt und mit ihr gemeinsam den Ortspolizisten hinzugezogen, der eine Anzeige aufnahm. Er kenne die Kundin persönlich, habe intuitiv gewusst, dass etwas nicht stimme, so Tillack. Die Mitarbeiter würden außerdem sensibilisiert, derart bedrängten Kunden zu helfen, „gerade wenn die Leute hektisch und nervös sind.“ Einen derart dreisten Fall habe er in über 30 Berufsjahren nicht erlebt. Denn: Der Täter rief gestern Morgen erneut bei der Heekerin an. Diesmal gab er sich als Polizist aus. Der Fall sei geprüft worden, es habe alles seine Richtigkeit, sie solle bis 12 Uhr mittags die Überweisung tätigen. Wieder schaltete Tillack sich ein, informierte die Kripo. Aus Sicht der Kreispolizei ein Glücksfall: „Wieder einmal griff der ‚letzte Rettungsanker‘, um Senioren vor einem Betrug zu retten“, heißt es in der Polizeimeldung. Immer wieder warnt die Polizei vor Betrugsmaschen, etwa vor dem „Enkeltrick“. Dabei meldet sich ein angeblicher Freund des Enkelkinds aus dem Ausland, weil der dort in Not geraten sei und Geld brauche, damit ihm geholfen werden kann.

Mitarbeiter sensibilisiert

„Es passiert immer wieder mal“, weiß Verena Rösler, Pressesprecherin bei der Sparkasse Westmünsterland. Wie bei der Volksbank auch, hat das Institut präventive Maßnahmen eingeführt. „Die Mitarbeiter werden geschult.“ Besonders Älteren und Kunden, die sonst nie Auslandstransfers machen, gelte die Aufmerksamkeit. Auch gebe es hauseigene Geldwäsche-Beauftragte. Rösler: „Wir wirken darauf hin, dass betroffene Kunden zur Polizei gehen.“ Das ist in jedem Fall wichtig. Nicht zuletzt, weil der Geldtransfer nicht zurückgeholt werden kann. Jürgen Tillack: „Wenn überwiesen wurde, ist es weg.“  

  • Weitere Infos: www.polizei-beratung.de
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