Betrug: Partnervermittlung wollte Heeker Rentner um 8500 Euro erleichtern

Amtsgericht Ahaus

Der Richter glaubt am Ende dem Rentner aus Heek: Er verurteilt die Mitarbeiterin einer Partnervermittlung wegen Betrugs. Sie habe es darauf angelegt, ihn um sein Geld zu bringen.

Heek

, 15.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Staatsanwalt hatte zuvor auf Freispruch plädiert: Er hatte Zweifel und sah den Betrugsvorwurf mit „nicht hinreichender Sicherheit“ belegt, auch der Anwalt der Angeklagten berief sich auf „Im Zweifel für den Angeklagten“. Der Richter hatte diese Zweifel nicht und sah hinreichende Indizien für eine Verurteilung.

Dem vorausgegangen war eine rund einstündige Befragung der Angeklagten und der Zeugen, nachdem der Staatsanwalt die Anklage verlesen hatte: Demnach sollte die 50-Jährige aus Essen im September 2017 als Mitarbeiterin der Partnervermittelung bei dem damals 74-Jährigen in Heek zu Besuch gewesen sein. Sie habe ihm versprochen, eine Bekanntschaft mit einer 69-Jährigen aus der Umgebung anzubahnen. Monatlich 100 Euro seien für die Bemühungen fällig. Verschwiegen habe sie aber das Gesamthonorar von 8500 Euro.

Richter widerspricht der Angeklagten

Die Angeklagte widersprach: „Das stimmt nicht so.“ Das Gespräch mit ihr sei dem Heeker telefonisch angekündigt worden, und sie habe mit ihm den Ablauf, wie er die Dame kennenlernen könne, durchgesprochen. Auf die Frage, ob sie von den Kosten gesprochen habe, antwortete sie: „Ja natürlich, das wird immer gesagt.“ Außerdem stehe das ja „dick und fett“ in dem Vertrag, den der Rentner unterschrieben hatte. Das beurteilte der Richter anders: „Das ist äußerst schlecht zu lesen“, sagte er mit Blick aufs zweiseitige Original. Den Bogen habe sie dem Rentner nicht dagelassen, weil „im Büro“ noch die Geschäftsnummer eingetragen werde, „immer am gleichen Tag“, so die Angeklagte. Einen Tag später nehme eine Kollegin das dann bei einem zweiten Besuch bei den Kunden mit.

So geschah das auch im Heeker Fall. Der heute 75-Jährige schilderte zunächst sein Treffen mit der Angeklagten. Erst habe er überhaupt schon bei seinem ersten Anruf auf die Bekanntschaftsanzeige hin die Dame am Telefon erwartet, die in der Anzeige beschrieben war. Und auch bei dem Besuch in Heek dachte er, dass es sich um diese Frau handele. Dann habe sie gesagt, sie sei von der Partnervermittlung. Er habe sie so verstanden, dass er für ein Jahr „Mitglied in dem Verein“ werde und monatlich 100 Euro zahlen solle. Eine Summe von 1500 Euro habe sie genannt. Seinem Sohn – dieser erledige ansonsten seinen ganzen Schriftkram, so der Senior – solle er nichts davon sagen, habe sie gesagt. „Sagen Sie, die Versicherung war da.“

Rentner will von 8500 Euro nichts gehört haben

Auf die Summe von 8500 Euro angesprochen, reagierte der Heeker bestimmt: „Von 8500 Euro weiß ich nichts. Ich wollte die Dame doch nicht kaufen“, sagte er. Beim Unterschreiben des Vertrags sei er von den 1500 Euro ausgegangen, die er im Gespräch gehört hatte. Eine Summe habe er nicht gesehen. „Haben Sie das blind unterschrieben?“, fragte der Richter. „Sozusagen“, antwortete der Rentner. Warum, das frage er sich nun auch. Aber er betonte, dass weder von 8500 Euro geredet worden sei noch dass er den Betrag gesehen habe: „Wenn ich das gelesen hätte, hätte ich das nicht unterschrieben, auf gar keinen Fall.“

Bezahlt hat der Heeker am Ende gar nichts, denn er widerrief den Vertrag mit Hilfe einer Anwältin. Dafür sorgte schon sein Sohn, dem der Rentner noch am selben Tag von dem Besuch erzählte. Davon, dass er nichts erzählen sollte von seinem Gast, und dass er keine Durchschrift vom Vertrag hatte. Der Sohn, von Beruf Polizeibeamter, wurde stutzig. „Ich persönlich hatte den Eindruck, dass sie ihn gedrängt hat zu unterschreiben. Er unterschreibt sonst nichts, ohne mich oder meinen Bruder zu fragen“, so der als Zeuge geladene Heeker vor Gericht. Nach seiner Erinnerung habe sein Vater damals von einem Betrag von 1800 Euro gesprochen. Ob er den Betrag von 8500 Euro erwähnt habe, wollte der Richter wissen. „Mit keinem Wort“, so der Zeuge.

Sohn stelllt Strafanzeige gegen angebliche Partnervermittlerin

Als die Kollegin von der Partnervermittlung klingelte, öffnete der Sohn die Tür. Er habe sich ihr gegenüber als Polizeibeamter zu erkennen gegeben und sie als Beschuldigte belehrt, sagte der Heeker. Er selbst stellte die Strafanzeige und gab dabei seinen Kenntnisstand an. „Da steht dann was von 100 Euro monatlich“, sagte der Rechtsanwalt der Angeklagten mit Blick auf den Wortlaut der Anzeige. Er warf die Frage auf, warum der Heeker Rentner nicht noch einmal von einer neutralen Person seitens der Polizei vernommen worden sei.

Das wisse er nicht, nach einer Strafanzeige sei das Angelegenheit des Sachbearbeiters, antwortete der Polizeibeamte. Bei der Angabe der verschiedenen Summen habe es „gewaltig gewackelt“, meinte der Anwalt. Das hätte man ausräumen können mit einer Vernehmung durch die Polizei: „Da sind erhebliche Lücken in der Faktenlage.“ Die Angeklagte sagte in ihrem „letzten Wort“, sie sei sich keiner Schuld bewusst, und sie nötige auch niemanden.

Richter sieht vollendeten Betrug

Trotz unterschiedlicher Summen, die von den Zeugen genannt wurden: Der Richter halte es für widerlegt, dass von 8500 Euro die Rede gewesen sei. Er sah vollendeten Betrug. Nach seiner Überzeugung habe der Heeker nicht erkannt, dass der Vertrag nicht den mündlichen Äußerungen entspreche. „Die Differenz sollte er wohl auch nicht erkennen“, so der Richter. Der 75-Jährige habe den Bogen rechts unterschrieben und nicht links gelesen. Denn der Betrag sei klein auf der anderen Seite gedruckt , die Unterschrift stehe unter einer Reihe von Geschäftsbedingungen. Zu den „Indizien für die Unwahrheit“ zählte für ihn auch, dass keine Durchschrift dagelassen worden war. „Das Ganze war darauf angelegt, den 75-Jährigen um sein Geld zu bringen“, schloss der Richter. Er verurteilte sie zu 40 Tagessätzen von je 40 Euro.

Die Angeklagte hat eine Woche Zeit, Berufung gegen das urteil einzulegen.

Lesen Sie jetzt