Bürgerbusfahrer mit Leib und Seele

Reinhard Brunsch

An der Kasse der Tankstelle braucht Reinhard Brunsch weder Bargeld noch EC- oder Kreditkarte. Einmal volltanken und mit einer Unterschrift bezahlen - der Wunsch eines jeden Autofahrers geht für den 72-Jährigen in Erfüllung. "Die freundliche Dame kennt mich schon", sagt er mit Blick auf den Tankshop, während er sich wieder auf den Fahrersitz des Mercedes-Sprinters schwingt.

HEEK/LEGDEN

von Von Mirko Heuping

, 27.04.2015, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ist jedoch nicht der Grund, warum Brunsch keinen Cent zahlen muss. Viel wichtiger ist ein kleines gelbes Kartonfaltkärtchen, das auf seinen Namen ausgestellt ist. Es weist ihn als einen von über 40 Bürgerbusfahrern für die Strecke von Legden nach Ahaus aus. Und an diesem Tag ist Brunsch im Einsatz.

Die Rechnungen aller Fahrer sammelt die Tankstelle und schickt sie an die Gemeinde Heek. Die war vor 30 Jahren an der Gründung des ersten Bürgerbusvereins in Deutschland beteiligt.

Alle 14 Tage im Einsatz

Reinhard Brunsch steuert als ehrenamtlicher Fahrer alle 14 Tage den neunsitzigen Bus - und das bereits im zwölften Jahr. Entsprechend hat er auf dem Fahrersitz schon einiges erlebt: "Es gab einmal eine Frau in Heek, die ist ständig ohne konkretes Ziel mitgefahren. Sie war offensichtlich einsam und wollte sich unterhalten", sagt Brunsch.

Neben dem Service sei Kommunikation eine wesentliche Komponente des Bürgerbuskonzepts. Der Plausch mit dem Fahrer ist auch während der Fahrt erlaubt - je nach Fahrer sogar erwünscht.

38 Haltestellen

Stehen gelassen oder rausgeschmissen hat Brunsch noch nie jemanden. Vor nicht allzu langer Zeit sei er jedoch kurz davor gewesen. Ein Mann habe ununterbrochen und in unangemessener Lautstärke telefoniert. "Dann habe ich angehalten und ihn gefragt, ob er lieber weiter telefonieren oder weiter mitfahren möchte. Da war er ganz kleinlaut", erinnert sich Brunsch grinsend.

Seine Tour führt ihn über Asbeck, Wehr, Gemen, Averbeck, Nienborg, Heek, Ahle sowie Ammeln nach Ahaus und wieder zurück. 38 Haltestellen pro Weg, der eine Stunde dauert. Breite Landstraßen wechseln sich mit engen Gassen und Wirtschaftswegen, Asphalt mit Kopfsteinpflaster ab. In gemächlichem Tempo geht es von einer Haltestelle zur nächsten.

Hilfe beim Einsteigen

"Besser ich komme eine Minute zu spät als eine zu früh", sagt er. In Asbeck steigt Hedwig Hemker zu. Die Rentnerin hat ihren Rollator dabei. Ihr fällt es schwer, die Stufe in den Bus zu nehmen. Ohne zu zögern steht Brunsch auf und hilft der Frau auf einen freien Platz. Ihren Fahrausweis will er nicht sehen, den kennt er bereits. Stammkundschaft.

Kaum rollt das Gefährt, kommt die Frau ins Plaudern. Sie will nach Ahaus zum Krankenhaus. Wie jede Woche. Neben dem Marienplatz das am häufigsten angesteuerte Ziel der Fahrgäste. "So weit zu laufen, ist eher schlecht. Wenn man gut zu Fuß ist, geht das alles noch, aber in meinem Alter…", sagt sie und rüttelt an ihrem Rollator. Gäbe es den Bürgerbus nicht, müsste sie auf die Besuche verzichten. Ein Taxi wäre viel zu teuer.

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