Das Rettungsschwimmer-Gen

DLRG-Familie

Bei den Dondrups in Heek stehen die Zeichen auf Rot: Die gesamte Familie engagiert sich bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Ahaus. Die Söhne Jonas und Simon haben jüngst die schwierige Ausbildung zum Strömungsschwimmer absolviert. Und die 13-jährige Debora will es ihnen so bald als möglich nachtun.

HEEK

, 20.05.2016, 18:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es gibt Begegnungen, die unvergessen bleiben - zum Beispiel, wenn dem ahnungslosen Besucher die Haustür von einem hochgewachsenen 18-Jährigen geöffnet wird, der von Kopf bis Fuß in einem knallroten, dicken Neoprenanzug steckt - Wildwasser-Prallschutzweste, Signallampe, Messer und Wurfsack inklusive.

Bis zu fünf Millimeter dick ist das Material, in das sich der junge Mann bei sommerlichen Temperaturen gezwängt hat. "Damit könnte man auch im Winter ins Wasser", erklärt er später, als Stück für Stück die Ausrüstung erläutert wird. Jonas Dondrup ist Rettungsschwimmer der DLRG, und das mit Leib und Seele, oder, um im Bild zu bleiben: von Kopf bis Fuß, respektive vom Fließwasserhelm bis zu den Neoprenschuhen.

Die "DLRG-Familie"

Genau wie sein zwei Jahre älterer Bruder Simon, der sich ebenfalls zum Pressetermin in Ausrüstung präsentiert. Die beiden haben gemeinsam die Ausbildung zum Strömungsschwimmer absolviert und sind damit jetzt auch bei Rettungseinsätzen in Flüssen und anderen schnellen Fließgewässern oder bei Hochwasser gefragt. Als Rettungsschwimmer-Duo aus einer "DLRG-Familie" sind sie nicht nur im Kreis Borken einmalig.

"Es macht Riesenspaß, in fließenden Gewässern zu schwimmen", findet Jonas, der sich sonst in seinem Job als Feinwerkmechaniker übt. Simon ist Chemielaborant und büffelt fürs Fachabi, wenn er nicht gerade im Wasser unterwegs ist. Doch das sind die beiden oft. Schon als Kinder waren sie gern in der Dinkel baden, die unweit ihres Heeker Elternhauses fließt.

Schwimmunterricht war der Auslöser

Seit fast 15 Jahren sind die beiden Mitglied bei der DLRG in Ahaus. "Wir sind 2002 als ganze Familie eingetreten", erklärt Anne Dondrup, "wegen des Schwimmunterrichts für die Kinder." Die 49-Jährige hat die Ambitionen ihrer Kinder konsequent unterstützt, hat sie zuerst zum Schwimmunterricht und später zum Training oder zu Übungen gefahren. "Da gibt es schon einen richtigen Stammtisch-Club mit mehreren Müttern", erzählt sie.

Heinrich Dondrup war als Jugendlicher bei der DLRG in Legden dabei. Der 49-Jährige ist also wohl verantwortlich für das Rettungsschwimmer-Gen, das seine Kinder auszeichnet. Auch die 13-jährige Debora hat bereits das Rettungsschwimmer-Abzeichen in Bronze absolviert. Jeden Samstag hilft sie beim Kinderschwimmen in Ahaus mit, wo die Kleinen für das "Seepferdchen" üben. Später will sie in die Fußstapfen ihrer Brüder treten. "Genau so", sagt sie. 2013 sei die Idee gereift, für die Ahauser DLRG-Ortsgruppe das Thema Strömungsrettung anzugehen. "Da waren wir zu einem Hilfseinsatz beim Hochwasser in Magdeburg", erzählt Jonas. "Da kamen dann auch Überlegungen, ein eigenes Hochwasser-Boot zu kaufen." Dann seien sie gefragt worden: "Wäre das nicht etwas für euch?"

Realistische Übungen

Über zwei Wochenenden übten sich die beiden dann in der Praxis, "unter Realbedingungen", wie Simon erläutert. Je einmal an der Lippe und einmal an der Ruhr wurde trainiert. "Einmal hat es nachts geregnet, da ist dann der Wasserstand am nächsten Tag um 70 Zentimeter gestiegen", erinnert er sich. "Da hatten wir richtig Strömung." Und beinahe schon den Ernstfall: An einer Bootsrutsche mussten die Männer gleich mehrmals beispringen. "Da ist schon mal ein Boot umgekippt", lacht Simon.

Im Ausbildungsprogramm unter anderem: Mit Hilfe von Seilen eine Brücke übers Wasser anlegen, ein Raft bauen. Oder die "Schildkröte": In Pfeilformation stellen sich die Retter in die Strömung, um sich gegenseitig zu sichern und in ihrem Rücken einen strömungsfreien Bereich zu schaffen. "Das ist ein gutes Gefühl, wenn man mit neun Leuten durch das Wasser gehen kann, wo es allein nicht möglich wäre", sagt Simon. Und auch Jonas findet: "Das ist ein Ansporn - dass viele zusammenhalten können." Wie in einer Familie eben.

Zahlen und Fakten

  • Die DLRG hat im Bezirk Kreis Borken 13 Ortsgruppen mit etwa 7 000 Mitgliedern. Die Ortsgruppe Ahaus zählt rund 2000 Mitglieder, womit sie eine der größeren im Verband ist. Mehr als die Hälfte sind Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Aktiven liegt bei etwa 150.
  • Am 6. September 1966 wurde sie gegründet, sie feiert also in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen.
  • Am Drilandsee in Gronau sichert die Gruppe die Badeaufsicht, trainiert wird im Aquahaus Ahaus. Die Schwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold (früher Frei-, Fahrten- und Jugendschwimmer) sind nicht zu verwechseln mit den Rettungsschwimmabzeichen Bronze (ab 12 Jahre), Silber (15), Gold (16). DLRG-Wasserretter kann werden, wer das Abzeichen in Silber hat.
  •  DLRG-Strömungsretter sind spezialisierte Wasserretter für stark strömende Gewässer, Wild- und Hochwasser. Die Ausbildung erfolgt in drei Stufen, ergänzend zum Wasserretter.
  • Im Bezirk Borken gibt es insgesamt fünf Strömungsretter: einen in Ahaus, einen in Stadtlohn, einen in Nienborg und die Dondrups.
  • www.ahaus.dlrg.de

 

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