Ehemann der getöteten Heekerin wird wegen Totschlags angeklagt

rnAnklage der Staatsanwaltschaft

Nach dem Geständnis eines Mannes, seine Ehefrau in Heek getötet und in einem Teich versenkt zu haben, hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Ein Mordmerkmal stellte sie nicht fest.

Heek

, 25.01.2019, 18:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach dem Tod einer 23-jährigen Heekerin hat die Staatsanwaltschaft Münster Anklage gegen den Ehemann wegen Totschlags sowie Körperverletzung und Bedrohung erhoben. Die Ermittler werfen dem 32-jährigen vor, seine Frau am 8. August getötet und die Leiche anschließend im „Ententeich“ im Stiegenpark versenkt zu haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Der Angeschuldigte hatte die Tat zunächst bestritten und behauptet, seine Frau habe die Familie in der Tatnacht aus freien Stücken verlassen.

Diese Darstellung weckte Zweifel bei den Ermittlern, die zur Festnahme des Mannes führten. „Man muss sich schon fragen, ob eine Mutter so einfach ihre drei kleinen Kinder zurücklässt, ohne sich zu melden“, hatte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt im September mitgeteilt. Weitere Umstände, wie auch die Sichtung persönlicher Dokumente, hätten den Zweifel daran genährt, dass sie aus freien Stücken gegangen sei, so der Oberstaatsanwalt. Gegen den Angeschuldigten wurde Haftbefehl erlassen und eine Mordkommission gegründet.

Entscheidender Hinweis kommt vom Angeschuldigten

Eine monatelange Suche begann. Mehrere Seen in der Umgebung wurden abgesucht und ein Rechtshilfeersuchen an Frankreich adressiert – um einen möglichen Zeugen zu vernehmen. Doch die Leiche blieb unentdeckt. Erst der Angeschuldigte selbst führte die Ermittler auf die entscheidende Spur.

In der Justizvollzugsanstalt bat er im Dezember um eine erneute Vernehmung. Gegenüber Beamten der Mordkommission räumte er ein, seine Ehefrau getötet zu haben – allerdings ohne Absicht, so seine Darstellung.

Bei der Vernehmung beschrieb der Angeschuldigte den Ablageort so genau, dass die Leiche aus dem Teich im Stiegenpark geborgen werden konnte. An gleicher Stelle hatten Einsatzkräfte bereits im September nach der Leiche gesucht, waren aber trotz des Einsatzes eines Leichenspürhundes nicht fündig geworden. Die Leiche hatte mit Steinen beschwert in zwei Metern Tiefe gelegen.

Bereits im September hatte die Polizei am späteren Fundort erfolglos nach der Leiche gesucht. Diese lag in mit Steinen beschwert in zwei Metern Tiefe.

Bereits im September hatte die Polizei am späteren Fundort erfolglos nach der Leiche gesucht. Diese lag in mit Steinen beschwert in zwei Metern Tiefe. © Christian Boedding

Der 32-Jährige und seine Ehefrau waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten (2016 und 2017) aus Russland nach Deutschland eingereist. Dabei wurde der Mann von den Ausländerbehörden dem Kreis Mettmann zugewiesen. Die Frau mit den gemeinsamen drei Kindern im Alter von aktuell sieben Jahren, fünf Jahren und sieben Monaten kam in den Kreis Borken nach Heek. Dort besuchte der Angeschuldigte seine Ehefrau regelmäßig in ihrer Wohnung.

Wiederholte Handgreiflichkeiten

Nach den bisherigen Ermittlungen soll es zwischen ihm und seiner Ehefrau wiederholt zu – auch körperlichen – Auseinandersetzungen gekommen sein. Dabei habe der Angeschuldigte seiner Frau unter anderem respektloses Verhalten gegenüber ihm und seinem ältesten Sohn vorgeworfen.

Am 8. August habe er bei einem solchen Streit in der Heeker Wohnung seiner Frau mit einem Spielzeugauto so heftig gegen den Kopf geschlagen, dass sie blutete, wie er einräumte.

  • Bei Mord sieht der Gesetzgeber eine lebenslange Freiheitsstrafe vor, bei Totschlag sind es 15 Jahre.
  • Mord setzt nach §211 StGB besondere Begleitumstände einer Tötung voraus, die Mordmerkmale. Die bezeichnen die Tötung eines Menschen aus einem besonders verwerflichen Beweggrund, auf besonders verwerfliche Art und Weise oder mit einer besonders verwerflichen Absicht.
  • Beweggründe, die zum Mord qualifizieren, sind: Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier und sonstige niedere Beweggründe.
  • Zu den Mordmerkmalen nach Tatmodalitäten zählen: Gemeingefährliche Mittel, Grausamkeit und Heimtücke.
  • Ein Mordmerkmal besteht auch, wenn zur Begehung oder Kaschierung einer Straftat getötet wird.

Es war der letzte Tag im Leben der 23-jährigen Heekerin. Denn bei einem Spaziergang am Teich im Stiegenpark am gleichen Abend eskalierte der Streit erneut. Dabei soll der Mann seiner Frau ein Messer weggenommen haben, das diese nach Angaben des 32-jährigen selbst mitgenommen habe.

Zahlreiche Messerstiche und Schnitt durch den Hals

Laut Staatsanwaltschaft soll er mehrmals auf sie eingestochen haben. Anschließend soll er sie mit einem Schnitt durch den Hals getötet haben. Nach der Tat habe er die Leiche im Ententeich mit vor Ort gefundenen Netzen und Steinen beschwert und versenkt.

Nachdem eine Flüchtlingshelferin der Gemeinde die Ehefrau des Angeschuldigten am 11. August als vermisst gemeldet hatte und deren Eltern aus Russland angereist waren, um die Kinder in Obhut zu nehmen, soll der Angeschuldigte am 21. September auch seine Schwiegereltern mit einem Messer bedroht haben. Er werde sie „abschlachten“, habe er gerufen, so die Formulierung in der Anklageschrift.

Geständnis wirft Fragen auf

Zu einer Anklage wegen Mordes kommt es nicht. Der Straftatbestand des Mordes verlangt laut Strafgesetzbuch Mordmerkmale wie etwa Habgier, Heimtücke oder niedere Motive. „Ein Mordmerkmal haben wir nicht feststellen können“, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Freitag auf Nachfrage.

Offen bleibt, wie der Angeschuldigte seiner Ehefrau unabsichtlich die Kehle durchgeschnitten haben will. „Die gleiche Frage stellt sich auch bei den zahlreichen Stichverletzungen“, so Botzenhardt. „Deshalb lautet die Anklage auf vorsätzlichen Totschlag und nicht auf fahrlässige Tötung“, so der Oberstaatsanwalt. Die Tatwaffe habe der Angeschuldigte nach eigenen Angaben weggeworfen. Sie wurde bisher nicht gefunden.

Das Landgericht Münster entscheidet nun über die Zulassung der Anklageschrift.

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