Ehemann von toter Heekerin: Ich habe auf sie eingestochen und ihre Kehle durchschnitten

rnLandgericht Münster

Der 32-jährige Ehemann der im August 2018 getöteten Heekerin gestand am zweiten Prozesstag, mehrmals auf seine Frau eingestochen zu haben. Sie habe ihn aber zuerst bedroht.

25.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Kurz geschorene Haare, dunkelgraues Sweatshirt, versteinerte Miene. Wie schon beim Prozessauftakt in der vergangenen Woche, gewährte der 32-jährige Angeklagte auch beim zweiten Termin vor dem Landgericht Münster keinen Einblick in sein Innenleben. Eineinhalb Stunden antwortete er möglichst einsilbig auf die Fragen der Vorsitzenden Richterin. „Gab es zwischen Ihnen und Ihrer Frau öfter Streit?“ – „Ja“, „Haben Sie ihre Frau manchmal geschlagen?“ – „Nein“, „Tranken Sie damals häufig Alkohol?“ – „Mittel“.

Auch als er gestand, seine damals 23-Jährige Ehefrau im August 2018 vor den Augen ihres zwei Monate alten Kindes im Heeker Stiegenpark mit mehreren Messerstichen umgebracht zu haben, waren es lediglich seine Lippen, die sich bewegten. Augen geradeaus, die Hände ruhig im Schoß übereinander gelegt. „Haben Sie Ihrer Frau nach den ersten Stichen mit einem Küchenmesser die Kehle durchschnitten?“ – „Ja, ich kann mich aber nicht genau erinnern.“

Kokain und Alkohol konsumiert

Doch nur wenige Minuten ging es an diesem Montagmorgen um die Minuten der Tat. Richterinnen und Staatsanwaltschaft interessierten vor allem die Lebensumstände der russischstämmigen Familie und die Tage vor dem tragischen Ereignis. Jedes Wochenende habe er seine Frau in Heek besucht, sagte der 32-jährige. Auch unter der Woche fuhr er manchmal von seinem Wohnort Mettmann nach Heek. Einer Arbeit ging der ehemalige Soldat nicht nach. Deshalb besuchte er seine Familie auch manchmal unter der Woche.

So auch am 8. August 2018. Er setzte sich in den Zug nach Münster, kaufte dort nach eigenen Angaben zwei Gramm Kokain und fuhr dann mit dem Bus weiter nach Heek. „Unterwegs habe ich zwei oder drei Dosen Whiskey-Cola getrunken, vorher in Münster habe ich mit einem Freund etwas mehr als ein Gramm Kokain geraucht“, sagte der 32-Jährige. Am frühen Abend kam er in Heek an und brach einen Streit vom Zaun. „Ich war hungrig und meine Frau hatte nichts gekocht.“ Handgreiflich sei er aber nicht geworden. „Ich habe mich dann mit meiner zweimonatigen Tochter schlafen gelegt.“

Verhängnisvoller Spaziergang in den Stiegenpark

Gegen 22 Uhr wachte er von den Schreien des Babys auf. „Wir haben sie erst gefüttert und dann sind wir spazieren gegangen.“ Schon vor der Haustür sei es zum Streit gekommen. Offenbar spielte Eifersucht eine Rolle. „Mein Sohn hat mir immer wieder gesagt, dass sie Besuch von anderen Männern bekomme“, sagte der 32-Jährige. In der Nacht habe er sie im Stiegenpark mit den Vorwürfen konfrontiert. Direkt neben dem Ehepaar stand der Kinderwagen, in dem die zwei Monate alte Tochter lag. Ohne Grund habe seine Frau ein Küchenmesser aus ihrer Tasche gezogen, so der Angeklagte. Sie habe geschrien: „Entweder ich töte dich oder du mich.“

In Richtung des Dolmetschers demonstrierte er vor Gericht, wie er seine Frau entwaffnet und anschließend drei Mal auf sie eingestochen habe. Auf die Tatsache, dass im Obduktionsbericht zehn Stiche und ein Schnitt durch die Kehle festgehalten wurden, wollte er auch auf Nachfrage nicht weiter eingehen. Ihn habe sofort die Angst gepackt. „Ich habe einen Koffer aus der Wohnung geholt, aber der Körper war zu groß“, sagte er.

Den Koffer und den leblosen Körper seiner Frau versenkte er im Teich und beschwerte beides mit einer Zaunmatte. Seine Kleidung schmiss er in eine Mülltonne, dann fütterte er seine Tochter mit der Flasche. Am nächsten Morgen rief er seine Schwiegereltern an: „Eure Tochter ist nicht mehr da und wird nicht mehr kommen.“

Flüchtlingshelferin verständigt Polizei

Zu einem Kreuzverhör kam es auch am zweiten Verhandlungstag nicht. „Mein Mandant fühlt sich nicht mehr in der Lage, dem Prozess zu folgen“, sagte seine Anwältin. Deshalb wurde am Montag nur noch eine Flüchtlingshelferin aus Heek als Zeugin vernommen, die einen engen Kontakt zur getöteten 23-Jährigen hatte. „Sie war sehr liebevoll und hat sich fürsorglich um die Kinder gekümmert“, sagte sie mit den Tränen ringend. Der Mann habe auf sie aber von Beginn an angsteinflößend gewirkt. „Ich bin ihm aus dem Weg gegangen. Da bin ich ganz ehrlich“, sagte die 60-Jährige vor Gericht.

Der siebenjährige Sohn habe bei Gesprächen mit der Mutter häufig übersetzt und habe ihr persönlich nach der Tat erzählt, dass der Vater seine Mutter schon mehrmals mit dem Messer bedroht habe. „Der Junge hatte Angst vor seinem Vater. Einmal habe ich bei einem Hausbesuch gesehen, wie er den Jungen grundlos geschlagen hat“, sagte die Heekerin. Die Flüchtlingshelferin war es, die der Polizei drei Tage nach der Tat die entscheidenden Hinweise gab. „Eigentlich wollte ich nur die Notfallnummer des Jugendamts erfragen, aber den Beamten kam meine Schilderung verdächtig vor“, sagte sie. Noch heute stehe sie mit den Kindern in Kontakt, die mittlerweile bei den Großeltern in Russland wohnen.

Der Prozess wird am Freitag, 12. April, um 9 Uhr am Landgericht Münster fortgesetzt.

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