Ein antidepressiver Kabarett-Abend

Aktionsmonat „Depressionen vorbeugen“

Depression ist der Arbeitsunfall des 21 Jahrhunderts. Wie man die Zahl dieser „Unfälle“ senkt, verrieten Harald Funke und Jochen Rüther den Heekern.

HEEK

von von Sigrid Winkler-Borck

, 06.10.2017, 18:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein antidepressiver Kabarett-Abend

Das Duo Funke/Rüther hatte Mittel gegen die Depression mitgebracht.

Beim thematischen Kabarettabend in der Landesmusikakademie gingen Harald Funke und Jochen Rüther möglichen Ursachen einer Depression auf den Grund. Als eine davon machten sie den (Selbst)optimierungswahn aus. Lächelübungen in der Fortbildung und geforderte Soft Skills, wie „seelische Selbststeuerung“, führten dazu, dass Erwachsene prophylaktisch Ritalin schlucken. Das, um fitter und leistungsfähiger und letztendlich damit auch depressiver zu sein. „Wenn die Kniescheibe rausspringt, ist einem die Psyche scheißegal“, erklärte Funke und empfahl neues Bohnerwachs in den Bürofluren, um den Anteil der Knochenbrüche zu erhöhen und den der Depressionen zu senken. Solch ein Kabarettabend mit Funke und Rüther zum kreisweiten Aktionsmonat „Depressionen vorbeugen“ konnte nur ein „antidepressiver Abend“ werden, wie Christian van der Linde (Fachbereichsleiter Jugend und Familie beim Kreis Borken) bei seiner Begrüßung in der Landesmusikakademie sagte.

200 Zurechnungsfähige

Dort, im „Blockflötenmausoleum“, so Funke, hatten sich am Donnerstagabend die letzten 200 „Zurechnungsfähigen des Landes“ versammelt. Jochen Rüther hatte diese Zahl zuvor in genauen Berechnungen ermittelt. Das Programm, eigens für diesen Abend vom Kabarettduo zusammengestellt, war gewissermaßen eine mit Statistiken untermauerte Bestandsaufnahme des Istzustands des menschlichen Zusammenlebens. Das eigene Kind, so Funke, werde immer mehr zum Projekt, das gecoacht werden müsse. „Man steckt so viel rein, da muss das Kind dann aber auch liefern.“ Also beginne die Abivorbereitung bereits in der Stillgruppe. Die Kommunikation etwa bei der Partnersuche sei auf entsprechenden Internetportalen derart durchkommerzialisiert, dass, ganz im Sinne des Sozialdarwinismus, kleine, womöglich noch übergewichtige Menschen mit geringen finanziellen Kapazitäten einfach sofort weggeklickt würden. Fitnessarmbänder nötigten die Träger zu viel Bewegung und gesundem Leben, dabei sei der Mensch für immer längere Laufzeiten gar nicht ausgelegt. Und beim Essen könne man eigentlich nur Fehler machen. Der Irrsinn gehe aber noch weiter, so Rüther: „Es gibt in Deutschland fünf Millionen Diabetiker, aber Zucker und Fleisch erhalten kräftige EU-Subventionen.“

Keine düstere Perspektive

Das hätte zum Verzweifeln an der Welt und dem Leben überhaupt führen können. Aber die Schlüsse, die Funke und Rüther jeweils zogen und die Interpretationen, die sie lieferten, waren so brüllend komisch, dass vielleicht doch gar nicht alles so düster gesehen werden muss. „Saufen für den Aufschwung“ ist da ein genialer Vorschlag der beiden. Etwa zehn Liter reinen Alkohol konsumiere ein Deutscher pro Jahr, das sichere 100 000 Arbeitsplätze. Würde der Verbrauch in einer gemeinsamen Anstrengung auf 280 Liter gesteigert, hätten wir Vollbeschäftigung, ergaben Rüthers Rechenkünste. Mit viel Beifall wurden die musikalischen Einlagen des Duos bedacht. So besangen sie die Hausfrauenehe mit „Hörst Du den Ruf der Pfannen“ zur Melodie von „La Montanara“. Ein in Gemeinschaft verbrachter Abend, an dem kräftig gelacht wurde. Damit haben die 200 Zurechnungsfähigen am Donnerstagabend zweifellos viel für ihre Gesundheit getan.

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