Dr. Luisa Radohs vor den Resten der einstigen Burgmauer, die später als Fundament für das heutige Gebäude genutzt wurden. © Bernd Schäfer
Archäologie

Ein Stück Geschichte: Mittelalterliche Mauern in der Landesburg

Das ist ein echtes Stück Geschichte Nienborg. Archäologen haben im ehemaligen Saal der „Burgschänke“ mittelalterliche Mauern gefunden. Und nicht nur das. Im Erdreich warteten weitere Funde.

Verzögerungen bei Bauprojekten sind eigentlich immer ärgerlich. Dass der Umbau der ehemaligen Burgschänke sich deutlich länger als eigentlich geplant hinziehen wird, stört Jürgen Lammers allerdings gar nicht so sehr. Nicht einmal, dass ein Teil der Umbaupläne für die Tonne ist und nochmal ganz neu überdacht werden muss.

Auf gewisse Weise freut sich das Vorstandsmitglied des Trägervereins Landesburg Nienborg sogar darüber, dass Zeit- und Baupläne über den Haufen geworfen werden: „Dafür haben wir historische Bausubstanz gefunden, die die Geschichte des Ortes erlebbar macht.“

Archäologen sind im Einsatz

„Schuld“ an den Verzögerungen ist Dr. Luisa Radohs, die sich als Archäologin des Landschaftsverbands gerade mit ihrem Team durch den Untergrund des Hauses direkt neben dem Burgtor buddelt.

Dort hat sie nicht nur Fundamente der alten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert gefunden, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auch Reste eines Ende des 18. Jahrhunderts abgerissenen Turms. „Die Mauern sind 1,25 Meter breit, das war auf jeden Fall ein Verteidigungsbauwerk“, meint die Archäologin.

Das überraschenderweise nicht da stand, wo es zu vermuten gewesen wäre. „Wir dachten eigentlich, der Turm hätte direkt an der Mauer gestanden“, sagt Dr. Radohs. Tatsächlich stand er offenbar um einige Meter zurückversetzt im inneren Burgbereich, von einer Freifläche oder einer leichten Holzbebauung von der Burgmauer getrennt.

So hatte man noch einen Verteidigungsriegel, wenn Angreifer es bereits durch das Burgtor geschafft hatten. Wie groß er genau war, lasse sich noch nicht sagen. Bislang ist erst eine Ecke freigelegt, die anderen können vielleicht noch bei weiteren Grabungsschnitten unter dem Boden gefunden werden.

Unter dem einstigen Saal tauchten Mauern aus verschiedenen Bauphasen auf.
Unter dem einstigen Saal tauchten Mauern aus verschiedenen Bauphasen auf. © Bernd Schäfer © Bernd Schäfer

Im Saalbereich der ehemaligen Gaststätte haben die Archäologen noch weitere Mauerreste von spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Vorgängerbauwerken gefunden, unter anderem aus gebrannten Ziegeln.

Auch „Kleinkram“, der von den Ur-Nienborgern einfach weggeworfen oder verloren wurde, kam nach Jahrhunderten wieder ans Tageslicht. Etwa Scherben eines Bechers, den Dr. Luisa Radohs aufgrund seiner Verzierung als Steinzeug Siegburger Art aus dem 13. oder 14. Jahrhundert einordnet.

Silbermünze wurde gefunden

Sogar eine Silbermünze wurde schon mit einem Metalldetektor aufgespürt – die ist mit nur einem Zentimeter Durchmesser allerdings sehr klein und das Motiv kaum noch erkenn- und entsprechend schwer bestimmbar. Ein sorgfältig behauener Sandstein, der möglicherweise vom abgerissenen Burgturm stammt, wurde als Füllmaterial ins jüngere Mauerwerk eingebaut.

Weitere Reste des Turms, der ohne Fundament einfach auf den Sandboden gebaut wurde, sind auch im ehemaligen Kühlkeller der Gaststätte wieder aufgetaucht. Sie waren irgendwann einfach unter einer Schicht aus Klinkersteinen versteckt worden.

Unter einer Schicht Estrich versteckt wurde der ursprüngliche Bodenbelag aus Sandsteinen, der bei den Grabungsschnitten ebenfalls wieder aufgetaucht ist.

Eine Ecke des ehemaligen Burgturms haben die Archäologen schon gefunden.
Eine Ecke des ehemaligen Burgturms haben die Archäologen schon gefunden. © Bernd Schäfer © Bernd Schäfer

„Aus denkmalpflegerischer Sicht sind das massive Sandsteinfundament sowie die Reste der Burgmauer unbedingt erhaltenswert und äußerst relevant für die durch die Gemeinde angestrebte Geschichtsvermittlung vor Ort“, schreibt Dr. Luisa Radohs in einer ersten Kurzbeschreibung des archäologischen Kenntnisstands.

Damit stößt sie beim Trägerverein Landesburg auf offene Ohren. „Wir suchen uns jetzt Fachleute, die wissen, wie man solche Funde am besten präsentiert“, sagt Jürgen Lammers. „Das ist etwas Besonderes für unseren Ort und es ist doch toll, das an verschiedenen Stellen zeigen zu können.“

Es muss umgeplant werden

Dafür muss allerdings ordentlich umgeplant werden. „Den Keller müssen wir komplett neu planen“, sagt Lammers. Außerdem müssen dort, wo die Mauern einfach auf die Reste des einstigen Burgturms gebaut wurden, neue Fundamente gegossen werden.

Aber das nehme der Trägerverein angesichts der bedeutenden Funde gerne in Kauf. „Der Zeitplan, Ende des Jahres fertig sein zu wollen, ist obsolet.“ Das werde durch die historische Bausubstanz aber mehr als aufgewogen.

Und vielleicht kommen ja noch weitere spannende Funde hinzu: Die Grabungen sind noch längst nicht abgeschlossen. Je nachdem, wie die überarbeiteten Planungen für das Gebäude aussehen, werden sich die Archäologen in weitere Bereichen graben.