Energiesanierung: „Wer einmal investiert, kann langfristig Geld sparen“

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Mit einem energiesanierten Haus lässt sich viel Geld einsparen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten der Förderung und auch einen Steuerbonus – der jedoch mit Vorsicht zu genießen ist.

Heek

, 31.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Neue Wärmedämmung, neue Fenster oder eine Erneuerung der Heizungsanlage: Die Möglichkeiten der Energiesanierung sind vielfältig und für einige Gebäude dringend notwendig – auch in Heek. „Viele Häuser, die in den 1980ern oder 1990ern gebaut wurden, entsprechen heute nicht mehr den energietechnischen Standards. Daher entstehen oft hohe Kosten für Strom und Wärme“, erklärt Heiko vor der Straße von GreenPlan aus Heek.

Das Unternehmen erstellt Energiesanierungspläne für Hausbesitzer und achtet dabei vor allem auf zwei Dinge: die Energieeffizienz und nachhaltiges Wohnen im Sinne eines altersgerechten Zuhauses. „Der Klimawandel und der demografische Wandel sind die beiden größten Herausforderungen unserer Zeit“, sagt der 51-Jährige.

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Wer sein Haus energietechnisch überholen will, hat dabei verschiedene Möglichkeiten – eine Idee: die Sanierung des kompletten Gebäudes. Dafür überlegen sich die Eigentümer, welche Maßnahmen sie konkret planen. Das kann beispielsweise eine Dreifachverglasung der Fenster, eine Fußbodenheizung, eine dicker angelegte Dämmung oder vieles mehr sein.

Einsparungen bis zu 30 Prozent möglich

Gebäudesanierungen werden beispielsweise von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bezuschusst – und das in einem hohen Rahmen. Bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten können eingespart werden. Bei einem Zweifamilienhaus beispielsweise spart man mit Förderungen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der KfW bei einer Investition von 240.000 Euro bis zu 74.000 Euro (siehe Beispiel im Infokasten).

Auch ein Stück Altersvorsorge

Das Hauptinteresse einer Komplettsanierung ist die Senkung der monatlichen Kosten. „Wer einmal investiert, kann langfristig Geld sparen. Für viele ist es eine Hürde, einen großen Betrag in die Hand zu nehmen, aber am Ende lohnt es sich“, meint Heiko vor der Straße.

Das Team von Green Plan: Sonja Fuchs, Heiko von der Straße und Marion Bronstering.

Das Team von Green Plan: Sonja Fuchs, Heiko von der Straße und Marion Bronstering. © Maximilian Konrad

Ein Beispiel: Bei einem Einfamilienhaus betrugen die Energiekosten monatlich 330 Euro – 110 Euro für Strom und 220 Euro für Heizung. Nach durchgeführten Sanierungen im Rahmen eines Energiesparkonzeptes, das unter anderem Kellerdeckendämmung, eine Dachsanierung, die Installation einer Wärmepumpe und eine Dreifach-Verglasung enthielt, zahlt die Familie nun mehr monatlich 119,27 Euro.

„Häuser fit fürs Alter machen“

Ein weiterer positiver Aspekt: Menschen können mit einem energiesanierten und barrierereduziertem Haus ein Stück weit Altersvorsorge betreiben. Wer beispielsweise investiert, wenn die Kinder aus dem Haus sind, braucht sich später im Alter keine Gedanken mehr darüber zu machen, in puncto Strom, Wärme aber auch breiteren Türen und altersgerechtem Wohnen nachzurüsten. „Wir wollen die Häuser fit fürs Alter machen, damit auch für Menschen mit Behinderung und Pflegebedürftige gesorgt ist“, sagt der gebürtige Niedersachse, der aus der Grafschaft Bentheim kommt.

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Neben der KfW-Förderung unterstützt die Bundesregierung eine Energiesanierung seit dem 1. Januar dieses Jahres auch in Form eines Steuerbonus im Zuge des Klimapaketes. Eine Erleichterung von bis zu 40.000 Euro ist möglich.

Die Förderung von Maßnahmen gilt für Sanierungen am selbst genutzten Wohneigentum, die bis zum 31. Dezember 2029 abgeschlossen sind. Unterstützt werden Einzelmaßnahmen und umfassende Sanierungen, die auch von der KfW als förderfähig eingestuft sind. Dazu gehört beispielsweise eine Wärmedämmung an Wand, Dach oder Geschossdecken, die Erneuerung der Fenster und Außentüren oder auch die Erneuerung einer Heizungsanlage.

Maximaler Förderbetrag: 40.000 Euro

Absetzen können Steuerpflichtige die Kosten für eine energetische Maßnahme von der Einkommenssteuer. Insgesamt kann ein Förderbetrag in Höhe von 20 Prozent der Aufwendungen – höchstens jedoch 40.000 Euro – im Laufe von drei Jahren nach Abschluss der Sanierung abgesetzt werden. Wichtig: Das sanierte Objekt muss zum Zeitpunkt der Baumaßnahmen älter als zehn Jahre sein, ansonsten setzt der Fiskus den Rotstift an.

Was auf den ersten Blick gut klingt, erntet jedoch auch Kritik. Das Institut für Wohnen und Umwelt empfindet beispielsweise die Förderung von 20 Prozent auf alle energetischen Maßnahmen als zu undifferenziert. Daher setzt sich die Einrichtung dafür ein, dass Wärmeschutzstandards mit 30 Prozent der Kosten unterstützt werden, weil hier der Schwerpunkt der Zukunft liegt.

Kombination nicht möglich

Auch Heiko vor der Straße sieht die Steuerersparnis kritisch. „Dadurch, dass die finanzielle Erleichterung mit der Steuerklasse zusammenhängt, kann eine Ungerechtigkeit entstehen. Außerdem ist ein Beantragen von Maßnahmen nur drei Jahre möglich – eine Energiesanierung durch die KfW jedoch jederzeit.“

Leider haben Hausbesitzer, die künftig eine Sanierung planen, nicht die Möglichkeit, die beiden Förderungsmöglichkeiten zu kombinieren.

Sanierung; Ein Beispiel

2-Familienhaus, ca. 260 m² Wohnfläche, Baujahr 1972

Energieverbrauch vor Sanierung
:
  • ca. 57000 kWh Gas, ca. 275 Euro monatlich
  • ca. 7200 kWh Strom, ca. 170 Euro monatlich
Sanierungskonzept:
  • Dachsanierung mit Holzfaser-Aufsparrendämmung
  • Fassadendämmung 16 cm
  • Erneuerung der Fenster/Haustür mit 3fach-Verglasung
  • Dämmung der Kellerdecke unterseits
  • Tausch der Heizungsanlage gegen eine effiziente Wärmepumpenanlage, Anpassung des Heizverteilsystems auf Niedertemperatursystem
  • Installation einer PV-Anlage 14 kWp mit Stromspeicher 13 kWh
Investitionskosten: ca. 215.000 Euro für die Gebäudesanierung, ca. 25.000 Euro für die Eigenstromanlage

generierte Förderungen:
  • 16.000 Euro für den Heizungstausch BAFA
  • ca. 54.000 Euro KfW-Zuschuss für die energieeffiziente Gebäudesanierung
  • 4.000 Euro KfW-Zuschuss für die energetische Baubegleitung
Netto-Investition: 141.000 Euro zzgl. 25.000 Euro für die Eigenstromanlage Betriebskosten nach Sanierung unter Berücksichtigung der selbst produzierten Energie:
  • „Rest-Strombezug“ im Winter ca. 4.800 kWh, ca. 108 Euro monatlich
  • Verkauf des überschüssigen Stroms im Sommer ca. 5.200 kWh, ca. 50 Euro monatlich
bilanzierte Betriebskosten nach Sanierung: ca. 60 Euro monatlich
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