Experiment in Heek: Meisen und Co. sollen Eichenprozessionsspinner den Garaus machen

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1000 Nistkästen wurden in der Gemeinde für Meise und Co. aufgehängt. Die Vögel sollen die Larven des Eichenprozessionsspinners fressen. Doch kann das funktionieren? Ein Experte ist skeptisch.

Heek

, 04.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war deutschlandweit eines der beherrschenden Themen im Sommer 2019 – die Plage rund um den Eichenprozessionsspinner. Auch die Gemeinde Heek verschonte die Giftraupe nicht. Und die Prognose für 2020 ist angesichts des milden Winters kein Stück besser. Umso wichtiger, dass wirkungsvolle Methoden zur Eindämmung der Plage zum Einsatz kommen. Doch sind dabei Nistkästen für Meisen, Rotkehlchen und Kleiber eine geeignete Lösung?

Denn solche wurden im Außenbereich der Gemeinde an vielen Eichen angebracht – unter anderem am Eper/Nienborger Damm. Insgesamt sollen es 1000 Stück sein. Dafür steuerten Bürgerstiftung und Gemeinde je 500 Stück bei. Die Jagd-Revierinhaber haben diese in den Außenbereichen aufgehängt. Auch RW Nienborg hat auf dem Vereinsgelände 50 Nistkästen angebracht. Die Idee: Meisen und Co. sollen sich darin ansiedeln und ganz nebenbei die Giftraupen fressen. Praktisch eine Dezimierung auf natürlichem Wege.

An vielen Orten gab es die Nistkästenaktion schon

Ähnliche Aktionen gab es zuvor schon in Ochtrup, Horstmar, Rinkerode und Metelen. Vorbild für die Aktionen ist eine Gemeinde in den Niederlanden. So weit so gut – doch woher weiß man, dass die Sache überhaupt funktioniert?

Schön sehen sie aus, die Nistkästen. Doch werden sie auch genutzt? Da hilft nur beobachten und auswerten.

Schön sehen sie aus, die Nistkästen. Doch werden sie auch genutzt? Da hilft nur beobachten und auswerten. © Till Goerke

Die Antwort von Dr. Mathias Niesar, Leiter Walschutzmanagement vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW, ist so ernüchternd wie ehrlich. „Wir wissen es einfach nicht genau.“ Auch Bauamtsleiter Herbert Gausling ist verhalten optimistisch: „Wir müssen einfach schauen, ob es funktioniert.“

Eine Kameraüberwachung soll Beweise liefern

Dr. Mathias Niesars Nachsatz macht hingegen Mut. „Es gibt aber Hinweise darauf, dass die Larven im ersten von sechs Stadien von Meisen gefressen werden.“ Valide Zahlen dafür seien allerdings noch Zukunftsmusik: „Uns liegen keine vor, aber wir arbeiten daran.“ Dafür soll in diesem Jahre eine Kameraüberwachung an ausgewählten Orten in NRW zum Einsatz kommen. Um zu überprüfen, mit welchem Futter die Vögel zu den Nistkästen zurückkehren.

Solche große Giftraupen-Nester hingen 2019 entlang der Ahauser Landstraße.

Solche großen Giftraupen-Nester hingen 2019 entlang der Ahauser Landstraße. © Till Goerke (A)

Etwas, das auch in Heek möglich sein dürfte. Immerhin seien dafür laut des Experten einfache Wildtierkameras in der Regel ausreichend. „Ein interessanter Ansatz. Das wäre mal eine Idee“, bezieht der Heeker Bauamtsleiter dazu Stellung. Denn letztlich müsste es die Gemeinde initiieren, da diese in Sachen Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung den Hut auf hat. „Wir werden in jedem Fall alles genau beobachten.“

Ab dem dritten Larvenstadium wird die Sache kritisch

Videoüberwachung hin oder her – die Sache mit den Meisen funktioniere ohnehin nur wenige Wochen im Jahr, erklärt Dr. Mathias Niesar. Anfang April, wenn die Meisen das erst Mal im Jahr brüten, schlüpfen auch die Larven des Eichenprozessionsspinners und haben noch keine Brennhaare ausgebildet. Das passiert erst im dritten Larvenstadium. „Ab diesem Zeitpunkt bezweifle ich, dass Meisen noch die Raupen fressen.“

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Ab Larvenstadium drei kommen beispielsweise nur noch der Kuckuck, Wiedehopf oder die Schlupfwespe in Frage. Doch diese natürlichen Gegenspieler der Giftraupe seien, so erklärt Niesar, zu schwach aufgestellt, um diese effektiv dezimieren zu können.

40.000 Euro sind für die Giftraupen-Bekämpfung eingeplant

„Beim Eichenprozessionsspinner geht es nicht um ökologische Fragen, sondern den Schutz der Menschen und Nutztiere“, so der Experte. Darum sei auch der Mensch gefragt, der Sache Herr zu werden. Genau das versucht die Gemeinde. 40.000 Euro sind im Haushalt 2020 für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners eingestellt. Den größte Kostenfaktor dabei verursache das Absaugen der Nester, so Herbert Gausling.

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Generell sei bei der Bekämpfung der Raupe Weitsicht gefragt, stellt Dr. Mathias Niesar klar. Und das gilt damit auch für das Aufhängen der Nistkästen. „Meisen sind territoriale Tiere. Sie bekämpfen sich bis aufs Blut, wenn das Nahrungsangebot knapp wird oder ist.“ Heißt: Einfach an jede Eiche einen Nistkasten packen, wird keine Lösung sein.

Etwa alle sieben bis acht Bäume entlang des Rad- und Fußweges sind Nistkästen aufgehängt worden.

Etwa alle sieben bis acht Bäume entlang des Rad- und Fußweges sind Nistkästen aufgehängt worden. © Till Goerke

Das Zauberwort lautet Abstand. Aber wie viel? „Ich empfehle erst mal alle zehn Bäume einen Nistkasten anzubringen“, lautet Niesars Antwort. Und dann heißt es, beobachten und gegebenenfalls verdichten oder auflockern. Mit Blick auf den Ahauser Damm wird der vom Experten empfohlene Abstand über weite Strecke im Groben eingehalten. Ob das Experiment aber funktioniert, wird sich erst noch zeigen müssen.

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