Flexibel Bauen mit Wohnmodulen

Im Industriegebiet Stroot

Es mutet ein wenig an wie ein Bauklötzchenspiel: Stein auf Stein. Da, wo im Industriegebiet Stroot gerade noch eine begrünte Freifläche war, hat der Bagger am Montag das Erdreich abgeschoben, und am Mittwoch standen die ersten Häuser fix und bezugsfertig an ihrem Platz.

HEEK

08.03.2017, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Stundentakt rollten ab dem frühen Morgen die Tieflader mit ihrer tonnenschweren Fracht an: Wohnmodul für Wohnmodul wurde vom Ahauser Filialstandort der Firma Solid Box herangekarrt, um dann anschließend direkt an Ort und Stelle gesetzt zu werden. Ein Spezialkran war dafür schon tags zuvor installiert worden - so ging der "Bau" trotz Dauerregens zügig voran.

Die Module aus Smartbeton, die mit der Firma Büscher im Heeker Werk vorgefertigt werden, sparen nicht nur eine Menge Zeit - und somit auch Kosten - , sie verringern auch Baustellenlärm. Dabei sind sie dennoch flexibel und lassen sich auf Wunsch auch an einen anderen Ort versetzen.

Platzsparend

Bauen im American-Style: Wenn der eine Standort nicht mehr gefällt, dann ab mit dem Häuschen auf den LKW. Nur, dass die amerikanischen Domizile aus Holz, die hiesigen aus Beton gefertigt sind. "Und sie können bezüglich der Wärmeisolierung sowie beim Schall- und Brandschutz mit hervorragenden Werten punkten", erläutert Technologie-Entwickler und Solid-Box-Geschäftsführer Hermann Stegink. "Das macht auch bei der sogenannten zweiten Miete eine erhebliche Kostenreduzierung aus."

Die gesamte Hausversorgung findet in einem kleinen Schrank Platz. Die Heizungen geben ihre Energie als Strahlungswärme von der Decke ab. "Im Grunde braucht es vor Ort nur Strom- und Wasseranschlüsse." In Heek sollen die vier Module mit je 50 Quadratmetern Wohnfläche ab Ende März zunächst zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien genutzt werden. "Wir bauen aber keine speziellen Flüchtlingswohnheime", betont Hermann Stegink. "Wir haben dieses System in erster Linie für eine bauliche Nachverdichtung entwickelt."

Interessantes Nutzungspotenzial

Sprich: Die Wohnungen - maximal fünf davon können "aufeinandergestapelt" und beliebig viele nebeneinander positioniert werden - finden in ihrer variablen Größe von derzeit 25, 52 oder 80 Quadratmetern Platz auch in der kleinsten Lücke.

Hermann Stegink: "Das ist als Nutzungspotenzial für Senioren- oder Studentenwohnungen ebenfalls interessant."

Für Heeks Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff sind die Wohnmodule "eine Allzweckwaffe, die hier im Bereich Wohnungsbau auf den Markt kommt. Für beide Seiten, für Solid Box wie auch für uns, ist diese Art des Bauens Neuland." Er finde das Konzept beispielsweise auch für den Einsatz als Schul- oder Vereinsfläche, als Büro oder Kindergartenraum denkbar. "Uns hat neben der kurzen Realisierungsphase - die Verträge wurden Anfang Oktober geschlossen, die ersten Module Mitte Januar gefertigt - ebenso die kostengünstige Wartung und Unterhaltung der Objekte überzeugt."

Heeker überrascht

Im Industriegebiet Stroot herrschte bei den Heekern jedenfalls am Mittwoch trotz des starken Dauerregens helle Aufregung. Viele interessierte Bürger fuhren mit ihren Autos an die Baustelle heran, andere blieben beim Spaziergang mit dem Hund erst einmal überrascht stehen.

"Eigentlich müsste man hier einmal zur Probe schlafen", scherzte Franz-Josef Weilinghoff.

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