Franz Nacke erinnert sich an erstes Fußballspiel nach dem Krieg

Historisches Match

Der Zweite Weltkrieg war gerade erst ein paar Monate beendet, die Trümmer längst noch nicht alle beseitigt, Brüder, Väter, Freunde teilweise noch in Kriegsgefangenschaft. Doch mit dem 5. August 1945 kehrte ein kleines Stück Normalität zurück. Vor gut 70 Jahren fand das erste Fußballspiel der Nachkriegszeit im Dinkeldorf statt. Der Gastgeber Rot-Weiß Nienborg hieß damals noch VfL Nienborg und der Gegner kam - natürlich - aus Heek.

HEEK

von Von Mirko Heuping

, 12.08.2015, 17:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Franz Nacke hat viele Erinnerungsbilder aus seiner aktiven Zeit als Fußballer in ein Fotoalbum eingeklebt. Darunter befinden sich kurze Texte, die beschreiben, wer oder was auf den Bildern zu sehen ist.

Franz Nacke hat viele Erinnerungsbilder aus seiner aktiven Zeit als Fußballer in ein Fotoalbum eingeklebt. Darunter befinden sich kurze Texte, die beschreiben, wer oder was auf den Bildern zu sehen ist.

Franz Nacke feierte vor wenigen Wochen seinen 90. Geburtstag. Er stand auf dem Platz, als das Leder zum ersten Mal wieder rollte. Dabei war der 20-Jährige nicht einmal zwei Monate zuvor noch in britischer Kriegsgefangenschaft. Zwei Jahre sei er damals von Zuhause weg gewesen. Er hatte sich freiwillig für die Luftwaffe gemeldet und einen Pilotenschein gemacht. An der Front war er allerdings nach eigenen Angaben nicht im Einsatz.

Während der Kriegszeit durften die Soldaten keinen Fußball spielen. Die Verletzungsgefahr war schlichtweg zu hoch. Um so mehr freute sich Nacke, nach Kriegsende wieder mit seinen Kameraden auf dem Platz zu stehen. "Ansonsten war in einem Ort wie Nienborg ja nicht viel los", erinnert er sich und schmunzelt.

Spiel endet unentschieden

Seine zehn Mitspieler von damals sind bereits alle verstorben, doch darüber möchte Nacke lieber nicht nachdenken. Neben ihm standen damals Hermann Nienhaus, Adolf Büscher, Bernhard Woltering, Theo Vöcking, Johann Reinders, Josef Bömer, Josef Nacke, Hermann van Ledden, Karl Mensing und August Schlüter auf dem Feld.

Nach 90 Minuten stand ein 2:2 auf der Anzeigentafel. Ein Unentschieden, mit dem beide Teams gut leben konnten. Genaue Erinnerungen an den Spielverlauf hat Nacke heute nicht mehr. In einer Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des VfL, beziehungsweise SC Rot-Weiß Nienborg schrieb er allerdings zu den Umständen kurz nach dem Krieg:

Vor dem Ruin

"In sportorganisatorischer und finanzieller Hinsicht steht der Sportclub vor dem völligen Ruin. Der Krieg hat auch hier ganze Arbeit geleistet. Und doch gab es in den Tagen Menschen, die trotz allem nicht resignierten. Nur wenige wagten es, in diesen Tagen an Sport zu denken. Ihr Glaube an den Wiederaufbau einer Sportgemeinschaft soll schon in den nächsten Wochen und Monaten in die Tat umgesetzt werden."

Im Vorfeld der Partie gegen den SV Heek mussten die Nienborger sich zunächst einmal ihre Tore wiederbeschaffen. Die hatten die englischen Besatzer abmontiert und auf halbem Weg nach Ochtrup wieder aufgebaut: "Warum weiß ich auch nicht. Aber das haben wir uns damals nicht bieten lassen", sagt Nacke. Und so holten einige mutige junge Männer die Torstangen zurück und stellten sie auf ihren ursprünglichen Platz - dem Ortsderby an der Dinkel stand nichts mehr im Wege.

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