Frisst die Pflege das Häuschen auf?

Fachanwalt informiert

„Führt Pflegebedürftigkeit in die Armutsfalle und ist sie ein Kinderschreck?“, unter dieser provokanten Überschrift referierte der Rechtsanwalt Markus Karpinski über seine Erfahrungen seitens der Kanzlei für Pflegebedürftige. Das Thema stieß auf sehr gute Resonanz. Der Tagungsort, die Tagespflege Nienborg, war bis auf den letzten Platz gefüllt.

HEEK

09.05.2012, 15:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Michael Brinkmöller, Fachbereichsleiter Altenhilfe im St.-Marien-Krankenhaus (l.), Rechtsanwalt Markus Karpinski, und Marina Mieling, Leiterin der Tagespflege in Nienborg.

Michael Brinkmöller, Fachbereichsleiter Altenhilfe im St.-Marien-Krankenhaus (l.), Rechtsanwalt Markus Karpinski, und Marina Mieling, Leiterin der Tagespflege in Nienborg.

Viele Betroffene und Interessierte waren brennend interessiert und stellten viele Fragen an den Referenten. „Pflegekosten können, wenn eine Pflegestufe anerkannt ist, von der Pflegeversicherung übernommen werden“, so der Referent. Kosten, die durch die Pflegeversicherung nicht gezahlt würden, müssten privat übernommen werden. Ein 70-jähriges Ehepaar mit 1700 Euro Gesamtrente und Eigenheim stellte der Fachanwalt ein plastisches Beispiel vor. Die Annahme: Der Mann erleidet einen Schlaganfall, eine Heimaufnahme bei Pflegestufe zwei mit Kosten von 3300 Euro wird notwendig. Der Heimplatz ist in diesem Fall ohne Sozialamt nicht finanzierbar. „Bei einer Wohnfläche im Eigenheim von über 90 Quadratmetern und einer Grundstücksgröße über 500 Quadratmetern ist eine Zwangsveräußerung des Hauses möglich“, so der Experte. Es gäbe bei einem Ehepaar lediglich ein Schonvermögen von 3200 Euro. Kinder seien unterhaltspflichtig mit Einkommen und Vermögen bei einem Mindestselbstbehalt von 1500 Euro des Nettoeinkommens. Für die Enkelkinder gelte das nicht, darauf könne nicht zurückgegriffen werden.

Auf viele weitere Beispiele mit Unterhaltsansprüchen, Schenkungsrückforderung, Nießbrauchs- oder Wohnrecht ging der Referent ein. Das Publikum, darunter viele betroffene Angehörige, stellte individuelle Fragen und beteiligte sich aufgrund seiner Erfahrung rege an der Diskussion. Für nicht betroffene Interessierte war der Vortrag eher ein Buch mit sieben Siegeln aufgrund der vielen Verordnungen und Sonderregeln. Eine Beratung zum Elternunterhalt sei in der Regel durch die Rechtsschutzversicherung gedeckt, beruhigte Anwalt Karpinski.

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