Gegen die Angst vor Humor

Kabarett

"Humorphob" ist eine Wortschöpfung des Berliner Comedians Ingmar Stadelmann für sein neues Programm. Auf der Bühne im Konzertsaal der Landesmusikakademie brauchte er zwei Stunden zur Erklärung.

HEEK

, 24.03.2017, 17:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Comedian Ingmar Stadelmann zeigte sich überhaupt nicht „humorphob“.

Comedian Ingmar Stadelmann zeigte sich überhaupt nicht „humorphob“.

"Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo ist es die Angst vor Humor. Uns fehlt die heroische Gelassenheit", erklärte Stadelmann nach einigen sprachlichen Lockerungsübungen im direkten Kontakt mit den 80 Besuchern. Wurde vorher noch herzhaft gelacht, machte sich spontan gespannte Stille breit.

Positiv denken

"Wie will man in der Comedy über Terror sprechen?", stellte er eine rhetorische Frage in den Raum, um eines seiner Hauptthemen fortzusetzen. Auf der einen Seite die Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen, auf der anderen Seite der Politiker Seehofer mit dem sprachlichen Stoppschild. Vor allem müssten wir positiv nach vorn denken, auch wenn wir von Nazis umzingelt seien.

"Ich bin Ossi. Es gab ja keine Nazis in der DDR", witzelte Stadelmann, der 1980 in Salzwedel geboren wurde. Er nahm die Polen aufs Korn, die sich mit der Aufnahme von 7000 Flüchtlingen vielleicht übernehmen könnten. Er erweiterte den Rundumschlag auf die Sachsen, die Österreicher und letztlich auf Trump mit der gespielt erstaunten Frage: "Wie konnte denn das passieren?" Und hatte wieder die Lacher auf seiner Seite.

Neben den weltpolitischen Themen, mit denen er treffsicher und zielgenau das politische Kabarett bediente, streute er zur Lockerung Stand-Up-Comedy ein. Als er erfuhr, dass eine Besucherin schon 50 Jahre verheiratet sei, stand für ihn das Tor zu Themen der Zweisamkeit weit offen.

Partnervermittlung

Von verschiedenen Plattformen der Partnervermittlung in den sozialen Medien bis zu den banalen Botschaften bei Facebook reichte die Palette. "Pegida in Dresden ist über Facebook entstanden. Menschen in Sachsen haben Angst vor Menschen mit einer anderen Sprache. Wie krank ist das denn?" Fakten würden da nicht vermittelt, sondern nur Ängste geschürt und benutzt. Auch da wurde es wieder ganz leise im Publikum.

Umso lauter wurde gelacht, als Stadelmann das Zusammenleben mit seiner polnischen Freundin darstellte. "Oh die Natur" stimmte dazu das Publikum nach seiner Anleitung an. Nachdem er Hitler als Drogenabhängigen karikierte und die Berliner Eigenarten sezierte, hatte er noch eine wichtige Botschaft auf Lager: "Es ist wichtig, eigene Klischees zu überdenken und zu brechen." Sein humorphobes Gesamtpaket kam beim Publikum bestens an.

 

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