Familie Wolf ist einst aus dem Bergischen Land nach Heek gekommen und hat in der Dinkelgemeinde ein älteres Haus gekauft – auch dank Förderkulisse. © Christiane Nitsche (Archiv)
Förderprogramm

Geld für junge Familien: Tausende Euro Zuschuss bei Altbau-Kauf drin

Ein Haus mit großem Garten und kein Baulärm in der Nachbarschaft: Viele junge Familien haben diesen Traum. In Heek gibt es für diesen sogar viele Tausend Euro Zuschuss von der Gemeinde .

Viele junge Familien träumen vom eigenen Haus mit Garten. Doch Baugrundstücke sind derzeit knapp in Heek. Aber platzen muss der Traum deswegen nicht. Eine andere Möglichkeit ist der Erwerb eines Altbaus im Bestand. Ein Schritt, den die Gemeinde auch weiterhin mit vielen Tausend Euro unterstützen wird.

Für eine Familie mit drei Kindern sind für den Erwerb der mindestens 30 Jahre alten Immobilie in der geschlossenen Ortslage Heek oder Nienborg derzeit über 10.000 Euro drin. Zumindest, wenn die Förderung der Gemeinde gut ausgeschöpft wird. Doch was für eine Förderung ist das?

Förderperiode verlängert

Der passende Name des Programms lautet „Jung kauft Alt“. Seit vielen Jahren gibt es diese Förderkulisse nun schon in Heek. Immer wieder wurde sie verlängert. So jetzt auch kürzlich im Rat bis 2024. Zugleich wurde ein eigenes Förderprogramm für die energetische Sanierung auf den Weg gebracht.

Denn fortan wird es bei „Jung kauft Alt“ nicht mehr 400 Euro für eine energetische Beratung geben. Denn laut Verwaltung sei diese zwar schon mal beantragt, aber bisher nie durchgeführt worden. Vermutung: Der finanzielle Anreiz könnte zu gering sein.

Arbeit für den Klimaschutzmanager

Jetzt also wird Klimaschutzmanager Johannes Hericks ein Programm ausarbeiten und dieses zur Haushaltsberatung vorstellen. Ein Vorgehen, das die SPD-Fraktion anregte und bei den übrigen Fraktionen bei einer Enthaltung Zustimmung hervorrief. Wegen der Kürze der Zeit bezeichnete Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff das Ganze allerdings als „sportliche Aufgabe“.

Der Weg ins Eigenheim kann für junge Familien in Heek auch über den geförderten Kauf einer Altimmobilie gelingen.
Der Weg ins Eigenheim kann für junge Familien in Heek auch über den geförderten Kauf einer Altimmobilie gelingen. © Pixabay © Pixabay

So weit, so gut. Nur was genau bekommen junge Familien jetzt auch in den kommenden drei Jahren beim Kauf einer Altimmobilie von der Gemeinde gefördert?

  • Die Erstellung eines Altbaugutachtens bereits vor dem Kauf (Grundbetrag 600 Euro, für jedes Kind zusätzliche 300 Euro bei maximal 1500 Euro)
  • Den Erwerb der Altimmobilie über fünf Jahre (Grundbetrag pro Jahr 800 Euro sowie 400 Euro je Kind bei maximal 2000 Euro im Jahr)
  • Im Einzelfall 1000 Euro pro Jahr über fünf Jahre, wenn bei der Sanierung ein besonderer Wert auf städtebauliche Aspekte gelegt wird
  • Perspektivisch auch die energetische Sanierung mit dem noch zu entwickelnden Extra-Förderprogramm.

Weitere Vorteile beim Kauf einer Altimmobilie:

  • Möglicherweise günstiger als ein Neubau
  • Grundstücke in der Regel groß
  • Garten bereits angelegt
  • Zentrale Lage
  • Zumeist entfallen Erschließungskosten
  • Kein Baulärm wie im Neubaugebiet

Übrigens wurde das Programm in den zurückliegenden Jahren in Heek schon rege in Anspruch genommen. Das belegen die Zahlen. Gut 324.000 Euro wurden seit Einführung 2013 bereits ausgezahlt. Für 2022 wird sogar mit einem Spitzenwert von 62.000 Euro kalkuliert.

Gedeckelt ist das Programm fortan übrigens auf 100.000 Euro. Im Zweifel heißt das, wer zuerst kommt, erhält auch den Zuschlag. Die Anträge können online auf der Seite Gemeinde herunterladen werden.

Einstimmig fiel der Entschluss nicht

Aktuell leben laut Verwaltung 108 Kinder in 57 geförderten Altbauten. Das Ziel, junge Familien zu unterstützen und Leerstand im Bestand zu vermeiden, scheint aufzugehen. In Sachen Anträge hat übrigens der Ortsteil Heek die Nase vorn – 53 gegenüber bisher 42 aus dem Ortsteil Nienborg.

Vor dem Kauf eines Altbaus sollte diese unbedingt auf Schäden untersucht und ein Gutachten erstellt werden.
Vor dem Kauf eines Altbaus sollte diese unbedingt auf Schäden untersucht und ein Gutachten erstellt werden. Auch das wird über „Jung kauft Alt“ mitfinanziert von der Gemeinde. © Verband Privater Bauherren © Verband Privater Bauherren

Und obwohl sich die Zahlen erfreulich lesen, einstimmig wurde die Verlängerung des Förderprogramms nicht beschlossen. Die Ratsmitglieder des Dinkelbündnisses (DB) enthielten sich oder stimmten dagegen. Der Entschluss fiel so mehrheitlich.

Unterschiedliche Ansichten

Zuvor hatte Prof. Dr. Berthold Wigger (DB) ausführlich skizziert, was das Programm aus seiner Sicht Negatives hervorrufen könne: steigende Immobilienpreise. Das sei dann ja nicht im Sinne junger Familien.

Eine Wertsteigerung sei zwar nicht auszuschließen, entgegnete darauf der Fraktionsvorsitzende der CDU, Walter Niemeyer, doch viel kritischer sei etwas anderes. „Wenn Altimmobilien gekauft werden und daraus Monteurzimmer entstehen, treibt das die Preise in die Höhe.“

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