Haarige Sache für guten Zweck

Freundinnen spenden Zöpfe

Vier Freundinnen aus Heek hatten eine Idee: Eine neue Frisur sollte her. Das ist an sich nichts ungewöhnliches für Zwölfjährige. Sehr wohl aber der Gedanke dahinter: Die Heekerinnen wollten ihre Haare spenden. Für Echthaarperücken. Für Menschen, denen es nicht so gut geht.

HEEK

, 24.05.2017 / Lesedauer: 3 min

Gesagt, getan: Zu viert ging es in der vergangenen Woche zum Friseur, zu dritt kamen Helene Wieland, Malina Gausling und Charlotte Dapper mit nur noch schulterlangen Haaren wieder vor die Tür. Lea Schulten muss wohl noch ein paar Monate warten: 25 Zentimeter lang muss der Spendenzopf sein - und so kurz sollte Leas neue Frisur dann doch nicht werden…

"Die Mädels sind ganz happy" erzählt Heike Wieland, die Mutter von Helene, im Gespräch mit unserer Zeitung. Und ergänzt: "Ich habe ihnen noch mal ganz deutlich gesagt, was für ein gutes Werk sie getan haben."

Diagnose Brustkrebs

Heike Wieland spricht aus Erfahrung. Und das, was sie erlebt hat, ist auch nicht ganz unerheblich für die Idee, die die vier Freundinnen hatte. Es ist zwölf Jahre her, da wurde Heike Wieland Mutter von Zwillingen, Moritz und Helene kamen zur Welt. Ein glücklicher Moment. Einen Tag später erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. "Ich habe alles super überstanden", blickt die heute 47-Jährige zurück.

Aber natürlich war und ist die lebensbedrohliche Erkrankung, an der die junge Mutter damals litt, hin und wieder auch Thema in Gesprächen mit ihren Kindern. Heike Wieland hat sich damals mit ihren Babys fotografieren lassen, nachdem ihr durch die Chemotherapie die Haare ausgefallen waren. Und auch mit ihrer Perücke. "Da hat Helene schon mal nachgefragt", erzählt die Heekerin.

Gemeinsam zum Friseur

Und als die Mädchen jetzt öfter über ihre langen Haare sprachen, die schon mal umständlich sein können, weil es jetzt warm wird, weil das Schulschwimmen ansteht und auch das Heeker Ferienlager, kam auch das Thema Haarspende wieder auf. Bei Helene wegen ihrer Mutter und bei Lea wegen ihrer Tante, die auch ihre Haare gespendet hatte. Der gemeinsame Friseurbesuch war natürlich spannend für die Schülerinnen der Kreuzschule und der Canisiusschule.

Als die Schere dem dicken Zopf näher kam, mussten die Mädchen doch noch mal schlucken. Die Drei sind aber sehr zufrieden mit ihrer neuen Frisur. Heike Wieland fand es dann viel zu schade, die Zöpfe einfach per Post zur Zweithaar-Manufaktur Rieswick nach Velen zu schicken: "Es wäre doch viel schöner, wenn wir alle zusammen hinfahren und sie abgeben." Eine gute Idee, wie auch Max Rieswick fand: "Das war eine schöne Aktion von den Dreien", sagte er unserer Zeitung.

80 Euro gespendet

Und auch deswegen spendete er nicht nur den Gegenwert des Echthaars - 80 Euro - an die Kinderkrebshilfe Horizont aus Weseke, sondern spendierte den Gästen aus Heek ausnahmsweise noch einen Besuch in der Eisdiele. Heike Wieland kannte die Perückenmanufaktur von vor zwölf Jahren.

"Da kam schon einiges wieder hoch", sagte sie. Aber sie habe sich damals gut aufgehoben gefühlt, und auch jetzt, beim Besuch, war nicht nur sie angetan: Die vier Freundinnen waren beeindruckt, als Max Rieswick ihnen die Perücken zeigte und deren Herstellung erklärte.

Schwedisches Blond

Helenes Zopf hatte den Gegenwert von 30 Euro, die anderen beiden von 25 Euro. Das Blond von Malina bereitete dem Perückenmacher besondere Freude: Fast schwedisch blond sei es und deswegen hier eher selten, schwärmte er.

Beim Eisdielenbesuch wurde viel gelacht, aber auch Heike Wielands Krebserkrankung war noch einmal Thema bei den Mädchen. "Lea hat dann so treffend gesagt, dass es sicher wichtig war, dass man viele liebe Menschen um sich hat in einer solchen Situation", blickt die 47-Jährige zurück. Sie selbst habe den Mädchen dann noch einmal gesagt, dass sie mit ihrer Spende mitgeholfen hätten, dass andere, denen es nicht so gut geht, wenigstens gut aussehen können. Und die Freundinnen haben sich verabredet: Wenn Leas Haare lang genug sind, wollen wieder alle gemeinsam zum Friseur…

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