Heek hat kreisweit die wenigsten Corona-Infektionen – doch warum?

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Die Dinkelgemeinde ist im Kreis Borken mit Blick auf die Gesamtzahl der Corona-Infektionen aktuell Tabellenschlusslicht. Reiner Zufall? Nicht nur. Ein paar Erklärungsansätze gibt es schon.

Heek

, 16.04.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ausbreitung des Coronavirus schreitet immer noch voran, wenngleich deutlich langsamer als noch vor einigen Wochen. Aktuell beträgt die Gesamtzahl der bestätigten Infektionen im Kreis Borken 804 (Stand 15. April). Erstaunlich: Lange Zeit blieb die Dinkelgemeinde komplett vom Virus verschont.

Und auch aktuell steht mit Blick auf die Anzahl der Gesamtinfektionen im Kreisvergleich keine Kommune besser da als Heek. Die offiziell vom Kreis Borken bestätigte Zahl beläuft sich auf sieben Fälle. Damit ist die Dinkelgemeinde Schlusslicht in der Infektionstabelle.

Heeker verhalten sich offenkundig besonnen

„Normalerweise ist man ja nicht gerne am Ende einer Tabelle, aber in diesem Fall freut uns das natürlich sehr“, so Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff im Gespräch mit der Redaktion. Eine direkte Erklärung hat der Bürgermeister nicht für die sehr niedrige Zahl. „Aber mein Eindruck ist, dass sich die Menschen in der Gemeinde des Risikos bewusst sind und sich sehr besonnen verhalten.“

Natürlich haben Kommunen wie Bocholt, Gronau oder Ahaus vier bis sieben Mal so viele Einwohner wie Heek, aber selbst im Vergleich der Kommunen mit nur einer fünfstelligen Einwohnerzahl (Heiden, Legden, Schöppingen, Südlohn und Heek) schneidet die Dinkelgemeinde gut ab.

Hat der Kreis Borken eine Erklärung parat?

Wie kann das sein? Nachfrage beim Kreis Borken. Doch auch da hat man keine hundertprozentige Erklärung parat. „Die Kollegen vom Kreisgesundheitsamt können sich das grundsätzlich nicht plausibel erklären“, berichtet Pressesprecher Karlheinz Gördes. Positiv auffällig sei die Zahl natürlich schon. „Da greifen oft einige Dinge ineinander.“

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Rückkehrer aus Risikogebieten, die sich im Urlaub angesteckt haben, Partys sowie Veranstaltungen vor dem offiziellen Shutdown spielen bei der Infektions-Zahl unter anderem eine Rolle. In Heiden sollen zwei private Geburtstagsfeiern Auslöser der Infektionswelle (29 Fälle insgesamt) gewesen sein. „Das sind zumindest Erklärungsansätze“, so Karlheinz Gördes.

Viele Faktoren begünstigen die geringe Infektionszahl

Dinge, die in Heek offenkundig, zumindest offiziell, nicht zum Tragen gekommen sind. Auch hat die Gemeindeverwaltung von Beginn an besonnen gehandelt. So wurden Mitarbeiter der Verwaltung, die aus Risikogebieten zurückgekehrt sind, isoliert. In Absprache und einvernehmlich. Die Kontrollen im öffentlichen Raum wurden zudem deutlich hochgefahren.

„Und letztlich, so ehrlich muss man sein, haben wir natürlich bisher auch Glück gehabt“, so Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff. Bei einer derartig dynamischen Entwicklung wie der des Coronavirus könne sich die Situation auch täglich ändern. „Mit den aktuellen Verdachtsfällen stehen wir jedenfalls täglich im Kontakt.“

Das Kreisgesundheitsamt hat die Entscheidungshoheit

Das ist übrigens mittlerweile eine Vorgabe des Kreisgesundheitsamtes. Dieses meldet den Kommunen die infizierten Personen. Die Kommunen selbst müssen dann täglich mittels Telefongespräch und spezieller Checkliste den Gesundheitszustand der Betroffenen abfragen und die Ergebnisse an das Kreisgesundheitsamt übermitteln.

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In Heek sind dafür die Mitarbeiter des Fachbereiches drei (Bürgerservice, Ordnungsangelegenheiten) zuständig. „Wir vom Kreis bereiten mit unserem Fachpersonal alles für die örtlichen Ordnungsbehörden vor“, umschreibt Karlheinz Gördes das Verfahren.

Die Entscheidungshoheit, wer als infiziert und gesundet gilt, liegt dabei ausschließlich beim Kreisgesundheitsamt. Übrigens stehen zwei der aktuell Infizierten in Heek in einem „engeren Verhältnis“. Mehr gibt die Gemeinde mit Blick auf den Datenschutz nicht bekannt.

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