Tückische T-Kreuzung vor Nienborg: Wie die Situation jetzt entschärft werden soll

rnVerkehr

Verwirrend und auf den ersten Blick für Radfahrer nicht ungefährlich ist die T-Kreuzung kurz vor Nienborg an der L 573. Jetzt soll eine konkrete Maßnahme die Situation entspannen.

Heek

, 18.10.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist keine Seltenheit, dass Radler an der T-Kreuzung unmittelbar vor Nienborg absteigen und ihr Fahrrad sicherheitshalber schieben. Das Tückische an dieser Stelle: Die Bischof-Hermann-Straße mündet von rechts kommend in die Nienborger Straße und der Radweg endet exakt an selber Stelle abrupt.

Fahrradfahrer müssen sich gezwungenermaßen auf der Straße einordnen. Und das kann Risiken bergen, wenn primär die Radfahrer nicht aufmerksam sind. Darum soll sich jetzt etwas tun. Heinrich Lütke-Wenning von Straßen NRW sagt auf Nachfrage: „Wir haben uns die Situation angesehen. Natürlich ist die Gegebenheit da nicht schön. Wir werden das angehen.“

Der Radfahrer muss sich in den Fließverkehr einordnen

Und das, obwohl die Sache laut Lütke-Wenning dort eigentlich eindeutig geregelt ist. „Der Radfahrer muss sich in den Fließverkehr einordnen. Damit ist dieser untergeordnet.“ Auch das Vorfahrtsschild gilt nicht für den Geh- und Radweg. Somit muss ein Fahrradfahrer Verkehrsteilnehmer, die aus der Bischof-Hermann- Straße kommen, passieren lassen.

Damit ist das, was auf den ersten Blick unübersichtlich wirkt, verkehrstechnisch klar geregelt. Doch offenkundig wissen genau das viele Radfahrer nicht. Glücklicherweise ist die Kreuzung kein Unfallschwerpunkt. „Seit 2010 haben sich dort fünf Unfälle ereignet und in drei Fällen waren Fahrradfahrer involviert“, sagt Herbert Gausling von der Gemeindeverwaltung auf Nachfrage. In allen Fällen seien die Zusammenstöße glimpflich verlaufen.

Straßennetz in NRW
  • Es gibt mehr als 120.000 Kilometer Straßen.
  • Der Landesbetrieb NRW betreut davon etwa 24.000 Kilometer.
  • Dazu gehören Autobahnen sowie Bundes- und Landstraßen.
  • Mehr als 94.000 Kilometer entfallen auf die Kommunen.

Dass die Anzahl derart gering ist, hängt auch mit der verhältnismäßig geringen Frequentierung der T-Kreuzung zusammen. Laut Straßen NRW ist die L 573 allgemein um die Hälfte weniger frequentiert, als der übliche Durchschnitt (6000 Fahrzeuge pro Tag) auf solch einer Straßenkategorie pro Tag sei.

Bisher waren keine Baumaßnahmen geplant

Dennoch soll sich jetzt etwas tun und das dürfte viele beruhigen. Nicht nur im Bauausschuss, wo das Thema schon mehrfach auf der Tagesordnung stand. Vielleicht aber hat gerade diese Hartnäckigkeit von Lokalpolitikern und Gemeindeverwaltung geholfen.

Tückische T-Kreuzung vor Nienborg: Wie die Situation jetzt entschärft werden soll

Schilder weisen auf die Radwegschäden zwischen Heek und Nienborg auf beiden Seiten der Nienborger Straße hin. Diese Mängel sollen im kommenden Jahr behoben werden. © Goerke, Till

Denn Fakt ist, dass Straßen NRW die Sache 2020 angehen will. Und das, obwohl bis dato jegliche Baumaßnahmen seitens des Kreises Borken als Straßenverkehrsbehörde in Rücksprache mit Straßen NRW abgelehnt wurden.

Ein kleines Schlupfloch hält sich der Landesbetrieb offen

Den bösen Unkenrufen, Straßen NRW würde bei der Durchführung der Maßnahmen vermutlich wieder Jahre benötigen, entgegnet Heinrich Lütke-Wenning: „Wir wollen die Arbeiten noch in diesem Jahr ausschreiben, sodass die Maßnahmen Anfang 2020 umgesetzt werden können.“ Vorausgesetzt das Land stellt die Gelder zur Verfügung und die Personalsituation lässt die Arbeiten zu. „Davon gehe ich aber in beiden Fällen aus“, so Lütke-Wenning.

Doch was ist jetzt auf einmal geplant? „Wenn das Straßenverkehrsamt und die Gemeinde ihr `okay` geben, wird dort ein Einfädlungsstreifen angelegt“, sagt Heinrich Lütke-Wenning. Das Geh-und Radwegende als solches soll erhalten bleiben. „Für die Rechtsabbieger und Fußgänger.“

Alle Arbeiten sollen in einem Rutsch erledigt werden

Zudem sollen die teilweise erhebliche Schäden an den Radwegen zwischen Heek und Nienborg behoben werden. Beidseitig, versteht sich. Ebenfalls sollen die kleinen Schäden an der L 573 ausgebessert werden. Das versichert Heinrich Lütke-Wenning im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir werden alle Maßnahmen inklusive des Einfädlungsstreifens in einem Rutsch erledigen.“

Tückische T-Kreuzung vor Nienborg: Wie die Situation jetzt entschärft werden soll

Für etwa 24.000 Kilometer Straße ist der Landesbetrieb Straßen NRW verantwortlich. © picture alliance/dpa

Übrigens: Die Reparatur der Radwege ist auch mit Blick auf das beschlossene Klimaschutzkonzept der Gemeinde von zentraler Bedeutung.

Einziger Wermutstropfen: Wie bei solchen Arbeiten üblich, ist mit verkehrstechnischen Einschränkungen auf den Straßen und Wegen zu rechnen. „Aber das führt zu keiner generellen Vollsperrung.“ Maximal könne das tageweise aus Sicherheitsgründen erfolgen. „Es gibt strenge Auflagen, zum Beispiel, was den Abstand der Maschinen zum Verkehr betrifft“, erklärt Heinrich Lütke-Wenning.

Für die Gemeinde entstehen keine Kosten

Sollte es tatsächlich so kommen, wie Straßen NRW es plant, dann müsste sich die Gemeinde auch keine Gedanken mehr darüber machen, die Ausbesserungsarbeiten zwecks Beschleunigung eventuell doch in Eigenregie durchzuführen. Über diesen Punkt hatten die Ausschussmitglieder nämlich jüngst diskutiert.

„Wir lassen das jetzt erst mal auf uns zukommen. Wenn Straßen NRW die Sache noch in diesem Jahr ausschreiben will, müssen ja konkrete Planungen vorliegen“, sagt Herbert Gausling. Für die Gemeinde wäre es jedenfalls ideal: Eine zügige Abwicklung der Arbeiten und keinerlei Kosten, da die Straße vom Landesbetrieb betreut wird.

Kommentar

Es mag ja sein, dass die Situation an der T-Kreuzung vor Nienborg aus verkehrsrechtlicher Sicht für alle Verkehrsteilnehmer klar geregelt ist. Und dass dementsprechend die Radfahrer am Ende des Fuß- und Radweges in der primären Verantwortung sind, Risikosituationen zu vermeiden, wenn sie geradeaus weiterfahren möchten.

Dennoch: Wenn es die Möglichkeit gibt, durch gezielte Maßnahmen die Situation zu „entschärfen“, dann um Himmels Willen mögen diese doch auch bitte umgesetzt werden. Dass jetzt laut Aussagen von Straßen NRW etwas passieren soll, ist daher natürlich erfreulich. Dass dieses „Eingeständnis“ jedoch lange hat auf sich warten lassen, wirft für mich Fragen auf.

Immerhin enthält der Zeitplan von Straßen NRW klare Fixpunkte, auf die sich die Gemeindeverwaltung berufen kann. So oder so - entscheidend wird sein, dass im kommenden Frühjahr tatsächlich etwas passiert. Ansonsten droht das Ganze am Ende zu einer Seifenoper zu werden.
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