Was man über Wein-Genuss wissen sollte: Die Experten Rita und Gerard Beugelink verraten es

rnExperten-Interview

Rita (64) und Gerd (65) Beugelink betreiben seit nun 25 Jahren eine Weinhandlung in der Gemeinde Heek. Im Doppel-Interview verraten sie wissenswerte Dinge rund um den Weingenuss.

Heek

, 07.10.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dieses Jahr ist ein besonderes für Rita (64) und Gerd (65) Beugelink. Besser gesagt für ihre kleine, urige Weinhandlung in der Gemeinde Heek, die es nun seit 25 Jahren gibt. Und im Laufe dieser 25 Jahre haben sich die Beiden ein enormes und zertifiziertes Fachwissen angeeignet.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen Wein mit gutem Geschmack aus?

Gerard Beugelink: Zunächst muss man sagen, dass der Geschmack immer individuell ist. Das kann man nicht verallgemeinern. Wir kaufen die Weine nach unserem und dem Geschmack unserer Mitarbeiter ein. Und bevor wir einen Wein in das Sortiment aufnehmen, testen wir diesen mit unseren vier Mitarbeitern und deren Partnern. Dann entscheiden wir gemeinsam.

Ist denn ein ausgeprägter Geschmackssinn wichtig, um die Qualität eines Weines beurteilen zu können?

Rita Beugelink: Keine Frage, das ist wichtig. Aber das ist nichts, was man nicht lernen kann. Übung ist einfach wichtig. Je häufiger man Wein konsumiert, desto mehr Übung bekommt man im Beurteilen. Das macht es einem natürlich leichter, Weine individuell zu vergleichen.

Also ist die Sensorik effektiv trainierbar?

Gerard Beugelink: Ja, absolut. Wir merken das auch bei unserem Kunden, die ganz genau sagen können, was sie mögen und was nicht und vor allem auch warum. Es ist aber auch von der „Tagesform“ abhängig. An einem Tag schmeckt einem der Wein, am anderen Tag mag man den gleichen Wein dann nicht mehr. Das kommt vor.

Und ist der Weingeschmack entwicklungsfähig – ähnlich wie beim bitteren Geschmack des Kaffees, den auch nicht jeder direkt mag?

Rita Beugelink: Ja, auf jeden Fall. Oft geht es über lieblich zu halbtrocken bis hin zu trockenen Weinen. In Bezug auf den Wein-Genuss trinkt man sich quasi trocken.

Gerard Beugelink: Ich selbst habe mit lieblichen Weinen angefangen. Heute bin ich auch bei trocken angekommen. Aber: Ich mag immer noch beides. Das ist in den meisten Fällen eine ganz natürliche Entwicklung. Das Geschmacksrepertoire wird praktisch breiter, wenn man so will.

Welche Rolle spielt der Alkoholgehalt für die Qualität eines Weins?

Gerard Beugelink: Bei der Gärung wandelt sich der Traubenzucker in Alkohol um. Je länger man durchgären lässt, desto höher wird der Alkoholgehalt. Und das hat natürlich einen Einfluss auf den Geschmack des Weines, denn Alkohol ist Geschmacksträger.

Rita Beugelink: Das ist vergleichbar mit dem Fett beim Kochen. Das ist ja auch Geschmacksträger.

Welche Rolle spielt die Glas-Form für den Weingenuss?

Rita Beugelink: Die Tendenz geht zum etwas größeren Glas. Weil man so oftmals die Aromen etwas besser heraus schmeckt. Natürlich gibt es kleinere Gläser für Weißwein und größere Gläser für Rotwein. Manche Glashersteller bieten sogar für jede Rebsorte ein extra Glas an.

Aber heißt das, dass man einen Weißwein auch aus einem größeren Glas trinken kann ohne schräg angeschaut zu werden?

Rita Beugelink: Ja, klar. Das ist überhaupt kein Problem. Verpönt ist das nicht. Aber die Empfehlung ist, dass das Rotweinglas größer sein sollte.

Gerard Beugelink: Der Rotwein hat mehr Gerbstoffe. Ein größeres Glas kann man besser schwenken, sodass die Fruchtaromen besser freikommen. Das Geschmackserlebnis wird so größer.

Und welche Rolle spielt die Temperierung?

Gerard Beugelink: Das ist auch wieder viel geschmacksabhängig, also eine individuelle Geschichte. Bei Weißwein empfehlen wir allerdings 6 bis 8 Grad. Und beim Rotwein redet man immer von Zimmertemperatur. Doch das stammt aus dem 19. Jahrhundert, wo die Temperatur 16 bis 18 Grad betrug und nicht wie heute vielleicht 23 Grad.

Gibt es „typische“ Weine, die eher Frauen oder Männer mögen?

Rita Beugelink: Ich finde, Frauen mögen eher fruchtige Weine und Männer eher die gewürzbetonten. Bei Rotwein sagen Frauen gerne „fruchtig“. Sie meinen damit nicht süß, sondern dass die Fruchtigkeit besser hervorkommt und nicht so der Barriquefass-Geschmack. Und die Männer sagen gerne: `Bei mir darf da ruhig Wumms drin sein`. Also ein bisschen kräftiger, auch vom Alkoholgehalt.

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