Heeker Drogenschmuggler (26): „Wenn ich zurück muss, werde ich sterben!“

rnGerichtsprozess

Ein Heeker (26) schmuggelte in einem Rucksack eine „nicht unerhebliche Menge“ Drogen im Zug nach Deutschland für den Verkauf ein. Doch er hatte die Rechnung ohne die Zugbegleiterin gemacht.

Heek

, 20.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Regionalbahn aus Enschede fährt im Gronauer Bahnhof auf Gleis 1 ein. Es ist später Nachmittag an einem Sonntag im September 2019. Als der Zug angehalten hat, steigt auch ein Heeker (26) mit einem schwarzen Adidas-Rucksack aus. Doch irgendetwas macht den Mann nervös. Er stellt den Rucksack in einem Wartehäuschen ab und entfernt sich. Doch die Polizei schlägt zu. Jetzt gab es das Nachspiel vor dem Amtsgericht.

Grund für das Vorgehen der Beamten war der Inhalt des Rucksacks. Fein säuberlich in eine rote Tüte verpackt, führte der Heeker 247 Gramm (Netto) Marihuana mit sich. Der THC-Gehalt betrug laut späterer Analyse 28,49. Alles, aber keine Bagatelle. Drogeneinfuhr in „nicht unerheblicher Menge“ unter Absicht des Verkaufs – so lautete darum die Anklage.

Zugbegleiterin übergibt Rucksack an die Polizei

Den Rucksack hatte die Polizei von der Zugbegleiterin übergeben bekommen. Sie machte die Beamten auch auf den angeklagten Heeker aufmerksam. „Er hat zunächst geleugnet, in Enschede gewesen zu sein, es aber später eingeräumt“, sagte einer der Beamten vor Gericht aus.

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Der Heeker selbst sagte wenig, was nicht nur an der Kommunikation mittels Dolmetscher lag. Tief versunken in seinem Stuhl, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ließ er angeben, nichts zur Sache sagen zu wollen. Sein Pflichtverteidiger warf zudem in den Raum, woher denn klar sein solle, dass der Rucksack überhaupt seinem Mandanten gehöre.

Überwachungskamera im Zug zeichnet Angeklagten auf

Doch die Überwachungskamera im Zug hatte den Angeklagten samt des besagten Rucksacks aufgezeichnet. Jene Bilder legte der Richter den Beteiligten auch vor. Zwar versuchte der Verteidiger zu konstruieren, dass der sichergestellte Rucksack nicht identisch mit dem aus dem Zug sei, aber die Einwände wies der Richter ab.

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„Das sieht man doch. Das ist eindeutig derselbe. Davon ab: Wo soll denn der Rucksack Ihres Mandaten geblieben sein?“ Eine Frage, die der Verteidiger nicht beantworten konnte. Und der Heeker selbst schwieg sich eisern zu den Vorwürfen aus.

Angeklagter berichtet von seinem Leben

Nur als es darum ging, dass er ein bisher sehr schwieriges Leben gehabt habe, sagte der Angeklagte einige Sätze mittels Dolmetscher. Er sei 2014 aus Guinea über Lybien und eine Mittelmeerüberquerung nach Europa gekommen. Erst Italien, seit 2015 Deutschland. Aktuell wohne er in Heek. Zudem leide er noch heute unter den Folgen einer Tuberkuloseerkrankung.

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Der Anwalt erklärte, sein Mandant sei derzeit in Deutschland nur geduldet. Viel hinge jetzt von der Art des gefällten Urteils ab. „Es geht hier nicht nur um ein Urteil, sondern um seine Existenz.“

Richter lässt sich auf keine „Spielchen“ ein

Doch auf derlei „Spielchen“ ließ sich der Richter nicht ein. „Dann soll Ihr Mandant etwas zu der Sache sagen. Ein Geständnis wirkt strafmildernd.“ Die Worte verhallten ungehört. Der Heeker schwieg sich aus.

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Und aufgrund der „eindeutigen Beweislage“ forderte die Staatsanwältin eine Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung inklusive einer Geldauflage sowie Sozialstunden. „Ich befürchte hier eine Justizirrtum“, konterte der Verteidiger und forderte einen Freispruch ein. Oder im Fall der Fälle wenigstens ein mildes Urteil.

Unklare Aussage zum Schluss

Doch der Richter blieb seiner konsequenten Linie treu und entsprach mit seinem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Neben der Bewährungsstrafe muss der Heeker nun 500 Euro an die Sucht- und Drogenberatung Gronau zahlen sowie 50 Sozialstunden abarbeiten.

Nickend ohne große Regung nahm der Heeker das Urteil zur Kenntnis. Nur ganz zum Schluss sagte er hörbar besorgt: „Wenn ich zurück (in die Heimat - d. Red.) muss, werde ich sterben!“ Was genau hinter diese Aussage steckt, blieb unklar.

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