Heeker Firmen umwerben die Kreuzschüler beim „Markt der Möglichkeiten“

rnAusbildungsmesse der Kreuzschule

Die Kreuzschüler haben sich beim „Markt der Möglichkeiten“ über die Heeker Ausbildungsberufe informiert. Die Jugendlichen für eine Ausbildung zu begeistern, ist nicht einfach.

Heek

, 22.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem Andrang am Stand nach zu urteilen, dürfte es keine Nachwuchsprobleme im Garten- und Landschaftsbau geben. Unter Anleitung von Sven Fehlauer vom Landschaftsbaubetrieb Schwietering pflanzen zahlreiche Jugendliche Maigrün und Kriechmispeln in Töpfe. „Das sind super Pflanzen für Starter“, so Fehlauer. Schließlich soll den Jugendlichen die Motivation nicht abhanden kommen. „Wenn einer hinterher anruft, sind wir schon zufrieden“, sagt Sven Fehlauer.

Die Azubis von morgen zu finden ist nicht leicht für die Heeker Ausbildungsbetriebe. „Das sieht doch überall katastrophal aus“, so Fehlauer.

Umso mehr müssen sich die Betriebe beim „Markt der Möglichkeiten“ an der Kreuzschule ins Zeug legen, um sich zu präsentieren. Pflanzen, hämmern, schweißen, bohren – überall gibt es Mitmach-Angebote für die Schüler. Sogar ein Hubsteiger ist auf dem Schulhof aufgebaut.

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So lief der "Markt der Möglichkeiten" an der Kreuzschule

Die Heeker Ausbildungsbetriebe präsentierten sich den Kreuzschülern bei der Azubi-Messe der Schule.
22.05.2019
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Metallbau zum Anfassen präsentierte die Firma "May Lachnicht".© Falko Bastos
Kita-Verbundleiterin Christiane Hilbring warb für den Beruf des Erziehers. „Es kommen viele Mädchen, um sich zu informieren, Jungs leider weniger“, sagt sie. © Falko Bastos
An vielen Ständen konnten die Schüler selbst Hand anlegen.© Falko Bastos
Verlängerungskabel basteln konnten die Schüler am Stand der Firma Rulle.© Falko Bastos
Der Schülerandrang in der Aula zur Azubi-Messe war groß.© Falko Bastos
Markus Buricke stellte die Ausbildungsberufe bei Elanko vor. „Wir müssen erstmal Vorurteile über die Handwerksberufe abbauen“, sagt er. © Falko Bastos
Hoch hinaus ging es für die Schüler mit dem Hubsteiger auf dem Schulhof.© Falko Bastos
Zahlreiche Stände warben um die Gunst der Schüler.© Falko Bastos
Sven Fehlauer leite die Schüler beim Pflanzen an. © Falko Bastos

Für die Zehntklässlerinnen Hannah und Sophia kommt eine Ausbildung nicht infrage: „Auf keinen Fall“, sagt Hannah (15). Beide wollen lieber weiter zur Schule gehen. „Erst mal Abi“, meint Sophia (16). Damit liegen die beiden voll im Trend, denn inzwischen macht mehr als die Hälfte der NRW-Schüler das Abitur. Was Hannah und Sophia mit dem Abi anfangen wollen, wissen sie noch nicht.

Der Schülerandrang in der Aula war groß bei der Azubi-Messe.

Der Schülerandrang in der Aula war groß bei der Azubi-Messe. © Falko Bastos

Verhältnisse haben sich umgekehrt

„Das Handwerk hat generell an Stellenwert verloren“, sagt Lars Bußmann (May-Lachnicht), der die Schüler für den Metallbau begeistern will. Er selbst kann das nicht verstehen: „Ich bin Handwerker durch und durch.“ Auch Markus Buricke hält ein flammendes Plädoyer für das Handwerk: „In zehn Jahren seid ihr froh, wenn ihr eine Ausbildung macht. Es ist doch schön, wenn man es selbst kann und niemanden rufen muss“, sagt er den Schülern am Stand von Elanko. „Wir müssen erst mal Vorurteile über die Handwerksberufe abbauen“, erklärt er. Das gehe am besten über Tagespraktika.

Längst haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Die Schüler werden von Bewerbern zu Umworbenen. An vielen Ständen können sie ihre Kontaktdaten hinterlassen, um von den Firmen kontaktiert zu werden. „Wir melden uns“, verspricht Buricke.

Die Sechstklässlerinnen Leonie und Barbara informieren sich beim Familienzentrum „Hand in Hand“ über den Erzieherberuf. „Das könnte ich mir vorstellen“, sagt Leonie. „Mit Kindern zu arbeiten macht Spaß und man sitzt nicht nur im Büro.“ Ihre Chancen sind gut, denn Erzieher fehlen überall. „Das merken wir auch“, sagt Kita-Verbundleiterin Christiane Hilbring. An grundsätzlichem Interesse fehle es aber nicht. „Es kommen viele Mädchen, um sich zu informieren, Jungs leider weniger.“

Kita-Verbundleiterin Christiane Hilbring warb für den Beruf des Erziehers. „Es kommen viele Mädchen, um sich zu informieren, Jungs leider weniger“, sagt sie.

Kita-Verbundleiterin Christiane Hilbring warb für den Beruf des Erziehers. „Es kommen viele Mädchen, um sich zu informieren, Jungs leider weniger“, sagt sie. © Falko Bastos

Geld gibt‘s erst im dritten Jahr

Offenbar liegt das Problem also woanders: Erst im Anerkennungsjahr gibt es Geld, vorher müssen die Schüler das Fachabitur und eine zweijährige schulische Ausbildung absolvieren. „Es gibt zwar eine bezahlte praxisintegrierte Ausbildung, aber die Plätze sind rar gesät“, so Hilbring. Für Barbara (12) kommt eine Ausbildung ohne Bezahlung nicht infrage: „Ich habe ein teures Hobby, da muss schon ein bisschen Geld fließen.“ Für ihre Berufswahl schwebt ihr dann auch „irgendwas mit Geld“ vor.

Aber es gibt sie noch, die Handwerker und Technik-Enthusiasten. Niko und Jannik basteln ein Verlängerungskabel am Stand der Firma Rulle. „Weiter zur Schule zu gehen, wäre nichts für mich“, sagt Niko (16). „Lieber Geld verdienen“, ist auch Janniks (16) Ziel. Für den Ausbildungsmarkt sind beide aber schon vergeben, denn beide haben ihren Ausbildungsplatz schon in der Tasche. Während Jannik als Produktionsmechaniker-Azubi bei Cramer anfängt, zieht es Niko als Elektroniker für Betriebstechnik zu 2G.

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