Zimmerermeister Christoph Telgmann sieht die Lage auf dem Holzmarkt „dramatisch“. © Susanne Menzel
Holzbaubetrieb

Heeker Geschäftsführer über Bauboom: „Die Preise explodieren geradezu“

Der weltweite Warenhandel mit Holz hat auch auf die lokale Wirtschaft in Heek gehörigen Einfluss. Denn dieser Handel stellt für einen örtlichen Unternehmer eine echte Herausforderung dar.

Dass die globale Wirtschaft Auswirkungen auf den Markt von Smartphones, Autos oder Computern hat, ist leicht nachvollziehbar. Viel größeren Einfluss hat der weltweite Warenhandel allerdings gerade auf einen ganz anderen Bereich: Holz, wie es etwa für Dachstühle, Carports oder Terrassen gebraucht wird.

„Die Preise explodieren geradezu“, stellt auch Christoph Telgmann fest. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Heeker Holzbaubetriebs beurteilt die Lage auf dem Holzmarkt schon als „ziemlich dramatisch“. Nicht nur wegen der rasant steigenden Preise.

Lange Lieferzeiten erfordern Vorlaufplanung

Auch die Lieferzeiten hätten sich mittlerweile drastisch verlängert. Während Bestellungen sonst meist direkt vom Lager der Händler geliefert werden konnten, seien die heute oft leergefegt. „Wir müssen zum Teil 20 bis 25 Wochen Vorlauf einplanen.“

Grund für die völlig veränderte Lage auf dem Holzmarkt, der bis vor kurzem noch durch Sturm- und Insektenschäden aus den deutschen Wäldern mehr als gut gefüllt war, ist der Bauboom in den USA und Asien. Dort erzielt der Rohstoff Holz gerade Rekordpreise, die es für die heimischen Waldbauern und Sägewerke attraktiv machen, ihre Ware dorthin zu verschiffen – und dabei noch eine ordentliche Gewinnmarge zu erzielen.

Export feuert den Preis an

„Wenn viel exportiert wird, wird der Preis angefeuert“, stellt Christoph Telgmann nüchtern fest. Mit Folgen für holzverarbeitende Betriebe wie den seinen: „Unsere Hauptkundschaft sind die Bauherren von Einfamilienhäusern“, erklärt der Zimmerermeister. „Bei denen sind wir an längerfristige Verträge gebunden und können nicht plötzlich 30 bis 40 Prozent mehr verlangen“, blieben die Mehrkosten deshalb auf ihm hängen.

Die Preis-Achterbahn führe bereits zu neuen Vertragsklauseln. Durch die langen Lieferzeiten könne er bei der Angebotskalkulation noch gar nicht vorhersagen, wie sich der Tagespreis bis zur Lieferung des bestellten Holzes entwickeln wird. „Die Aufträge werden von den Lieferanten angenommen – aber was in einem Vierteljahr von uns bezahlt werden muss, wird offengelassen.“

Entwicklung hat sich angebahnt

Die Anzeichen für diese Entwicklung hätten sich schon länger angebahnt, deshalb habe er die eigenen Lagerkapazitäten schon erhöht. Aber zum einen bringe das höhere Lagerkosten mit sich, zum anderen sei ein Vorrat nur bedingt tauglich: „Jedes Haus wird ganz individuell geplant. Es nützt deshalb nichts, wenn ich jede Menge acht Meter lange Balken ins Lager lege, der eine Kunde dann aber welche von sechs und der andere von neun Metern Länge braucht.“

Damit der Holzpreis nicht noch ins Endlose steigt, hofft Telgmann auf ein Einschreiten der Regierung. „Es muss Regelungen geben.“ Schließlich habe Holz als Baustoff aus heimischer Produktion eine gute CO2-Bilanz – die durch Transporte über den halben Erdball aber wieder zunichtegemacht werde.