Heimisches Obstangebot wird teurer und rarer

Nach Wetterkapriolen

Erst die Erdbeeren und der Spargel, jetzt die Kartoffeln und Kirschen: Die Wetterkapriolen der letzten Wochen machen den Obst- und Gemüsebauern zu schaffen – und damit auch den Marktbeschickern. Denn: Die Ernteausfälle schlagen sich im Preis nieder – und in der Nachfrage.

HEEK

, 15.07.2016, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Erdbeeren und Spargel – das war beides nicht so toll“, sagt Birgit van de Maat. Die 57-Jährige hat ihren Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt in Heek aufgebaut – wie jeden Freitag. Sie fügt hinzu: „Für die Landwirte auch nicht.“

Van de Maat kauft ihre Ware regional. Da habe sich viel verändert im Laufe der Jahre. „Großmarktware macht prozentual nur einen kleinen Anteil aus“, sagt die Marktfrau. Der Marktkunde habe hohe Ansprüche. „Der verlangt Frische.“ Doch sie und ihr Mann müssen zurzeit weiter fahren, um frische Ware zu bekommen. „Die Felder waren überflutet, da verfault die Ernte“, erklärt sie. Das sei nicht nur bei den hiesigen Erdbeeren der Fall, sondern auch bei den Kartoffeln. „Heute habe ich die ersten heimischen da.“

Salat im Zeitungspapier

Eine nach der anderen kommen Kundinnen an den Stand. Obwohl der Markt auf den ersten Blick ruhig wirkt, hat van de Maat gut zu tun. „In den Ferien fahren wir etwas runter“, erklärt sie. Normalerweise steht sie nicht allein hinter den Auslagen. Aber es lohnt sich. „Wir haben fast ausschließlich Stammkunden auf dem Dorf“, sagt sie. In Ahaus oder Haltern etwa komme auch Laufkundschaft. Hier ist das anders.

„Guten Morgen“, begrüßt sie die nächste Kundin. Van de Maat kennt viele mit Namen, manche duzt sie. Salatköpfe wechseln den Besitzer, Nektarinen, Kiwis, Bananen. Eine Frau lässt sich den Salat in Zeitungspapier wickeln. „Bitte keine Tüte“, betont sie. Fast jeder hat einen Beutel oder Korb dabei, um seine Einkäufe zu verstauen.

Äpfel und Erdbeeren

Van de Maat bietet Kartoffeln an, aber die Dame am Rollator, die eben vom Fleisch- und Wurststand herübergeschoben kommt, winkt ab. Bloß Äpfel für ihren Kartoffelsalat – die hätte sie gern.

Noch gibt es Erdbeeren, die kommen aber nicht aus dem Freiland. Und sie sind teurer als sonst. 2,75 Euro das Pfund. Dabei muss die Ahauserin den Vergleich mit anderen Anbietern nicht scheuen. Und das nicht nur beim Preis, wie eine Kundin betont: „Ich habe hier 20 Kilo Erdbeeren gekauft, und da war nicht eine von schlecht.“ Van de Maat strahlt. Die Kundin erklärt: „Ich will Marmelade kochen.“ Und lässt sich Johannisbeeren abwiegen.

Preisliche Niederschläge

„Was jetzt noch da ist, muss unters Volk“, sagt van de Maat. Die Ausfälle ließen sich ohnehin nicht wettmachen. Das werde auch bei den Kirschen so sein. „Es sind weniger als sonst, und preislich schlägt sich das nieder“, sagt sie. Tatsächlich: 2,95 Euro für 500 Gramm. Sogenannte „Dachkirschen“ aus Süddeutschland, die ohne Witterungseinflüsse reifen, kosten 4,50 Euro.

„Eigentlich wären die sogar noch einen Euro teurer, aber ich mache sie heute günstiger“, erklärt van de Maat. Verständlich. „Der Kunde nimmt weniger mit.“

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