Intensive Podiumsdiskussion: Dinkelbündnis, SPD und CDU zeigen klare Kante

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Dinkelbündnis, CDU und SPD luden am Dienstagabend zu einer Podiumsdiskussion ins Dinkelstadion ein. Der Andrang war riesig und die Debatten wurden intensiv und mit offenem Visier geführt.

Heek

, 19.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nur wenige Minuten nach dem Einlass ab 18.30 Uhr im Dinkelstadion waren die 250 Sitzplätze besetzt. Das Interesse der Heeker an der gemeinsamen Podiumsdiskussion von Dinkelbündnis, SPD und CDU war riesig. Und die gut zweistündige Debatte hat gezeigt: Die Kontrahenten haben unterschiedliche Auffassungen von der Lokalpolitik in Heek. Und verbal scharf geschossen wurde obendrein.

Direkt zu Beginn flog die erste verbale Spitze vom Vorsitzenden des Dinkelbündnisses, Prof. Dr. Berthold Wigger, in Richtung CDU: „Uns fehlt die Vielfalt im Rat. Es geht um Transparenz. Wir wollen eine Alternative sein, um das Gleichgewicht im Rat wiederherzustellen.“

SPD kritisiert fehlende Transparenz

Dazu muss man wissen: Der Gemeinderat setzt sich seit Jahren aus nur zwei Parteien zusammen, wobei die SPD stets die Minderheit darstellte. Genau an diesen Fakt knüpfte auch Hermann-Josef Schepers (SPD) an: „Wir müssen hier die Transparenz erhöhen, wie Grundstücke vergeben werden. Das muss nach Außen für die Bürger kommuniziert werden.“ Und: „Wir als Oppositionspartei müssen leider immer einen Kompromiss eingehen, wenn wir etwas realisieren möchten.“

Der Andrang im Dinkelstadion war bereits 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung riesig.

Der Andrang im Dinkelstadion war bereits 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung riesig. © Till Goerke

Das ließ Markus Jasper (CDU) so natürlich nicht stehen. „Im Rat gibt es übrigens immer eine Mehrheit. Damit jetzt so direkt um die Ecke zu kommen, ist billig.“ Konter Berthold Wigger: „Es ist das eine, dass es eine Mehrheit gibt. Es ist etwas anderes, ob es immer dieselbe sein muss.“

WMW-Moderator Steve Ridder führt durch den Abend

Damit waren die Standpunkte zueinander abgesteckt. Dinkelbündnis und SPD gegen die CDU – das wurde (auch) auf der Bühne am Dienstag deutlich. Wobei jetzt nicht der Eindruck enstehen soll, dass nur Giftpfeile flogen und alle durcheinander redeten. Nein, es gab ein klares Vorgehen.

Auch Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff (rechts/parteilos) hörte sich die politische Diskussion direkt aus der ersten Reihe aus an.

Auch Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff (rechts/parteilos) hörte sich die politische Diskussion direkt aus der ersten Reihe aus an. Hier ist er vor Beginn im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Dinkelbündnisses, Prof. Dr. Berthold Wigger (l.). © Till Goerke

WMW-Moderator Steve Ridder führte durch den Abend. Jede der drei „Parteien“ durfte nur zu vier Themenblöcken etwas direkt sagen. Die Themenzettel wurden zufällig aus einem kleinen Korb gezogen und der Reihe nach verteilt. Dabei durften die Kontrahenten, wenn sie an der Reihe waren, aber auch auf Redebeiträge der politischen Konkurrenz eingehen.

Pia Leusing findet klare Worte

Und so entwickelte sich mit jeder Minute eine immer intensivere Diskussion um die Themenschwerpunkte Ratszusammensetzung, Baugrundstücke oder auch Frauenquote in der Heeker Lokalpolitik. Und gerade für letzteren Punkt setzte sich Pia Leusing vom Dinkelbündnis ein.

Hielten die Fahne der SPD hoch: Hermann-Josef Schepers (r.) und Matthias Alfert.

Hielten die Fahne der SPD hoch: Hermann-Josef Schepers (r.) und Matthias Alfert. © Till Goerke


Wirkte sie zu Beginn noch etwas nervös, wurde sie mit jeder Minute sicherer und fokussierter. „Mehr Frauen im Rat können nicht schaden. Es ist wichtig, dass auch wir gehört werden. Darum stellen wir auch sechs Kandidatinnen auf.“ Der treffsichere Konter der CDU in Person von Markus Jasper folgte prompt: „Und weil das so wichtig ist, stehen vorne in der Liste nur Männer?“

Baugrundstücke sind großes Thema

Besonders lange zogen sich die drei Kontrahenten am Thema Baugrundstücke hoch. „Wir haben derzeit etwa 65 Bewerber auf ein Baugrundstück. Das ist schade“, stellte Walter Niemeyer (CDU) klar. „Darum weisen wir seit Jahren darauf hin, mehr Baugrundstücke auszuweisen.“ Denn das Problem sei einfach, dass es überhaupt keine Grundstücke gebe. „Wie kann das familienfreundlich sein?“

Sprachen für das Dinkelbündnis: Pia Leusing und Prof. Dr. Berthold Wigger.

Sprachen für das Dinkelbündnis: Pia Leusing und Prof. Dr. Berthold Wigger. © Till Goerke

Diese Aussage wirkte wie eine Initialzündung für die SPD. „Natürlich möchte jeder in einem eigenem Haus wohnen, aber nicht jeder kann sich das leisten. Das ist doch der Punkt“, wetterte Hermann-Josef Schepers. „Es geht um intelligente Lösungen.“ Gemeint war damit unter anderem eine Nachverdichtung im Bestand.

CDU wehrt sich gegen die Vorwürfe

Und während die CDU darauf verwies, dass es sinnvoll gewesen sei, in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der niedrigen Zinsen eine große Menge Bauerwartungsland zu kaufen, stellte Berthold Wigger klar: „Es kann nicht sein, dass die Gemeinde spekulative Grundstücksgeschäfte tätigt (günstig einkaufen und teurer Verkaufen - d. Red.).“

Repräsentierten die CDU: Walter Niemeyer (l.) Markus Jasper

Repräsentierten die CDU: Walter Niemeyer (l.) Markus Jasper © Till Goerke

Nun wenige Sekunden nach dieser Aussage schoss Walter Niemeyer zurück. „Davon habe ich doch auch gar nichts gesagt. Nicht die Fakten verdrehen.“ Und sein Mitredner, Markus Jasper, wurde noch deutlicher: „Nicht immer kommt für derartige Lösungen der Heilsbringer von Außen und ist hochstudiert.“

Keiner der Kontrahenten verkauft sich schlecht

Zu dieser Aussage muss man wissen, dass der Vorsitzende des Dinkelbündnisses in Heek geboren wurde, die Dinkelgemeinde in der Folge aber auch verlassen hat. Und er hat mit Blick auf seine akademischen Titel und seinen Lehrstuhl für Finanzwissenschaft und Public Management am Karlsruher Institut für Technologie eine steile Karriere hingelegt. „Ich bin aber sehr oft in Heek und fühle mich mit meiner Heimat sehr verbunden“, merkte Wigger in der Diskussion an.

Die 250 Sitzplätze waren innerhalb weniger Minuten nach dem Einlass gefüllt.

Die 250 Sitzplätze waren innerhalb weniger Minuten nach dem Einlass gefüllt. © Till Goerke

Ohnehin interessant, dass die CDU als Anrede stets „Professor“ statt des Namens verwendete. Ob und was dahinter steckte, ist spekulativ. Fakt ist: Die CDU parierte alle verbalen Angriffe abgeklärt. Insgesamt hat sich keiner der Kontrahenten schlecht verkauft. Man darf gespannt sein, wie das Wahlergebnis am 13. September ausfallen wird. Denn eines ist klar: Jeder Heeker hat jetzt mehr Auswahl für sein Kreuzchen.

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