Die Ortsteile Nienborg (oben) und Heek (unten) sind seit 1969 eine Gemeinde unter dem Namen "Heek". Das führt offenkundig noch immer zu Konflikten. © Geodatenatlas Kreis Borken
Einwohnerbefragung

Konflikte zwischen den Ortsteilen auch nach über 50 Jahren Einheit

Seit über 50 Jahren sind die heutigen Ortsteile Heek und Nienborg eine Gemeinde. Nicht konfliktlos, wie jetzt eine Einwohnerbefragung ergab. Und es gibt noch mehr überraschende Ergebnisse.

Vor geraumer Zeit hatte die Gemeindeverwaltung beim Pestel-Institut aus Hannover eine ausführliche Einwohnerbefragung in Auftrag geben. Alle Heeker hatten dabei die Möglichkeit, jene Dinge zu nennen, die ihnen vor Ort zusagen und welche nicht. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Mit Überraschungen.

1365 Fragenbögen wurden beim Pestel-Institut eingereicht. 70 per Post, der Rest auf digitalem Wege. 1000 Fragenbögen waren nach Angaben des Instituts vollständig ausgefüllt, sprich jede der zahlreichen Frage beantwortet. Gut 13 Prozent der Heeker nahmen letztlich an der Befragung teil.

Vorzüge und Nachteile der Gemeinde

Auf die Einzelheiten der Befragung, die jetzt der Verwaltung und den Fraktionen zur internen Beratung vorliegen, wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Stattdessen werden jeweils die größten Vorzüge und Nachteile der Gemeinde Heek vorgestellt. Auf Basis der Antworten.

Die offene Frage (ohne vorgegebene Antworten) was die größten Vorzüge der Gemeinde sind, lieferte folgendes Ergebnis: 1. Die gute Verkehrsanbindung (A31), 2. Die ländliche Lage/Ruhe und 3. Infrastruktur.

Aber: Der Zustand der Straßen und Wege ist bei der Infrastruktur ausgeklammert, denn dieser wurden deutlich kritisiert. Noch mehr als der schlechte Zustand dieser wurde das Fehlen von Baugrundstücken bemängelt, dicht gefolgt vom Punkt „Mangel an (günstigem) Wohnraum“.

Da auch die Frage nach den drängendsten Problemen in Heek offen gestellt war, tauchten auch die Punkte „Konflikte im Gemeinderat“, „Gastronomie“, „Kneipensterben“ und der „generelle Konflikt zwischen den Ortsteilen Heek und Nienborg“ im oberen Drittel der häufigsten Antworten auf.

Seit 1969 eine Gemeinde

Bis 1969 waren die Gemeinden Heek und Nienborg eigenständig. Am 7. Januar 1969 stimmten beide einem Gebietsänderungsvertrag zu und schlossen sich zu einer Gemeinde zusammen. Im Juni 2019 war das 50-jährige Jubiläum.

Nach den Ergebnissen der jüngsten Einwohnerbefragung ist das offenkundig noch längst nicht bei allen verinnerlicht. Anders ist der Punkt mit dem „generellen Konflikt zwischen Ortsteilen“ nicht zu erklären.

Auch der schlechte Zustand vieler Straßen und Wege in der Gemeinde wurde von den Teilnehmern der Befragung kritisiert.
Auch der schlechte Zustand vieler Straßen und Wege in der Gemeinde wurde von den Teilnehmern der Befragung kritisiert. © Markus Gehring © Markus Gehring

Konkrete Beispiele liefert die Studie nicht. Ob Verwaltung und Politik die Wogen glätten können, ist fraglich.

Dass einige Antworten, etwa die Kritik an fehlenden Freizeit- und Sportmöglichkeiten womöglich durch die Corona-Pandemie und den Lockdown beeinflusst sein könnten, wollte Jonas Abraham vom Pestel Institut, der die Ergebnisse jüngst im Gemeinderat vorstellte, nicht ausschließen.

Viele Baustellen sind bekannt

„Viele Daten und Fakten. Und natürlich kennen wir unsere Baustellen“, kommentierte Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff die Ergebnisse. Die CDU-Fraktion wies daraufhin, dass man sich jetzt vor allem mal mit den absoluten Zahlen beschäftigen müsse.

Erklärung: Viele Antworten waren bei der Ergebnispräsentation nur prozentual dargestellt. Das erschwert natürlich die Einschätzung der Gewichtigkeit, wenn unklar ist, wie viele Personen zum Beispiel hinter 14 Prozent stehen.

Und die SPD-Fraktion hakte beim Mitarbeiter des Instituts nach, wie oft denn so eine Einwohnerbefragung sinnigerweise wiederholt werden müsse. Die Antwort Abrahams: „Zwischen zwei und fünf Jahren empfehle ich.“

Idealerweise mit den gleichen Fragen. So sei eine Entwicklung – in welche Richtung auch immer – ablesbar. Etwas, das sowohl für die Verwaltung als auch die Lokalpolitik elementar ist, um die Entwicklung der Gemeinde in die „richtige“ Richtung vorantreiben zu können.

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