Konserven statt Kamelle

Blutspendetermin

"Wir kommen nicht nur für den Kartoffelsalat. Wir sind hier, weil es eine gute Sache ist." Die beiden Frauen, die nebeneinander auf den Pritschen in der Aula der Kreuzschule liegen, sind sich einig. In allem. Darin, dass Blut zu spenden vielen Menschen helfen kann. Und darin, dass sie auf keinen Fall ihre Namen nennen möchten: "Uns kennt in Heek ja sowieso jeder. Da tut der Name nichts zur Sache."

HEEK

von Susanne Menzel

, 27.02.2017, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Grüppchen zu zwei, drei Personen kommen die Heeker an diesem Karnevalsfreitag in die Schulaula. Vereinzelt, nicht in der Masse. "Es könnten mehr sein", sagt Eric Stein, Leiter der ehrenamtlichen Rot-Kreuzler Heek-Nienborg. "Dieser Termin war ein Test. Letztes Jahr haben wir am Aschermittwoch zur Spende aufgerufen, dieses Jahr mitten im Karneval."

Es sei immer schwierig, die passenden Räume zu bekommen, gibt der Ehrenamtliche zu. "Die Aula ist halt nicht immer frei." Dass zu Karneval die Narren vielleicht anderes im Sinn haben könnten - oder auch die Blutwerte möglicherweise Alkohol aufweisen könnten, darum hat Eric Stein keine Bedenken: "Das Blut wird ja getestet. Wir haben dabei bisher nicht festgestellt, dass jemand vorab getrunken hätte." So um die 150 bis 160 Spender registriert der Ortsverein in der Regel in Heek. Etwas weniger, zwischen 80 und 90, seien es stets zuvor in Nienborg. Etwa fünf bis sechs Erstspender sind im Durchschnitt dabei.

Persönliche Betreuung

An diesem Nachmittag sind die neun Spenderplätze selten mal alle gleichzeitig gefüllt. Die zwei Ärzteteams aus Münster samt ihrer Helfer können es ruhig angehen lassen. Sie haben Zeit, sich in Ruhe um jeden Einzelnen zu kümmern. Diese Muße genießt noch jemand: Alfred Gärtner, sozusagen ein Heeker Urgestein. Auch wenn er jetzt schon seit mehr als 30 Jahren in Nienborg wohnt. "Seit 1962 bin ich Mitglied im Roten Kreuz", erzählt der 72-Jährige. "Früher war es die Aufgabe der Ehrenamtlichen, die Teams mit kleinen Tätigkeiten zu unterstützen und auch ein wenig Betreuung bei den Spendern zu leisten. Es ist ja nicht gerade toll, während der Zeit, wo das Blut läuft, nur an eine weiße Decke zu starren", sagt er.

Von Platz zu Platz

Und so geht Alfred Gärtner auch heute noch von Platz zu Platz, redet "über Wind und Wetter, ein wenig Politik, ein wenig Klatsch - man kennt sich in der Gemeinde und weiß viel voneinander.

Unterdessen sind die Blutbeutel von Joachim Liebig und Firat Islek vollgelaufen. Ein Helfer zieht ihnen vorsichtig die Nadel aus dem Arm, ein paar Minuten müssen die Männer noch ruhen. Dann geht’s zur Stärkung ab in den Speisesaal. Dort sind Küchenfee Gudrun Schiller und Walter Kottig mit ihrem Team schon eifrig am Werk. Schnittchen schmieren, Obst und Gemüse klein schneiden, Bockwürstchen heiß machen. Sorgsam werden die Lebensmittel auf den großen Platten angerichtet.

Konzentriert arbeiten die Frauen und Männer hier Hand in Hand. Ein eingespieltes Team, das sich ohne große Worte versteht. "Wir können uns alle voll und ganz aufeinander verlassen", lobt Walter Kottig. "Die Gudrun springt auch mal für mich ein, wenn ich beruflich verhindert bin. Und ich halt für sie."

Leckereien selbst gemacht

Seit 51 Jahren gehört Gudrun Schiller sozusagen "zum Inventar" im Ortsverein. "Ich bin die Frau für alle Fälle und manchmal auch der ruhende Pol." Mag man das mit der "Ruhe" gar nicht so ganz glauben, wenn man die quirlige Frau in Aktion sieht. Sie hat ihre Augen überall, weiß, wo gerade etwas fehlt, wo Hilfe dringend gebraucht wird. Und sie weiß vor allem, was den Spendern am besten schmeckt, um sie auch beim nächsten Mal zum Wiederkommen zu animieren. "Unsere Schnitzel sind immer der absolute Renner", verrät sie. "Die Soßen dazu mache ich alle selbst." Auch der Kartoffelsalat stammt aus Heeker Küchen. "Wir verwöhnen unsere Spender.

  • Die nächsten Blutspendetermine in Heek: 28. April, 30. Juni, 15. September und 8. Dezember, jeweils von 16.30 bis 20.30 Uhr in der Kreuzschule, Donaustraße 12.
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