Landwirte sind von Ernte enttäuscht

Rund 20 Prozent Einbußen

Die Erntebilanz wird in diesem Jahr wohl schlechter ausfallen als sonst. Für viele Landwirte kommt Hoch "Burkhard" zu spät. Oder zu früh. Die Wintergerste ist eingefahren, Triticale ist noch nicht soweit. Das Heu ist spät dran. "Allgemeine Enttäuschung", bilanziert Lohnunternehmer Helmut Gieseler aus Heek.

Heek

, 19.07.2016, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lohnunternehmer Helmut Gieseler kann aktuell nur die erste Heuernte für seine Kunden einfahren (i. Hintergrund). Er hofft mit den Landwirten, dass einige trockene Tage der Triticale die letzte Erntereife schenken.

Lohnunternehmer Helmut Gieseler kann aktuell nur die erste Heuernte für seine Kunden einfahren (i. Hintergrund). Er hofft mit den Landwirten, dass einige trockene Tage der Triticale die letzte Erntereife schenken.

Temperaturen um die 25 Grad, wolkenloser Himmel, Trockenheit - endlich bestes Erntewetter, sollte man meinen. Doch die nächsten Gewitter sind schon angekündigt, und das Hoch kommt für die eine Ernte zu spät, für die andere zu früh.

Vom Wetter abhängig

"Es ist schon ärgerlich", sagt Helmut Gieseler. "Die Gerste ist weg, und Triticale ist noch nicht so weit." Der Heeker Lohnunternehmer fährt seit 45 Jahren für Landwirte in Heek und Umgebung die Ernte ein. Dass das Geschäft vor allem vom Wetter abhängig ist, nimmt er ebenso selbstverständlich wie die Tatsache, dass er mit 69 Jahren den Dreschflegel noch nicht aus der Hand gelegt hat - sinnbildlich gesprochen. Je drei Mähdrescher und Pressen sowie einige Schlepper hat er im Einsatz, wenn die Erntezeit den Höhepunkt erreicht.

Stroh ist noch grün

Noch ist die Stimmung verhalten, wie er sagt. "Das Korn ist reif, aber das Stroh ist noch grün", erklärt er und zeigt teils noch grüne Ähren. Da könne man nicht dreschen. Und auch bei der Ernte der Wintergerste ging nicht alles glatt. "Manche Flächen waren zu nass, da konnten wir nicht fahren."

Tatsächlich hätten einige Landwirte Probleme gehabt nach den letzten Starkregen, bestätigt Ortslandwirt Heinz Bendfeld. Allerdings seien die meisten "einigermaßen mit einem blauen Auge weggekommen." Mancherorts gebe es innerhalb weniger hundert Meter große Unterschiede, weil mancher Regenstreifen lokal begrenzt runterkam.

Bernhard Ostendorf vom Landwirtschaftlichen Ortsverband schätzt, dass die Ernteeinbußen bei etwas 20 Prozent liegen werden. Genau sagen ließe sich das erst in ein paar Wochen. Bei der Wintergerste sei aber absehbar: "Da werden sonst sieben bis acht Tonnen je Hektar geerntet, jetzt waren es nur fünf bis sechs."

Eigentlich ein gutes Jahr

Und das, obwohl die Gerste zunächst gut durch den Winter gekommen sei. Ostendorf: "Optisch macht sie ein gutes Bild, aber trotzdem gab es die Einbußen." Gieseler bestätigt das: "Eigentlich war es ein gutes Frühjahr fürs Getreide, mit milden Temperaturen und Wechsel zwischen Sonne und Regen." Aber die Hoffnungen auf eine gute Ernte ersoffen förmlich in den Starkregen, die dann folgten.

Zitterpartie

Für viele ist das eine Zitterpartie zwischen Hoffen auf ein paar trockene Tage am Stück, die dem Korn die letzte Feuchte entziehen und das Stroh reifen lassen und der Angst vor dem nächsten Regen. Wer das eine will, riskiert das andere. Die Bauern brauchen auch das Stroh fürs Vieh, weiß Gieseler.

"Im Sommer geht das Wasser schnell weg - zur Freude der Bauern und der Unternehmer", sagt er und gibt sich optimistisch. "Ich schätze, dass es am Wochenende was wird - wenn nicht wieder ein Gewitter dazwischen kommt."

Lesen Sie jetzt