Lebendige Erinnerung ans Leprosenhaus in der Bült

Metallskulptur

Die Einweihung steht noch aus, aber die Stele steht. Sie soll künftig an das historische Leprosen- oder Klepperhaus erinnern, das einst in den Bülten zwischen Heek und Nienborg lag. Am Mittwoch wurde die Metallskulptur an der Straße Bült installiert.

HEEK

, 19.05.2016, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Krücke, eine Klapper und die typische Bettlerhaltung im Kapuzenumhang: Wer von Lepra, oder "Aussatz" wie die Krankheit früher im deutschen Sprachraum hieß, befallen war, musste und sollte auffallen. Die Stele an der Bült, die künftig an die Geschichte der Lepra-Kranken vor Ort erinnert, macht es bildhaft deutlich: Die Angst vor Ansteckung war groß, und so mussten die Erkrankten nicht nur durch stetes Klappern ihre Umwelt warnen, sondern auch außerhalb der Gemeinschaft leben: "ausgesetzt".

"By der Woest in den Bergen", hieß das Areal zwischen Heek und Nienborg, wo dank der Mildtätigkeit der Burgmann-Familie von Keppel ein "Klepperhuys" lag, umgeben von einer Gräfte, mit eigenen Gärten und fernab der Dörfer. Noch heute erinnert der Straßenname Kloppenkamp in der Bauerschaft Averbeck an die frühere Nutzung.

Komplett ausgeschlossen

"Die waren vom dörflichen Leben komplett ausgeschlossen", erklärt Theo Franzbach vom Heimatverein Nienborg. "Man hat den Leuten Erde auf die Füße geworfen und gesagt: Du bist tot!" Und wer tot war, hatte keinen Platz in der Gemeinschaft.

Die Heimatvereine aus Heek und Nienborg sowie der Schützenverein St. Ludgerus Heek und die AG Nienborg des Deutschen Aussätzigen-Hilfswerks haben gemeinsam die Idee einer Gedenkstätte am historischen Ort des urkundlich von 1510 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts belegten Hauses verfolgt. Unterstützt wurde sie von der Gemeinde Heek und einigen Sponsoren. "Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war ganz hervorragend", lobt Theo Franzbach den Prozess. Der Vorsitzende des Heimatvereins Nienborg hat das Projekt federführend begleitet und organisiert.

Offizielle Einweihung

Auch am Mittwoch legte Franzbach selbst mit Hand an. Bis zur offiziellen Einweihung am Sonntag, 5. Juni, soll noch eine Informationstafel angebracht werden, die die historischen Daten und Fakten zusammenfasst. In Zukunft sollen unter anderem Schulen hier "Geschichte zum Anfassen" erleben und erfahren.

So ist eine Nachbildung der hölzernen Klappern, die die Kranken im Mittelalter und noch lange danach mit sich führen mussten, angebracht worden: aus Edelstahl und Hartgummiplatten. Wer will, kann sich beim Klappern ausprobieren - so wie Theo Franzbach, der es sich nicht nehmen lässt, die Klapper zu testen. "Gehört ja auch zum Handwerk", lacht er.

Historische Recherchen

Die nach historischen Recherchen von Josef Wermert von Michael Franke aus Erkelenz gestaltete Stele wurde in Heek von der Firma MVK angefertigt. Der Bauhof der Gemeinde half bei Transport und Installation - zusammen mit zahlreichen helfenden Händen der Männer der beiden Heimatvereine.

Die haben indes schon neue Pläne. Er sehe sich da eins mit den Bestrebungen der Gemeinde, den Tourismus zu beleben, meint Franzbach: "Wir haben angedacht, einen historischen Rundweg einzurichten", erklärt er, "mit verschiedenen Stellen, wo man auf die Geschichte der Gemeinde hingewiesen wird."

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