Mehr Platz für Familien in renovierter Flüchtlingsunterkunft

Asylbewerber helfen mit

Die einen helfen draußen beim Pflastern, die anderen wischen drinnen den Küchenboden: Bei der Renovierung der Flüchtlingsunterkunft in der Bült packen die Bewohner mit an. Zwei der drei Wohnungen sind bereits renoviert - dank Eigenleistung und Spenden mit geringem Finanzaufwand.

HEEK

, 07.09.2016, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Zwei gut", sagt Zainulabdeen Al-Shihmani in gebrochenem Deutsch: Dann überlegt er. "Drei Familien: Problem." Der Familienvater aus dem Irak steht in der Küche von Wohnung 21a in der Flüchtlingsunterkunft Bült. Neben ihm steht seine Frau mit dem zweijährigen Hasan auf dem Arm.

Ein weiteres Kind schläft, zwei sind in der Schule. Der 28-Jährige deutet auf den Herd. Schnell ist klar, was er meint: Wenn sich drei Familien einen Herd teilen müssen, wird es eng.

Vollbelegung unerwünscht

Von drei möglichen wohnen aktuell nur zwei Familien hier. Die gesamte Unterkunft mit drei Wohnungen ist mit 48 Personen belegbar. Das soll aber nicht ausgeschöpft werden, heißt es bei der Gemeinde. Eine Gemeinschaftsküche für jede Wohnung gilt dort als Fortschritt: großzügig geschnitten und mit einer Einbauzeile ausgestattet, bietet sie Platz zum Kochen und Essen für gut zehn Personen. Kürzlich erst wurde sie renoviert, nicht zuletzt dank privater Möbelspenden und der Mitarbeit von Asylbewerbern.

"Die Kosten bewegen sich im vierstelligen Bereich", sagt Bauamtsleiter Herbert Gausling. Genau beziffern ließe sich das nicht. Die Gemeinde baut auf Eigenleistung sowie günstige Materialien und Möbel, um die in die Jahre gekommene Unterkunft zu renovieren. So stammen die Steine fürs Pflaster vor den Eingängen von der Ochtruper Straße, wo die Vorarbeiten für die Sanierung laufen.

Bau aus den 90er-Jahren

Anfang der 90er-Jahre war das Gebäude entstanden, um Flüchtlinge vom Balkan aufzunehmen. Meist lebten alleinstehende Männer dort, auch Obdachlose. "Früher war das hier Wohnen, Kochen, Essen und Schlafen in einem Raum", erklärt Jörg Oelpmann vom Bauhof, der die Arbeiten beaufsichtigt. In Wohnung 21b ist noch der alte Zustand zu sehen. Sie wird voraussichtlich nächstes Jahr renoviert, schätzt Gausling.

"Wenn man eine Unterkunft hat, die nicht so gepflegt ist, legen die Bewohner auch nicht soviel Wert darauf, sie zu pflegen", sagt Gausling. Die Gemeinde setze darauf, dass das mit der Belegung durch Familien besser wird.

Verständigungsprobleme

Anil Priyntha Kumara kann derzeit nur von Familie träumen. Frau und Kinder hat er in Sri Lanka zurückgelassen. Er vermisse sie sehr, sagt er auf Englisch. Der 42-Jährige lebt in 21b - da, wo alles beim Alten ist. Mit einem Georgier, Arabern und Afrikanern. Die Männer teilen einen Herd, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat, die Verständigung ist schwierig. Ob das ein Problem ist, lässt sich nur ahnen. "Englisch? Französisch? Deutsch?" Der Georgier schüttelt den Kopf. Wortlos.

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