Ministerin Scharrenbach lässt Nienborg doch nicht im Regen stehen

rn11.500 Euro Förderung für Advena-Statue

Mit einer Stunde Verspätung trudelte die Heimatministerin in Nienborg ein, um den Förderbescheid für die Paul-Advena-Statue an der Mühle zu übergeben. Nach dem Regen floss das Geld.

Heek

, 22.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob Paul Advena an der Nienborger Mühle saß, als er seine Zeilen zu Papier brachte, ist nicht überliefert. Seine Statue jedenfalls sitzt künftig lebensgroß auf einer Holzbank mit Blick auf die Wassermühle. „Immer rauscht das Mühlrad noch seine alte Weise und ich halte an den Schritt, und ich horche leise“, schrieb der Nienborger Heimatdichter. Nun möchte ihm der Heimatverein ein Denkmal setzen.

Die dafür nötige Unterstützung sollte aus Düsseldorf kommen. NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach hatte sich angekündigt, um einen Förderbescheid über 11.500 Euro an die Gemeinde zu übergeben. Doch zunächst ließ sie die versammelte Lokalprominenz um Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff, Landtagsabgeordnete Heike Wermer und Landrat Kai Zwicker buchstäblich im Regen stehen. Ein Planungsfehler der Ministerin, denn die befand sich noch auf einem Termin in Coesfeld.

Als sie eine Stunde später mitsamt Förderbescheid in Nienborg ankam, ließ sich der Vorsitzende des Heimatvereins, Theo Franzbach es nicht nehmen, sie als Ehrengast zur Enthüllung der Skulptur im April einzuladen. „Dann aber pünktlich“, so Ina Scharrenbach.

Ministerin Scharrenbach lässt Nienborg doch nicht im Regen stehen

Theo Franzbach (l.) lud die Ministerin (r.) auch gleich zur Enthüllung ein. © Falko Bastos

„Weltbürger, der seine Heimat nicht vergessen hat“

Eine Unterschrift des Bürgermeisters war nötig, dann war die Landesförderung aus dem Heimat-Fonds besiegelt. „Wer den Platz hier sieht, merkt: Heimat ist hier nicht nur eine Luftblase, sondern wird auch umgesetzt“, so Weilinghoff. „Eine Skulptur zum Anfassen und zum Dazusetzen halte ich für eine sehr gute Idee.“ „Heimat lebt davon, dass man sich dafür einsetzt“, lobte die Ministerin das Projekt des Heimatvereins. „Und ich glaube, Paul Advena war mit Leib und Seele Nienborger.“

„Er war ein Weltbürger, der seine Heimat in der weiten Welt nicht vergessen hat“, erklärte Franzbach. Gelebt hat der Apotheker und Heimatdichter in Kairo, Alexandria, Istanbul und in der Schweiz. 1941 schickte er seiner „Heimatstadt Nienborg als ein Zeichen alter Anhänglichkeit“ zwei seiner handschriftlichen Gedichtbände. Einen Teil der erhalten gebliebenen Werke erhielt der Heimatverein Nienborg. „O wie schön ist es, eine Heimat zu haben, eine Heimat, mit der man durch Geburt, durch Erinnerungen und durch Liebe verbunden und verwachsen ist“, schrieb Advena. Nun bekommt er einen symbolischen Platz in seiner Heimat.

Ministerin Scharrenbach lässt Nienborg doch nicht im Regen stehen

So wie in diesem Modell soll Advena künftig auf die Mühle blicken. © Heimatverein

Zufallsfund im Archiv

Zu verdanken ist dies auch einem Zufallsfund. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens in diesem Jahr hatte der Heimatverein nach einer Möglichkeit gesucht, dem Dorf etwas Bleibendes zu übergeben. „Wir hatten zuerst daran gedacht, an die ehemalige Gerichtsstätte der Burg zu erinnern“, verrät Theo Franzbach. „Aber an einen Ort zu erinnern, an dem auch Todesurteile ausgesprochen wurden, ist schwierig.“

Gerade als bei der Gemeinde der Plan aufkam, den Platz an der Mühle umzugestalten, entdeckte Johannes Buss im Archiv des Heimatvereins das Gedicht „An der Mühle in Nienborg“. Im Gespräch mit dem Horstmarer Künstler Erich Büscher-Eilert und der Landschaftsarchitektin Nina Stirnberg entstand der Plan vom sitzenden Paul Advena. „Das war die viel bessere Idee, aber auch die teurere“, so Theo Franzbach. Die Hälfte der Projektkosten kommt aus dem Fördertopf, der Rest soll über Sponsoren finanziert werden.

Auch Paul Advenas Gedicht wird auf der Bronzeskulptur zu lesen sein: „Horchte ich als Kind doch schon gerne seinem Rauschen; ist es mir, als wollt‘s auch heut Grüße mit mir tauschen.“

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